Fisch noch Fleisch

Financial MarketsAm Jahresanfang war die Stimmung ganz eindeutig, sowohl für Aktien als auch für Gold und damit wie immer auch für die anderen Edelmetalle insbesondere Silber. Dem menschlichen Herdentrieb entsprechend sollte es so weitergehen wie in 2013. Die Aktien sollten weiter steigen und Gold weiter verlieren. Die Argumente in allen Medien sprachen eindeutig dafür, zumindest für all diejenigen, die nicht verstanden haben, dass an der Börse eben nicht die Nachrichten die Kurse machen, sondern die Kurse die Nachrichten. Und so kam es wie so oft wieder einmal anders.
Vor allem das gelbe Edelmetall versetzte die Anleger ins Staunen. Statt in Richtiung 1.000 US-Dollar pro Feinunze abzudriften, wie sogar die Experten der renommierten Investmentbank Goldman Sachs voraus gesagt hatten, stieg es deutlich an und legte in der Spitze um über 15 Prozent zu. Lange hielt sich zunächst die Skepsis, vor allem bei den Technikern, bis bei 1350 Dollar eine wichtiger technischer Widerstand gebrochen wurde. Damit beschleunigte sich dann der Aufwärtstrend, offenbar gingen die Chartgläubigen dann wieder hinein. Das Ergebnis war voraussehbar. Nach dem kurzen Rausch fehlten neue Käufer und es ging abwärts. Die Verlustbegrenzungen derjenigen die kurz zuvor eingestiegen waren, schickten den Feinunzenpreis noch schneller wieder nach unten als er gestiegen war. Fehlsignal nennen das die Chartisten.
Dennoch liegt Gold immer noch sieben Prozent über seinem Stand am Jahresanfang und hängt die so positiv gesehenen Aktienmärkte damit locker ab. Gemessen am DAX sind sie plus/minus Null. Zwar ging es zunächst noch aufwärts doch dann folgte die Korrektur. Zwischenzeitlich lagen die Verluste bei fünf Prozent, in vielen Schwellenländern haben die Anleger deutlich mehr verloren, und auch in Japan, der Renner-Börse aus 2013 sitzen die Investoren auf Verlusten.

Wie geht es nun weiter aus stimmungstechnischer Sicht. Setzen sich die Trends fort, oder ist es nun Zeit antizyklisch in Aktien einzusteigen und aus Gold noch auszustiegen, weil sich der Bärenmarkt fortsetzt?
Die Situation ist derzeit weder Fisch noch Fleisch. Bei den Edelmetallen hat die jüngste Korrektur noch keine tiefen Spuren im Gemüt der Anleger hinterlassen. Die US-Anlageberater sind aktuell noch zu 70 Prozent optimistisch. Zum Vergleich: Anfang Januar waren dies gerade einmal 32 Prozent. Dennoch gibt es die ersten, die die Frage stellen: „Oder hat Goldman Sachs doch recht?“ Vieles spricht für eine ausgedehntere Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau, also einen Seitwärtstrend.

Consensus Gold

Am Aktienmarkt ist die Situation ähnlich. In den quantitativen Stimmungsindikatoren lässt sich vor allem in den USA nach wie vor hoher Optimismus ablesen. Das liegt sicher auch daran, dass der US-Aktienmarkt einer der besten dieses Jahres ist und sogar leicht über dem Jahresanfang liegt. Geht es an der Wall Street runter, dann ist das anderswo fast immer genauso. Hier ist vor allem zu beachten, dass sich die Stimmung seit vielen Wochen auf hohem Niveau eingependelt hat und sowohl bei den kurzfristig als auch den mittel- bis langfristig agierenden Börsenbriefen neue Rekorde in Sachen Optimismus aufgestellt wurden. Dennoch gibt es auch rege Diskussionen darüber, ob nun bald ein neuer Crash droht. Vergleiche mit 1929 werden gezogen. Das spricht gegen einen scharfen Einbruch. Deutschland sollte bei Verlusten an der Wall Street nicht überproportional verlieren. Hier hat sich die Stimmung bei den Börsenbriefen erheblich abgekühlt und das Put/Call-Ratio zeigt eindeutig, dass die Anleger sich zu großen Teilen abgesichert haben.

Deutsche Börsenbriefepositiv

Wiedererwachtes Edelmetall

NL_goldWer zum Jahreswechsel die Prognosen der Experten zum Gold studiert hat, der konnte eigentlich keinen Pfifferling mehr auf das gelbe Edelmetall setzen. Unisono gab es den großen Abgesang angeführt von so großen Namen wie der Investmentbank Goldman Sachs. Inflation sei nicht in Sicht und die Euro- und Finanzkrise gebannt. Vor diesem Hintergrund gäbe es keinen Grund mehr, auf Gold zu setzen. Als nächstes Kursziel wurden 1.000 US-Dollar pro Feinunze aufgerufen. Doch an der Börse kommt erstens alles anders und zweitens als man denkt. Jedem Ausbruch nach unten folgten deutliche Erholungen und mittlerweile hat der Goldpreis seinen Abwärtstrend verlassen und mit ihm auch die Goldminenaktien. Er notiert nun wieder über der 200-Tage-Linie, so dass die Charttechniker ins Grübeln über die weitere Zukunft geraten, während die fundamentalen Analysten in der Mehrheit skeptisch bleiben. Das ist gut so, denn die Hausse klettert bekanntlich an einer Mauer der Ängste empor. Die quantitativen Stimmungsindikatoren sind von ihren Tiefs zwar deutlich gestiegen, bewegen sich historisch aber immer noch auf sehr verhaltenem Niveau, so dass auch hier von Euphorie keine Rede sein kann. mehr lesen

Schwellenangst

GettyImages_106780916Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent, eine junge wachsende Bevölkerung, die auch zukünftiges Wachstum garantiert, geringe Verschuldung von Staat und Privathaushalten, Rohstoffvorkommen und geringe Löhne, die Vorteile im globalen Wettbewerb sichern. Alles Argumente, die für Investitionen in den meisten gemeinhin als Emerging Markets bezeichneten Schwellenländern sprechen und bereits in den vergangenen Jahren sprachen. Vielleicht nicht gerade im Jahr 2007 als die Kurse schon stark gestiegen waren und Banken einen Fonds und ein Zertifikat nach dem anderen auf diese Länder auflegten und der Begriff BRIC als Abkürzung für Brasilien, Russland, Indien und China zur Investmentmode wurde. Doch spätestens nach dem Lehman-Crash im Jahr 2008 kam eine günstige Bewertung als weiteres Argument hinzu.

Gerade aktuell erscheint es aus fundamentalem Blickwinkel absolut logisch Aktien aus Schwellenländern und insbesondere aus China zu kaufen. Die dortige Wirtschaft wächst derzeit um mehr als sieben Prozent im Jahr und das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Unternehmen liegt bei gerade einmal sieben. Zum Vergleich: In den USA wächst das Bruttoinlandsprodukt noch immer weit unter dem langfristigen Durchschnitt, die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch und das Kurs/Gewinn-Verhältnis an der Wall Street liegt bei 14. Also Ruckzuck raus aus den etablierten Aktienmärkten und rein in die Emerging Markets? Die Antwort wäre ein klares „Ja“, gäbe es nicht die Erfahrung der vergangenen Jahre. Denn die genannten Argumente gelten schon seit mindestens drei Jahren. Wer ihnen in seiner Anlageentscheidung folgte, hat desaströse Ergebnisse eingefahren, vor allem im Vergleich zu denjenigen, die auf die alten Industrieländer setzten. Gewinne von 50 Prozent und mehr stehen Verluste in den Schwellenländern gegenüber. Ich selbst habe auch an dieser Stelle bis vor kurzem immer wieder den Aktienmarkt in Hong Kong hervorgehoben als Alternative zu Investitionen direkt in China. Der Aktienmarkt ist seit Jahren etabliert und frei zugänglich. Dennoch hat auch die ehemalige britische Kolonie enttäuscht. mehr lesen

Sentiment-Ausblick 2014

Financial MarketsNun haben die Prognostiker wieder Hochkonjunktur. Kurz vor Jahreswechsel bewegt die Börsianer nur eine Frage. Wie wird das Börsenjahr 2014? Leider lag bei Redaktionsschluss für dieses Stimmungsbarometer die hier stets kommentierte Kapitalmarktprognose des Handelsblatts noch nicht vor, um für den Ausblick aus Sentiment-Sicht herangezogen werden zu können. Wie sich die knapp 40 befragten Bankanalysten zu DAX, Euro und Zinsen äußern werden, ist aber bereits aus vielen Kommentaren ablesbar.

Aktien
„Zu viel Optimismus?“ lautete die Überschrift des letzten Stimmungsbarometers im Jahr 2012. Die Frage bezog sich auf die Aktienmärkte. Der DAX notierte bei rund 7.600 Punkten und war bereits ganz ordentlich gestiegen. Mein Fazit lautete, dass Rückschläge einzukalkulieren seien, Aktien für die weitere Zeit jedoch attraktiv blieben. Die Stimmungsindikatoren spiegelten damals keinen Pessimismus mehr, sie waren aber auch nicht extrem optimistisch. Die Prognose ging auf, wie wir heute wissen. Die vorausgesagte Umschichtung von Anleihen in Aktien hat in 2014 erstmals stattgefunden, abzulesen in deutlichen Abflüssen aus Renten- und Zuflüssen in Aktienfonds.
Heute, ein Jahr später, sieht die Situation anders aus. Insbesondere an der Wall Street liefern einige Stimmungsindikatoren mittlerweile deutliche Verkaufssignale. So erreichte die Anzahl der pessimistischen US-Börsenbriefe ein neues historisches Tief mit noch gut 14 Prozent. Auch in Deutschland ist größere Sorglosigkeit vorhanden als vor zwölf Monaten. Nur neun Prozent der Börsenbriefe sind negativ gestimmt. Das alles deckt sich mit den Kommentaren der Marktteilnehmer und Analysten, die dieser Tage zu vernehmen sind. Zwar sollen Aktien nicht mehr ganz so rasant steigen wie 2013, doch die einhellige Meinung lautet: Es geht weiter nach oben. Das im vergangenen Jahr noch sehr heiß diskutierte Thema Krise ist völlig vom Tisch. Nur vereinzelte Pessimisten weisen darauf hin.

Dow für Blog

Dax für Blog

An der Liquiditätsfront hat sich ebenfalls etwas getan. Meine vor einem Jahr so eindeutig positive Prognose basierte zum einen auf den stark gefallenen Renditen für langlaufende Staatsanleihen und auf der Tatsache, dass die US-Notenbank Federal Reserve (FED) bereits damals innerhalb des Programms Quantitative Easing 3 für 85 Milliarden US-Dollar Anleihen pro Monat aufkaufte. Dieses Programm läuft noch immer und liefert sicher weiterhin eine Unterstützung für die Aktienmärkte. Es wurde nun aber um zehn Milliarden gekürzt, während die Renditen der langlaufenden US-Staatsanleihen rund anderthalb Prozentpunkte über dem Stand von vor einem Jahr notieren. Diese Tatsache gepaart mit der beschriebenen Sorglosigkeit veranlasst doch zu größerer Vorsicht. mehr lesen

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