Stunde der Wahrheit

Geldwelle-300x225Die Wachstumszahlen für das erste Quartal in den USA haben deutlich gemacht, dass die Stunde der Wahrheit in Bezug auf die Weltkonjunktur immer näher rückt. Um nur 0,2 Prozent ist die angeblich doch so gut laufende US-Wirtschaft gewachsen. Im zweiten Quartal wird sich nun zeigen, ob hierfür allein das Wetter verantwortlich war, oder ohne Staatsanleihekäufe durch die US-Notenbank Federal Reserve (FED) nichts mehr läuft, und Wachstum ohne diese außergewöhnlichen Maßnahmen und somit ein selbsttragender Aufschwung nicht mehr kreiert werden kann. Die FED scheint jedenfalls zunehmende Zweifel zu haben. Auf ihrer jüngsten Sitzung hat sie jedenfalls alle Ankündigungen diesbezüglich wieder gestrichen. Zinserhöhungen erwarten die meisten nun erst in 2016, andere hingegen schon ein viertes Anleihekaufprogramm, bekannt unter dem Namen Quantitative Easing. Die Stunde der Wahrheit rückt also näher. Schafft die USA nicht die nachhaltige Wende, wird es in Europa wohl nicht anders sein. Die Ausgangslage ist sehr ähnlich. Hier hilft derzeit der gesunkene Euro auf der Exportseite, doch dies ist ein Einmaleffekt, genauso wie der gesunkene Ölpreis. Sind diese in die Zahlen fürs Bruttoinlandsprodukt eingearbeitet, muss der Aufschwung sich selbst tragen. Doch hier gibt es einige Fragezeichen. Die Investitionen sind zu gering, die Einkommenszuwächse der Verbraucher sind es auch und deren Verschuldung nach wie vor teilweise zu hoch. Zwar wurde die Verschuldung abgebaut, die Gesamtverschuldungsquote der westlichen Volkswirtschaften ist jedoch gleich geblieben, da die Staaten nach der Finanzkrise die Verschuldung teilweise massiv erhöht haben, um gegenzusteuern. In vielen Schwellenländern sind die Verschuldungsquoten hingegen gestiegen, so dass die Weltverschuldung weiter zugelegt hat.
Nun könnte man ja nach der in den vergangenen Monaten gültigen Börsen-Logik jubeln. Heißt doch schwächelnde Wirtschaft mehr Geld von den Währungshütern. Doch diese Rechnung könnte nicht aufgeben, wenn den Börsianer auffällt, dass gar kein gewinnsteigernder Aufschwung mehr folgt.
Was aber dann tun mit dem Geld? Warten bis die Stunde der Wahrheit entschieden hat, ob die Konjunkturoptimisten oder -pessimisten Recht behalten? Schwierig! Sollte sich doch noch selbsttragendes Wachstum einstellen, dürfte das früh vorweggenommen werden, außerdem droht dann immer wieder auch die Zinswende.
China könnte die Lösung sein, bzw. Hongkong. Im Riesenreich ließ das Wachstum zuletzt nach. Dass es noch das offizielle Ziel von sieben Prozent erreichte, lag nur daran, dass die Preise gefallen sind und dies auf das reale Wachstum drauf geschlagen wird, genauso wie positive Preissteigerungen abgezogen werden.
Der bereits begonnene Prozess der geldpolitischen Lockerung dürfte sich also fortsetzen. Und im Gegensatz zu den alten Industrieländern ist hier das übliche Instrumentarium noch nicht verbraucht. Sowohl Leitzinsen als auch die zuletzt gesenkten Mindestreservesätze für Banken können noch deutlich gesenkt werden. Der Hemmschuh der vergangen Jahre wäre damit abgestreift. Zwar sind die Bewertungen insbesondere in Festlandchina nicht mehr niedrig, und gibt es bedenkliche Spekulationsexzesse privater Spekulanten auf Kredit, doch mit weiterem monetärem Rückenwind dürfte auch diese Spekulationswelle zunächst weiterlaufen als viele denken. Weder der Aktienmarkt in Hongkong noch der in Shanghai befinden sich bereits am Allzeithoch. Das Chance-Risiko-Potenzial erscheint in jedem Fall hier besser als an den weit gelaufenen Aktienmärkten Europas und der Wall Street.

Diesmal ist alles anders

Geldwelle-300x225„Diesmal ist alles anders“, lautet der Buchtitel der renommierten Wirtschaftsprofessoren Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff aus den USA. Nach dem Lehman-Crash haben sie Boom- und Krachphasen der vergangenen acht Jahrhunderte untersucht und auf Ähnlichkeiten und Parallelen überprüft. Die wichtigste ist im Titel verarbeitet. Denn Kennzeichen jeder Boomphase sind die Erklärungsversuche für die irrationalen Kursentwicklungen, die eigentlich nicht mehr zu erklären sind. Getrieben werden die Kurse am Ende meistens nur noch von der Liquidität, die einem immer größer werdenden Herdentrieb der Anleger einhergeht. Jegliche fundamentale Erdung geht verloren und doch wollen sich natürlich alle, die so wunderschön verdienen, in der Sicherheit wiegen, dass die hohen Preise von Dauer sein werden und keine Übertreibung darstellen.
Der Hinweis der Erfahreneren auf Parallelen zu früheren Boomphasen und der damit einhergehende Gefahr des baldigen Crashs wird von der im Gewinnrausch befindlichen Masse mit konstruierten Unterschieden dahingewischt. „Diesmal ist alles anders“, denn die Fließbandproduktion beschere ewiges Wachstum lautete die Begründung in den Boomjahren vor dem großen schwarzen Freitag im Oktober 1929. „Diesmal ist alles anders“, denn die internationalen Großkonzerne würden über Jahrzehnte stärker wachsen als alles bisher erlebte, weil sie ihre Produkte in der ganzen Welt verkauften. Gemeint waren die 50 größten Unternehmen der USA wie Coca Cola oder auch Procter & Gamble, Philip Morris und Wal Mart, die im sogenannten Nifty Fifty Boom der 60er Jahre weit überdurchschnittliche Bewertungen aufwiesen, die sich schließlich im anschließenden Krach jedoch auch wieder verflüchtigten. Und „diesmal ist alles anders“ hieß es natürlich auch im Jahr 2000, als die Technologieaktien durch die Decke gingen und es kein Halten mehr gab. Diesmal war es das Internet, das unendliches überdurchschnittliches Wachstum für jedes Unternehmen bescheren sollte, wenn es doch nur dot.com im Namen hatte und irgendeinen Service im World Wide Web anbot. Das Ende der Geschichte ist bekannt.

„Diesmal ist alles anders“ ist auch aktuell zunehmend häufiger zu vernehmen. Seit nunmehr sechs Jahren steigen die Aktien. Historisch gesehen also ein alter Bullenmarkt, der die Frage nach einem möglichen baldigen Ende aufkommen lässt. Doch im Gegensatz zu den vorher genannten Beispielen sind es diesmal nicht Erklärungsversuche die auf eine verheißungsvolle Zukunft verweisen um historisch betrachtet zu hohe Bewertungen zu rechtfertigen, es wird an die Bewertungsrelationen im Heute ein Fragezeichen gemacht. Denn gelten diese überhaupt noch, wenn der Zins bei Null ist? Oder ist diesmal wirklich alles anders und Aktien sind auch noch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 oder 30 billig, weil die Dividendenrendite trotz dessen weit höher liegt als die zehnjähriger Staatsanleihen? Der Leser sieht mich selbst etwas ratlos. Im Internetboom war für den Erfahrenen ganz einfach durchschaubar, dass die Begründungen für die absurden Kursläufe an den Haaren herbeigezogen waren und der Wahnsinn ein bitteres Ende nehmen würde. Die Frage war nur wann genau? Doch diesmal hat die Begründung mehr Gehalt. Sobald der aktuelle Zins in die Bewertungsmodelle einfließt, sind Aktien plötzlich nicht mehr teuer. Also alle Erfahrung über Bord werfen. Stimmungsindikatoren und ihre aktuellen Warnsignale ad acta legen und mittanzen? Vielleicht ist es das richtige in dieser historisch einmaligen Zinssituation. Doch ich kann es nicht. Wenn diesmal erstmals wirklich alles anders ist, dann werde ich nicht dabei gewesen sein. Denn ich warte zumindest auf einen größeren Rückschlag mit anschließender Konsolidierungsphase.

Jahresausblick 2015

2015 new year signAntizyklisches Handeln hat sich auch 2014 im Grunde wieder als richtig erwiesen. Ein Jubeljahr für die Aktie sollte es werden und Gold wurde nur noch eine magere Zukunft voraus gesagt. Aus Sicht des Euro-Anlegers kam es jedoch anders. In Euro gerechnet legte Gold rund zehn Prozent zu. Der DAX hingegen ist für viele Analysten eine Enttäuschung. Er legte kaum zu und notiert nicht wie prognostiziert deutlich über 10.000 Punkten.

Den größten Irrtum gab es erneut bei den Zinsen. Unisono glaubten alle daran, dass die langfristigen Zinsen 2014 wegen der anziehenden Weltkonjunktur steigen würden. Doch Pustekuchen, aktuell sehen wir neue Rekordtiefs bei den Zinsen europäischer Anleihen. Natürlich konnte niemand erahnen, dass Waldimir Putin und sein Russland die Krim annektieren würden, doch auch in anderen Teilen der Welt, wie beispielsweise China und Brasilien schwächte sich die Konjunktur ab. Von den fünf großen Börsen brachte eigentlich nur die Wall Street ansehnliche Gewinne, vor allem aus Sicht des Euro-Anlegers, der mehr als von den Aktienkurszuwächsen von einer Aufwertung des Dollars profitierte.

Welche Kursentwicklung legen nun die Stimmungsindikatoren für 2015 nahe?
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Jahresendrallye?

BulleundBär“Die Börse ist keine Einbahnstraße”, lautet die wohl unumstrittenste Börsenweisheit. An der Wall Street konnte man in den vergangen Tagen allerdings den Eindruck bekommen, dass selbst diese Börsenweisheit angezweifelt werden muss. Selbst wenn die Vorgaben der anderen Börsen negativ waren, was sich auch in den Preisen der Terminkontrakte auf die wichtigsten US-Indizes zuvor ablesen ließ, konnten die Verluste fast immer in der regulären Börsensitzung an der Wall Street wieder wett gemacht werden. Kurzum, es tut sich derzeit der Eindruck auf, als wenn die Wall Street nach unten abgesichert wäre.

Es stellt sich daher zwangsläufig die Frage, ob wir uns bereits in einer Jahresendrallye befinden und man den Zug nicht verpassen sollte. Was die Geldpolitik betrifft, so liegen die Tatsachen auf dem Tisch. Die Federal Reserve (FED) in den USA fährt die Anleihekäufe auf Null runter. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft den Banken faule Kredite ab, und die Bank of Japan gibt Vollgas. An den geldpolitischen Fakten dürfte sich bis zum Jahresende auch nichts mehr ändern. Auch die von der EZB erhofften Staatanleihekäufe sollten nicht mehr in diesem Jahr beginnen. mehr lesen

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