Funktioniert ZEW Sentiment erneut als Kontraindikator?

Wie ich vor ein paar Tagen geschrieben hatte, war die kurzfristige Stimmung für die Aktienmärkte zuletzt so negativ, dass es nach einer Erholung aussah. Diese begann dann auch am Montag mit einem eindrucksvollen turn arround und fand gestern seine Fortsetzung. Das ultimative Kaufsignal war im Grunde der gestern veröffentlichte ZEW Indikator. Von +3 stürzte der Index auf – 9 ab, was deutlich unter den Erwartungen lag. Damit befindet sich der ZEW-Indikator erneut im krassen Gegensatz zum Ifo-Index, der zuletzt zwar ebenfalls etwas schwächer war, sich aber weiterhin auf hohem Niveau befindet.


Quelle: Bremer Landesbank

Im Herbst 2006 und zuletzt im Herbst 2010 gab es exakt die gleiche Konstellation. In beiden Fällen war dies das Startsignal für eine fulminante Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten, worauf ich meiner Focus Money 40 2010 auch hingewiesen hatte.
Ich würde zum aktuellen Zeitpunkt zwar keine längerfristige Aufwärtsbewegung voraussagen, doch eine weitere Erholung erscheint durchaus realistisch. Die kurzfristig agierenden Marktakteure dürften sich zuletzt deutlich auf die Short-Seite geschlagen haben. Geht es jetzt weiter aufwärts, dann kommen immer mehr von Ihnen in Bedrängnis und müssen ihre Engagements durch Rückkäufe eindecken. Zwar steht das Ende von QE 2 vor der Tür, doch wie die Kommentare zeigen, ziehen die Anleger dies bereits seit Wochen ins Kalkül. Mit einem abrupten Absturz der Märkte ist insofern kaum zu rechnen, zumal die Geldpolitik mit den Zinsen nahe der Null-Linie und der Wiederanlage der Zinserträge durch die US-Notenbank Federal Reserve in weitere Staatsanleihen weithin äußerst expansiv ist. Es wird quasi nur der Turbo ausgeschaltet.
Rücksetzer könnten insofern für einen Einstieg genutzt werden, wenn man an eine Fortsetzung des Short-Sueeze glaubt. Ich halte dies durchaus für wahrscheinlich, zumal die Griechenland-Krise ebenfalls an Brisanz verliert, und den Pessimisten zunächst die negativen Nachrichten ausgehen.

Entmannte Griechen

Was ist eigentlich das Problem der Griechen? Die hohe Verschuldung von mittlerweile rund 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Oder ist es die Neuverschuldung von über zehn Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung? Glaubt man all denjenigen, die eine Umschuldung mit einem zumindest teilweisen Erlass der Schulden für unvermeidbar halten, ist es das Gemisch aus beidem. Doch mit Verlaub. Das ist Unsinn! Die Japaner sind mittlerweile mit 200 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes verschuldet und die USA verschulden sich nun schon das dritte Jahr in Folge mit rund zehn Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung.

Das Problem Griechenlands ist viel schlichter. Sie haben keine eigene Notenpresse mehr. Mit der Einführung des Euros haben alle Teilnehmerländer sich „kastrieren“ lassen und die geldpolitische Souveränität an die Europäische Zentralbank (EZB) abgetreten. Und deshalb können die Griechen zwei Dinge nicht mehr. Erstens: Die eigenen Schulden mit selbstgedrucktem Geld bezahlen. Zweitens: Die Währung abwerten, um wieder Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Beide Mittel setzen die Amerikaner erfolgreich ein.

Der Euro verzerrte das Zinsniveau

Hätten die Griechen noch ihre Drachme, dann würden wir uns derzeit auch nicht über eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands unterhalten müssen. Wahrscheinlich würden die Zinssätze Griechenlands steigen und auch die Inflationsrate. Selbstverständlich würde die Drachme gegenüber den anderen europäischen Währungen – insbesondere der D-Mark – massiv abwerten, doch kein Besitzer griechischer Anleihen müsste sich um die pünktliche und vollständige Rückzahlung Sorgen machen. mehr lesen

Wieder grüne Ampel für Gold!

Als vor fünf Wochen der Preis für eine Feinunze Gold von 1.577 in nur vier Tagen auf 1.462 US-Dollar einbrach, war nach der Erfahrung der vergangenen Jahre eigentlich mit einer ausgedehnteren Korrektur zu rechnen. Denn seit Gold im Jahr 2002 die Preiswende nach oben eingeleitet hat, war stets eines zu beobachten: Starken Preisanstiegen folgten irgendwann auch scharfe Korrekturen, die vor allem in der ersten Jahreshälfte stattfanden. Kennzeichen für den Beginn einer Korrektur waren zumeist massive Kursstürze innerhalb eines oder weniger Tage. In diesem Frühjahr scheint es jedoch anders zu laufen. Darauf deuten jedenfalls die Stimmungsindikatoren hin.

Der Hulbert Gold Newsletter Sentiment Index (HGNSI), der mit der viertägigen Korrektur sehr schnell von 73 Prozent Optimisten auf nur noch sieben Prozent einbrach, hat sich trotz der mittlerweile mehr als 60 Dollar starken Erholung nur auf 20 Prozent erholt. Das bedeutet, dass die kurzfristigen Gold-Trader, die von diesem Indikator erfasst werden, 80 Prozent ihrer Gelder in Cash halten. Damit gibt es immer noch eine erhebliche Kaufkraft, die dafür sorgen könnte, dass der Goldpreis bald neue Allzeit-Hochs erreichen wird.
Auch das von Consensus erfasste Lager der längerfristig agierenden Akteure hat sich merklich von über 80 Prozent auf zwischenzeitlich 63 und aktuell 73 Prozent abgekühlt. Von wirklichem Pessimismus kann bei diesen Werten zwar nicht gesprochen werden. Doch wie die Grafik sehr deutlich zeigt, war es das Niveau von dem auch die Rallyes der vergangenen drei Jahren aus starteten.

Quelle: Finanzwoche

Die Preis-Stabilität ist auch auf eine generelle Änderung der Nachfragesituation zurückzuführen. Neben Indien wird nun auch China zu einem immer stärkeren Goldimporteur. Die Inflation im Reich der Mitte hat über fünf Prozent erreicht. Die Chinesen sparen 30 Prozent ihres Einkommens und versuchen sich durch den Kauf von Gold vor der Geldentwertung zu schützen. Auch die Notenbanken treten mittlerweile als Netto-Käufer und nicht mehr wie in den Jahren zuvor als -verkäufer auf.

Es ist durchaus zu beobachten, dass Trends mit zunehmender Dauer immer stabiler werden, weil sich ein immer größerer Käuferkreis entwickelt, der Korrekturen jederzeit für Nachkäufe nutzt, bis irgendwann alle drin sind und die Blase platzt.
Möglicherweise tritt das Gold hier in eine neue Phase ein. Ist das Grund genug, jetzt die Hebel zu erhöhen? Nein, dafür reicht die Prognosequalität nicht aus. Ich bleibe bei Hebel vier mit einem Stop 25 Prozent unter dem bisherigen Höchstkurs bei aktuell 1.166,50 US-Dollar.

Glänzt Gold jetzt in allen Zeiten?

Die vergangenen Tage hat Gold eine beachtliche relative Stärke gezeigt. War es in der Vergangenheit so, dass stark fallende Aktien auch den Preis für das gelbe Metall drückten, weil Anleger generell aus Risiko-Assets flüchteten, war dies in den vergangenen Tagen nicht der Fall. Noch beachtlicher aber war die Resistenz gegenüber dem erstarkten US-Dollar im Zuge der Euro-Krise. Bedeutet dies nun, dass Gold, abgesehen von technischen Korrekturen, gar keine negativen Einflüsse mehr zu fürchten hat? Es sieht fast so aus. Denn läuft es konjunkturell gut und steigen die Aktien, steigt Gold ebenfalls, weil Anleger diversifizieren und weil eine gut laufende Wirtschaft das Thema Inflation auf die Tagesordnung bringt, insbesondere wenn der Konjunkturmotor – wie momentan – frisch gedrucktes Geld ist. Gibt es hingegen Krisenstimmung, dann suchen Anleger den sicheren Hafen und eine Alternative zu Euro und Dollar und flüchten ebenfalls in die Edelmetalle.

Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Ich halte es jedoch immer noch für durchaus möglich bis wahrscheinlich, dass ein weiterer deutlicher Rücksetzer im Euro auch den Goldpreis nochmals unter Druck bringen wird. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Reaktion im Gold manchmal etwas zeitverzögert eintritt.

Was mittlerweile jedoch  gegen eine scharfe Korrektur  der Feinunze wie im Mai 2006 spricht, sind die stark abgekühlten Stimmungsindikatoren. Anders als zu Beginn anderer scharfer Korrekturen, hat sich die Stimmung sehr schnell eingetrübt, ablesbar vor allem an Indikatoren aus den USA, die die kurzfristiger agierenden Marktakteure als Panel haben. Von Rekordoptimismus-Werten im Bereich von 73 Prozent ging es innerhalb kurzer Zeit auf sieben Prozent abwärts. Das zeigt, dass offenbar viele damit gerechnet haben, dass irgendwann der Rückschlag kommt, und die Rallye im Gold damit erst einmal zu Ende ist. Ich rechne zwar auch nicht damit, dass wir die Jahreshöchststände bei 1.577 Dollar im ersten Halbjahr nochmals erreichen werden, eine Seitwärtsbewegung bis in den Frühherbst und dann erneut steigende Kurse, wird als Szenario aber immer realistischer. Damit könnte ich – und ich hoffe auch meine Leser – gut leben.

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