Teufelskreis des Sparens

Dienstag vergangener Woche ist auch Deutschland aus seinem Wachstumstraum aufgewacht. Nur um gerade einmal 0,1 Prozent wuchs das heimische Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2011. Gerechnet hatten Volkswirte mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. Die Vorstellung, wir könnten uns von der schwächelnden Konjunktur um uns herum und in den USA abkoppeln, kann damit ad acta gelegt werden. Deutschland lebt vom Export und ist auch durch den Export wieder aus der Krise gekommen. Wenn auf unseren wichtigsten Exportmärkten aber Flaute herrscht, dann kann hierzulande die Wirtschaft nicht boomen. Denn eines darf nicht vergessen werden: Trotz der deutlich gefallenen Arbeitslosigkeit und den bisher guten Wirtschaftsaussichten ist von einer boomenden Binnenkonjunktur hierzulande nichts zu erkennen.

Es war vor allem der Export in die Schwellenländer und hier vor allem nach China, der uns die hohen Wachstumsraten beschert hat. Doch auch hier lässt das Wachstum leicht nach. Zum einen, weil die Notenbank bremst, um die Inflation zu bekämpfen. Zum anderen, weil die chinesische Konjunktur noch immer ganz erheblich von der Konsumlaune der US-Verbraucher abhängt. Und so schön die neuen Absatzmärkte für die deutschen Exportunternehmen auch sind, der mit Abstand wichtigste bleiben immer noch die Länder der europäischen Union. Und deren Konjunktur leidet unter den Sparmaßnahmen, mit denen sie ihre Haushalte sanieren sollen. In Frankreich stagnierte die Wirtschaft im zweiten Quartal, in Griechenland – dem Schlusslicht – schrumpfte sie unter dem Spardiktat im ersten Halbjahr um 7,5 Prozent. Da beim aktuellen Wachstum das Ziel der französischen Regierung, das Defizit bis 2013 wieder unter das Maastricht-Kriterium von drei Prozent zu drücken, illusorisch ist, verordnet Staatspräsident Nicolas Sarkozy dem Land das nächste Sparpaket, so wie es in Italien auch bereits zu beobachten war. Vor allem in Deutschland werden diese Maßnahmen als geeignetes Mittel zur Rettung des Euros betrachtet. Doch das Gegenteil ist der Fall. Jedes weitere Sparpaket wird die Volkswirtschaften der betroffenen Länder weiter in die Krise führen. Dadurch werden die Steuereinnahmen weiter sinken und die Defizite nicht kleiner, sondern wahrscheinlich sogar größer werden. Es entsteht ein Teufelskreis des Sparens, der am Ende katastrophale Folgen für die Demokratie, den sozialen Frieden und das vereinigte Europa haben kann.

Märkte als Spiegel der Zukunft
Dieses Szenario wird an den Finanzmärkten derzeit gespielt und vorweggenommen. In den buntesten Farben ausgemalt, sehen die Aktienverluste dann auch plötzlich nicht mehr groß aus, wenngleich auch immer wieder die Frage nach den Anlagealternativen erlaubt sein muss. Hier wird es rar, denn was vermeintlich sicher ist, wirft kaum mehr Rendite ab. Und Gold kann nicht die einzige liquide Anlage sein.
Dennoch könnte es mit den Aktien zunächst weiter abwärts gehen. Denn die totale Aufgabestimmung herrscht noch nicht, wie die Stimmungsindikatoren zeigen. Diese aber wäre notwendig, damit die Kurse vor dem Hintergrund der trüben Wirtschaftsaussichten nicht mehr weiter fallen können.

Deflation ist unser Trauma
In keinem Land haben die Menschen so viel Angst vor Inflation wie in Deutschland. Verständlich, denn zweimal haben die Deutschen ihr Geldvermögen in der Inflation verloren. Doch eigentlich müssten wir Deutschen uns vor Deflation und übertriebener Sparpolitik viel mehr fürchten. Denn die hat uns in der Weimarer Republik unter Reichskanzler Heinrich Brüning und seinem Reichsbankpräsident Hans Luther direkt in den Nationalsozialismus geführt. Weil sie unbedingt eine stabile Mark haben wollten, würgten sie die ohnehin von Reparationszahlungen geschundene Wirtschaft immer weiter ab und trieben die Arbeitslosigkeit in die Höhe. Mit ihr stiegen dann auch die Stimmen für die NSDAP mit allen Folgen bis hin zur Inflation nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches. Leider ist vielen Politikern dieser Zusammenhang offenbar nicht klar.

Schweizer Franken

Gerüchten zufolge will die Schweiz den Franken zunächst an den Euro koppeln. So berichtet es die „Schweizer Sonntagszeitung“. Schon am Mittwoch könne eine Kopplung bei ein 1,10 Franken pro Euro festgelegt werden, heißt es. Für die Schweiz ist das ein gefährliches Unterfangen. Obwohl im Unterschied zum chinesischen Yuan der Franken frei konvertierbar ist, müsste die Schweizer Nationalbank (SNB) ab dem festgelegten Kurs alles an ausländischen Devisen aufkaufen, das zu tieferen Kursen angeboten würde. Die (SNB) würde damit in jeder weiteren Euro-Krise in kürzester Zeit enorme Devisenreserven anhäufen. Dabei ist zu bedenken, dass die Schweiz, auch wenn die Währung Weltgeltung hat, ein doch verhältnismäßig kleines Land ist. Die Kapazitäten hierfür sind zwar theoretisch unbegrenzt, weil die Schweiz den Franken selbst druckt, praktisch aber natürlich nicht, will die SNB keine Vervielfachung der Geldmenge und damit eine Hyperinflation riskieren.
Es kann insofern darauf spekuliert werden, dass der feste Wechselkurs nicht ewig zu halten sein und unter dem Druck des Finanzmarktes dann doch irgendwann wieder aufgewertet werden wird. Nach oben hingegen dürfte er gedeckelt sein, denn die Meldungen sind bisher so zu interpretieren, dass es einen starren Wechselkurs oder Wechselkursspanne geben soll und nicht nur eine Interventionsschwelle. Da mit Abwertungsdruck für den Franken in der aktuellen Situation kaum zu rechnen ist und die SNB mit ihren ohnehin schon zu großen Devisenreserven diesem spielend entgegenwirken könnte, wäre das Abwärtsrisiko extrem gering.
Für den Spekulanten ergeben sich hieraus interessante Möglichkeiten. Er kann auf eine Aufwertung des Schweizer Franken setzen, ohne eine Gegenbewegung fürchten zu müssen.
Meldungen wie die vom Wochenende über eine mögliche Zustimmung Deutschlands zu gemeinsamen Eurobonds wären dann keine Gefahr, während eine Ablehnung dieser und ein drohendes Auseinanderbrechen des Euros enorme Gewinne bedeuten könnten. Denn in diesem Fall wäre der Kurs des Franken sicher nicht zu halten.
Man sollte daher gespannt die Nachrichten aus der Alpenrepublik verfolgen.

Wie lange funktionert der Gold-Hedge?

Ja, ich muss zugeben, mit einem solchen Sturz habe nicht gerechnet. Was mir fehlte und nach wie vor fehlt, ist die üblicherweise einem richtigen Crash vorausgehende monetäre Verschlechterung, in der Regel durch Zinserhöhungen. Natürlich ist auch das Ende von Quantitative Easing 2 eine Verschlechterung, jedoch ist dies keine wirklich restriktive Maßnahme und gerade gut einen Monat her. Solche Maßnahmen wirken sich auf die Aktienbörse in der Regel aber erst mit einer Zeitverzögerung von mehreren Monaten aus.
Ganz offenbar gibt, oder wahrscheinlich muss man mittlerweile sagen, gab es sehr viele spekulative gehebelte Engagements im Markt. Ein Teil der Verkäufer von heute sind womöglich auch Spekulanten, die zu früh auf eine Korrektur nach oben gesetzt haben und nun, da diese nicht kommen will, ihre Verluste begrenzen. Die Kommentare in den Zeitungen in der vergangenen Woche waren durchaus so zu interpretieren. Von Panik war hier keine Spur. „Durchhalten“ und „günstige Einstiegsmöglichkeit“ waren die Schlagworte. Dieses Verhalten ist durchaus nachvollziehbar, der Fukushima-Krach hatte gelehrt, dass es auch ganz schnell wieder nach oben gehen kann. Auch ich habe eher diese Parallele gesehen, als die zum Lehman-Crash, die nun in den Köpfen spukt und das erste Mal wohl wirklich für Panik sorgt. Denn die Bewegung ist in ihrem Ausmaß so langsam durchaus vergleichbar, wenngleich gemessen am damaligen Krach durchaus noch Luft nach unten besteht. Jeder Börsianer will natürlich nicht so dumm sein und ein solches Szenario nochmals investiert erleben. Und so liegt es nahe, lieber auf Nummer sicher zu setzen und zu verkaufen. Ich denke, dass ist es, was die Kurse derzeit immer weiter fallen lässt. mehr lesen

Dummheit so weit das Auge reicht!

Wie sagte André Kostolany immer so schön: „Ich gehe so gerne zur Börse, weil ich nirgendwo mehr Dummköpfe pro Quadratmeter treffen kann, als dort“. An diesen Satz muss ich denken, wenn ich sehe, wie die Märkte auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch Standard & Poors von Triple A auf AA+ reagieren. Die Dummheit an sich ist schon, Staatsanleihen von Ländern zu raten, die sich in ihrer eigenen Währung verschulden. Denn solche Staaten können gar nicht pleitegehen, denn sie drucken schließlich das Geld, in dem sie sich verschulden. Und bevor ein solcher Staat den Ausfall erklärt, druckt er das Geld natürlich lieber nach, weil sonst die Kreditwürdigkeit völlig dahinschwindet. Natürlich, das Ergebnis ist später oft eine Inflation, aber das ist insgesamt das kleinere Übel, dass sich für die verantwortlichen Politiker auch mit externen Faktoren erklären lässt, sofern diese beim Eintreten der Inflation überhaupt noch im Amt sind. Meistens folgt diese ja erst Jahre nach Gelddruckexzessen.
Insofern könnte es sinnvoll sein, die Inflationsgefahr einer solchen Währung bzw. einer solchen Politik zu bewerten, nicht aber das nicht vorhandene Ausfallrisiko. Das ist eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes.
Die Reaktion der Märkte auf die Herabstufung der USA ist ebenfalls alles andere als rational. Was fällt sind vor allem die Aktien. Und reflexartig legen Anleihen als sicherer Hafen zu – auch US-Staatsanleihen. Müsste es die aber nicht am härtesten treffen? Schließlich ist hier das Ausfallrisiko ja angeblich gestiegen. Und müssten Bundesanleihen und damit der Bund Future nicht massiv zulegen, weil Investoren ihr Geld aus US-Staatsanleihen abziehen und in eine andere große Währung und hier in die Schuldtitel des vermeintlich sichersten Schuldners investieren dürften? Auch das ist nicht ablesbar, der Bund Future entwickelt sich keinen Deut besser, als die Treasury Bonds.
Nur die schon als Kaufpanik zu beschreibende Goldrallye, die heute Nacht eingesetzt hat, ist, wenn vielleicht auch nicht in diesem Ausmaß, nachvollziehbar. Denn eines wird immer deutlicher. Das Vertrauen in das Papiergeld schwindet- und das zu recht!
Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass jetzt eine Erholung folgt. Denn die herabgesetzte Kreditwürdigkeit der USA ist nun ein „Fait Accompli“, wie die Franzosen sagen – eine vollendete Tatsache also, auf die sich nicht mehr spekulieren lässt. Und vielleicht hat mein Kollege Raimund Brichta in seiner jüngsten Kolumne ja Recht und einige Adressen haben von der kommenden Herabstufung schon vorher gewusst. Das würde die starken Verluste im Vorfeld erklären, zu denen die computergesteuerten Handelsprogramme wahrscheinlich ihren trendverstärkenden Teil beigetragen haben dürften. Wenn dem so ist, dann liegt womöglich das Schlimmste hinter uns.

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