Korrelationen geraten außer Kraft

Die jüngste Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten weißt einige Besonderheiten im Vergleich zu den vorherigen auf. Es fällt auf, dass der Goldpreis nicht mehr negativ, sondern sogar positiv mit den Aktien korreliert. Das hängt natürlich auch mit dem Dollarkurs zusammen. Dieser scheint für den Feinunzenpreis nun wieder der entscheidendere Orientierungspunkt zu sein. Denn der US-Dollar hat in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt und zwar nicht nur gegenüber dem Euro. Es handelt sich insofern nun um keine ausgemachte Euro-Schwäche, sondern um eine Dollarstärke. Das lässt sich auch am Verhältnis des Euros zum Britischen Pfund und zum Schweizer Franken ablesen. Hier hat er in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt und gegenüber dem Pfund gestern Abend kaum und gegenüber dem Franken fast gar nicht verloren, als er zum Dollar gestern auf Talfahrt ging.
Was ist hieraus abzuleiten? Zunächst ist die Euro-Schwäche nicht mit der bisherigen und schon gar nicht mit der im vergangenen Jahr auf dem Hochpunkt der Eurokrise zu vergleichen. Hier auf einen weiteren Verfall zu setzen, schneit mir gefährlich, da der Euro nicht richtig nach unten in Gang kommt, obwohl die Nachrichten grottenschlecht sind, wie die jüngste Herabstufung der italienischen Banken zeigt. Verwunderlich ist dies nicht, da die Stimmung für den Euro zumindest im angelsächsischen Raum schon seit langem sehr schlecht ist. Dies war vor allem auch an den Optionspreisen abzulesen, wo für Euro-Puts seit Monaten weit mehr bezahlt werden muß, als für rechnerisch eigentlich gleich zu bewertende Calls.
Was den Schweizer Franken betrifft, so gibt es womöglich derzeit ein „Long Squeeze“ . Weil ein weiterer Verfall zunächst nicht möglich scheint, weil die Schweizer Nationalbank (SNB) dagegen hält, werden Short-Positionen aufgelöst. Doch weit wird die Rallye meiner Ansicht nach nicht gehen, weil die SNB dann ihre enormen Devisen bzw. Euro-Reserven verkaufen wird. Dennoch längerfristig glaube ich nicht, dass sie den Kurs von 1,20 halten kann. Wenn der Kurs jetzt zunächst weiter fällt, gibt es gute Gelegenheiten für Long-Positionen im Franken.

DAX zeigt sich als Frühaufsteher

Gleich heute Morgen legt der DAX innerhalb der ersten 50 Minuten rund 50 Punkte zu. Ich kann mich täuschen, aber mir macht er nach den erwarteten Verlusten im Anschluss an den großen Verfallstag an der Eurex am vergangenen Freitag einen sehr widerstandskräftigen Eindruck. Man darf nicht vergessen, dass das aktuelle Niveau noch immer als sehr tief zu bewerten ist. Insofern bleibt weiteres Erholungspotenzial. Wichtig bleibt die von mir schon vor Wochen aufgeworfene Marke im S&P 500 von 1.197,50 Punkten. Diese ist entscheidend, weil es exakt das Schlussniveau des S&P 500 Futures vor der Herabstufung des US-Kreditratings durch Moody’s war. Aktuell notiert der 500 Werte umfassende US-Index wieder darüber. Nachhaltigkeit, also eine Entfernung nach oben von dieser Marke über einen längeren Zeitraum, würde wahrscheinlich einen Aufwärtstrend etablieren. Vom Sentiment-Gesichtspunkt ist dies allemal drin. Der Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI) notiert aktuell bei – 11,80 Prozent, was bedeutet dass die hier erfassten kurzfristig agierenden Börsenbriefschreiber empfehlen per Saldo mit 11,8 Prozent des Kapitals short zu gehen. Zum Vergleich, im Juli, vor den Einbrüchen, notierte dieses Barometer bei + 48,1 Prozent. Vom Standpunkt des Antizyklikers spricht dies eher für steigende als für fallende Kurse. mehr lesen

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte Ihnen heute mitteilen, dass ich seit dem 1. September auch offiziell nicht mehr Mitarbeiter von CMC Markets bin. Da ich diesbezüglich immer wieder emails erhalte, ist es mir ein Anliegen, dies zur Klarstellung hier auch öffentlich zu machen. Es war eine spannende Aufgabe als Pionier den deutschen und österreichischen CFD-Markt aufzubauen, die für mich aber nun abgeschlossen ist.

Wie Sie allein schon an der Existenz dieses Blogs und an meinen laufenden Beiträgen erkennen, gilt aber mehr als je zuvor, dass ich vor allem anderen „Börsianer mit Leib und Seele“ bin, wie ich es in meiner Vita zum Ausdruck bringe. Diesem Thema – also der Analyse und Prognose der Finanzmärkte – möchte ich mich in Zukunft noch intensiver widmen.

Wer meine Kommentare seit längerem mitverfolgt, weiß, dass ich natürlich nicht immer, doch mit einigen Prognosen (Gold)richtig lag. Mit meiner Strategie des Pyramidisierens habe ich dies auch sehr erfolgreich für meinen Handel auf eigene Rechnung umsetzen können. Aufgrund der hierdurch gewonnenen Unabhängigkeit möchte ich dies zukünftig auch als Vermögensverwalter bzw. Portfolio-Manager umsetzen. Die Instrumente CFDs und Forex sollen dabei auch weiterhin eine Rolle spielen.

Die Planungen hierzu sind bereits relativ weit voran geschritten, so dass ich hoffentlich schon in ein paar Wochen genaueres hierzu kommunizieren kann.

Der Blog soll dabei nicht nur erhalten bleiben, sondern eine zentrale Rolle einnehmen und das Angebot auch als Diskussionsforum noch ausgeweitet werden.

Vielen Dank für die bisherige Treue!

Ihr
Stefan Riße

Jürgen Starks Rücktritt ist Fahnenflucht

Chefvolkswirt Jürgen Stark warf wegen offensichtlicher Zerwürfnisse im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag das Handtuch. Doch dieser symbolische Akt ist kontraproduktiv. Für eine Stabilitätspolitik à la Bundesbank ist es längst zu spät. Nur mehr Inflation kann den Euro noch retten.

Politiker, die zu ihren Positionen stehen, auch wenn dies bei Wählern unpopulär ist, oder sie es ihr Amt kosten kann, sind selten geworden. Die meisten drehen ihr Fähnlein der eigenen Karriere willen lieber in den Wind und tragen ihren Teil zum Glaubwürdigkeitsverlust der politischen Institutionen bei.
Eines ist sicher, diesen Vorwurf kann man Jürgen Stark nicht machen. Am vergangenen Freitag gab der Chefvolkswirt der EZB seinen Rücktritt bekannt. Offiziell hieß es „aus persönlichen Gründen“ tatsächlich sollen es große Zerwürfnisse im EZB-Rat über den Ankauf von Staatsanleihen der Peripherie-Länder und die Ausrichtung der weiteren Geldpolitik insgesamt gewesen sein. Stark geht insofern offenbar aus den gleichen Motiven, die bereits Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber dazu bewegten, sein Amt niederzulegen und sich nicht mehr um den Posten des nächsten EZB-Präsidenten zu bewerben.
Zugegeben, auf den ersten Blick ringt der Schritt Starks und Webers einem Respekt ab, näher beleuchtet sind sie jedoch Fahnenflüchtige, die mitgemacht haben, solange die Fehler der von ihnen mitgetragenen Politik nicht auffielen, und die nun, wo diese offensichtlich werden, vor den Folgen davon laufen. Denn nichts anderes sind die Staatsanleihekäufe durch die EZB. Sie sind die Konsequenz einer über Jahre viel zu stark wachsenden Verschuldung in der Eurozone und einer grundsätzlichen Fehlkonstruktion des Euros an sich. Dies war Axel Weber und auch Jürgen Stark von Beginn an bewusst, wie aus Interviews mit beiden zumindest zwischen den Zeilen immer wieder erkennbar wurde.
Für die von ihnen offenbar noch immer geforderten Stabilitätspolitik à la Deutsche Bundesbank ist es jetzt viel zu spät. Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Nützlich wäre es gewesen, wenn beide und auch Starks Amtsvorgänger Ottmar Issing, der immer die gleiche Linie vertrat, ihre gewichtigen Stimmen viel früher erhoben oder durch Rücktritte auf die zu erwartenden Folgen dieser falschen Politik hingewiesen hätten. Das einzige, was Jürgen Stark mit seiner Ankündigung vom Freitag nun bewirkt hat, war eine weitere Schwächung des bereits angeschlagenen Euros.
Ob die Gemeinschaftswährung in der heutigen Form überleben wird, ist ohnehin fraglich. Die Währungsunion vor der politischen Union zu installieren, war ein großer Fehler. Alle Verträge und Absprachen beginnend beim Maastricht-Vertrag und allem, was zusätzlich in den vergangenen zwei Jahren seit Ausbruch der Euro-Krise an Maßnahmen und Sanktionen zur stärkeren Etatdisziplinierung beschlossen wurden und womöglich noch beschlossen werden, sind im Grunde wertlos. mehr lesen

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