Verhasste Rallye

BulleundBärWeltweit steigen die Aktienkurse, vor allem an der Wall Street und in Europa. Ein Rekord nach dem anderen wird geknackt. Doch so richtige Begeisterung kommt nicht auf. Viele haben die jüngste Aktienrallye verpasst. Das lässt sich sehr gut an der Performance aktiv gemanagter Fonds ablesen, von denen die allermeisten dem Markt hinterherhinken. An der Wall Street wird daher auch von der verhasstesten Rallye aller Zeiten gesprochen. Seit nunmehr über zwei Jahren steigt der S&P 500 Index, ohne einmal mehr als zehn Prozent korrigiert zu haben. Wer jeweils auf noch günstigere Einstiegsmöglichkeiten gewartet hatte, musste mitansehen, wie der Börsenzug jedes Mal ohne ihn davon fuhr. Gerade der jüngste Kursschub ist an vielen vorbei gegangen. Vor dem statistisch schlechtesten Börsenmonat September und dem als Crash-Monat berüchtigten Oktober hatten sich viele Anleger offenbar vorsichtiger positioniert. Hochgezogen wurde der Markt zu großen Teilen durch das Eindecken von Short-Positionen (siehe Stimmungsbarometer Focus Money 44).

Mit der Rallye haben dennoch viele ihren Pessimismus über Bord geworfen. So ist die Stimmung der US-Börsen-Blogger massiv gestiegen wie auch die der institutionellen US-Anlagemanager auf 80 Prozent Optimisten, gemessen von der National Association of Active Investment Managers (NAAIM).

Ticker Sense

NAAIM

Jetzt noch einzusteigen, rät aber dennoch so gut wie niemand. Eher wird gewarnt. Aktien seien nicht mehr billig. Einen Rückschlag solle man daher auf jeden Fall abwarten.
Was auf den ersten Blick widersprüchlich aussieht, ergibt aber doch Sinn, wenn man sich in die Psyche des einzelnen Anlegers versetzt. Er ist einem Szenario ständig steigender Kurse ausgesetzt, denen sein Pessimismus irgendwann nicht mehr standhält. Egal, ob die seiner Ansicht nach zu hohe Bewertung, die Dauer der Rallye oder die Gefahr eines Wiederaufflammens der Eurokrise seine Skepsis begründet hat, solange die US-Notenbank Federal Reserve (FED) durch Anleihekäufe Geld in die Märkte pumpt, kann es offenbar nur nach oben gehen, wird er sich sagen. Er nimmt damit längerfristig betrachtet eine optimistische Haltung ein, will aber nun auch nicht der Dumme sein, der direkt vor der Korrektur das Hoch kauft. Handelt es sich um einen institutionellen Anleger, wird er selbst bei zu niedriger Aktienquote ja trotzdem von der Rallye profitieren, wenn auch nur unterdurchschnittlich.

Die allgemein propagierte Vorsicht lässt sich daher nicht einfach in ein antizyklisches Kaufsignal ummünzen, weil davon auszugehen ist, dass die vorhandene Liquidität erst nach einem Rückschlag in den Markt fließen wird. Auf einem um drei bis fünf Prozent ermäßigten Niveau dürfte dann eine Seitwärtsbewegung entstehen, die den Eindruck vermitteln wird, dass der Markt einfach nicht tiefer fällt. Begleitet sein wird diese von Empfehlungen, das günstigere Niveau für den bisher verpassten Einstieg zu nutzen. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass dies oft eine Falle ist. Denn hält diese Seitwärtsphase länger an, in der Kursverluste zunächst immer wieder ausgeglichen werden, jedoch ohne dass es neue Höchstkurse gibt, wird es umso wahrscheinlicher, dass ein weiterer Einbruch folgt. Denn in dieser Phase sammelt sich immer mehr kurzfristiges spekulatives Kapital an, dass auf einen nächsten Gipfelsturm setzt. Kommt dieser nicht, greifen Stopp-Loss Orders und führen zu einer Abwärtsbewegung, die dann erstmals wieder verunsichert. Hierauf würde ich mit einem Einstieg warten.

Parallelen zu 2011

DAX_picGeschichte wiederholt sich nicht, heißt es so schön. Das gilt insbesondere für Börsengeschichte, und doch gibt es immer wieder Parallelen, die es wert sind, betrachtet zu werden. Denn auch wenn sich die Abläufe nie exakt wiederholen, kann es doch Konstellationen geben, die eine gewisse Kursentwicklung wahrscheinlich erscheinen lassen. Derzeit zeigen sich in der Aktienkursentwicklung, der Entwicklung der Stimmungsindikatoren sowie der Zinslandschaft auffällige Gemeinsamkeiten mit dem Jahr 2011 bevor im Sommer der Crash folgte. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht zwangsläufig, dass es nun wieder rapide abwärts gehen muss, doch sich der Parallelen bewusst zu sein, ist angeraten.
Wie in diesem Jahr, waren im Jahr 2011 die Kurse gut in das Jahr gestartet und dann schleppte sich der Aktienmarkt – unterbrochen vom Einbruch nach dem Atomunfall in Fukushima – seitwärts dahin. Interessant war vor allem die Entwicklung der Stimmung. Denn obwohl der Markt gemessen am DAX Anfang Mai nochmals einen neuen Rekord erreichte und im Juli diesen nur knapp verpasste, sank die Stimmung, sehr gut ablesbar beispielswiese an den deutschen Börsenbriefen. Das gleiche zeigte sich auch bei den US-Anlagestrategen. Die steigenden Kurse vermochten es nicht die Stimmung wieder anzuheben. Das waren klare Fehlsignale aus Sicht des Antizyklikers, denn eigentlich schienen die Kurse auf diesem Niveau besser abgesichert zu sein, als noch am Jahresanfang 2011, als die Stimmungsindikatoren sich in luftigen Höhen befanden. Offenbar hatten im Verlauf des Jahres die Aktien von starken in schwache Hände gewechselt, so dass die plötzlich wieder aufflammende Griechenlandkrise begierig aufgegriffen, und am Ende als Grund für die fallenden Kurse angeführt wurde.

Consensus Aktien

Deutsche Börsenbriefe
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Gefährlicher Zinskonsens

ZinsenEs kommt nicht so oft vor, dass die Stimmung an einem Finanzmarkt ganz polarisiert positiv oder negativ ist. Die meiste Zeit ist die Anlegergemeinde uneins und teilt sich relativ hälftig in Optimisten und Pessimisten. Oder die verschiedenen Stimmungsindikatoren geben widersprüchliche Signale.

Es gleicht aus Sicht des eingefleischten Antizyklikers daher einem Geschenk des Himmels, wenn es zu einem Markt keinerlei widersprüchliche Signale mehr gibt, wenn also alle das gleiche entweder optimistische oder pessimistische Bild zeichnen.
Derzeit lässt sich dies für die Anleihemärkte sagen. Unisono sind sich Investoren, Analysten und Volkswirte einig: Nach dem Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA, aber auch an den Anleihemärkten Europas und der Schwellenländer, ist die Zinswende vollzogen. Nach mehr als drei Jahrzehnten sinkender Zinsen, in denen in den USA der Leitzins von über 18 auf Null und die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von 16 auf unter zwei Prozent fiel, soll sich der Trend nun umgekehrt haben. Das klingt auf den ersten Blick plausibel, weniger als Null geht ja nicht und die zehnjährigen Zinsen lagen zeitweise sogar schon unter der Inflationsrate.
Dieser Pessimismus für Anleihen kommt auch in einem selten gesehenem Gleichklang in den quantitativen Stimmungsindikatoren zum Ausdruck. So gibt es unter den US-Anlagestrategen seit nunmehr 11 Wochen nur noch jeweils gut 20 Prozent Optimisten für Anleihen, und die vom Hulbert Bond Newsletter Sentiment Index (HBNSI) erfassten Börsenbriefe legen ihren Lesern seit Mai Short-Positionen nahe. Das ganz lässt sich noch ergänzen durch die ebenfalls seit Wochen anhaltenden Mittel-Rückflüssen aus Anleihefonds.

Bonds Consensus

Gibt es einen solchen Konsens, dann liegt aus stimmungstechnischer Sicht zunächst einmal eine gegenteilige Bewegung, also eine deutliche Korrektur des vorliegenden Trends in der Luft. Wer aus Anleihen noch aussteigen, oder es sogar spekulativ auf der Short-Seite versuchen will, sollte daher zunächst die Korrektur abwarten. Aus meiner Sicht stellt sich aber die Frage, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, auf weiter steigenden Zinsen zu setzen. Auslöser des Zinsanstieges war die Ankündigung der US-Notenbank, sukzessive ihre Anleihekäufe zurück zu fahren. mehr lesen

Gold-Renaissance?

NL_gold„Nach Golde drängt, am Golde hängt, doch alles“, heißt es in Goethes Faust. In den vergangen sechs Monaten lief es jedoch umgekehrt, da drängte alles raus aus dem Golde mit den bekannten Folgen. Der Preis für eine Feinunze erlebte die größten Kursverluste seit 30 Jahren. Über die Ursachen wird nach wie vor gestritten. Die einen breiten in teilweise abstruse Verschwörungstheorien aus, die anderen – so wie ich – halten es für eine übliche Korrektur, ausgelöst durch die Liquidation gehebelter Positionen am Terminmarkt. Längst nicht immer, aber in diesem Punkt bin ich einig mit Rohstoffexperten Jim Rogers.

Das Verstehen der Vergangenheit ist nicht unwichtig, für den Anleger ist jedoch viel wichtiger, wie es nun weiter geht mit dem Gold. Bietet es immer noch die Sicherheit, die viele Käufer in den zehn Jahren Aufwärtstrend bis September 2011 gesehen haben? Und Sicherheit wogegen eigentlich? Meine Empfehlungen für das Edelmetall, die ich an dieser Stelle zu gewissen Zeitpunkten immer wieder ausgesprochen habe, gründeten sich stets auf die von mir erwartete Inflation. Das Gros der Investmentnachfrage war hingegen getrieben, von der diffusen Angst eines kompletten Zusammenbruchs des Finanzsystems, in der letzten Phase des Goldpreisanstieges insbesondere vor einen Zusammenbruch des Euro-Systems. Die Angst hiervor hat sich verflüchtigt, seitdem der Präsident der Europäischen Zentralbankpräsidenten (EZB) Mario Draghi vor gut einem Jahr erklärt hat, dass der Euro unumkehrbar sei und die EZB alles dafür tun werde, ihn zu verteidigen. Da die Inflation trotz aller Gelddruckaktivitäten bisher auch nicht angesprungen, sondern zuletzt sogar zurückgegangen ist, fehlt auch dieser Antrieb ins Gold zu investieren. Sollte der Anleger es auf dem aktuellen Kursniveau dennoch tun? mehr lesen

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