Langfristiger Ausblick

Einleitung
Im Folgenden gebe ich einen Überblick über meine grundsätzliche Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage, und was diese für die zukünftige Entwicklung an den Finanzmärkten bedeutet.  So soll vor allem den Besuchern dieses Blogs, die meine Kommentare und Analysen bisher nicht verfolgt haben, die Möglichkeit gegeben werden, meine aktuellen Beiträge einordnen zu können. Lesen Sie hierzu auch mehr unter „Über diesen Blog“.

Natürlich lässt sich „Hintergrund“ in einem Blog nicht in aller Länge und Breite und jedem Detail erklären. Wer mehr erfahren möchte, der findet die Antworten in meinem aktuellen Buch „Die Inflation kommt – Die besten Strategien sich davor zu schützen“.

Die große Perspektive
Wer die aktuelle wirtschaftliche Lage verstehen möchte, der muss einordnen können, was die eigentlichen Ursachen der Finanzkrise und Eurokrise waren und sind. Ich betone das deshalb, weil die meisten „Experten“ bereits hieran scheitern. Viel wird durcheinander geworfen. Je länger das Ereignis zurückliegt, desto häufiger ist zu vernehmen, dass die Finanzkrise 2008 mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers begann. Das ist mit Verlaub gesagt, der größte Unsinn. Denn die Finanzkrise brach mehr als ein Jahr zuvor am 10. Juli 2007 aus, als die Rating-Agenturen Standard & Poors sowie Moodys verbriefte Immobilienkredite in der Kreditwürdigkeit herabstuften. Dies brachte diese Papiere unter Druck und die Banken, die diese in großem Umfang erworben hatten, in Bedrängnis. Eine der ersten war die IKB in Deutschland.

Die Lehman-Pleite war dann auch nur eine Folge der Krise, die zu einem Brandbeschleuniger wurde, weil mit ihr ein mit dem Rest des Finanzsystems eng verwobenes Bankhaus erstmals nicht durch staatliche Institutionen gerettet wurde. Wirkliche Ursache war eine Überschuldung von Verbrauchern, Unternehmen und Banken in vielen Teilen dieser Welt. Diese Verschuldung hatte sich über viele Jahre aufgebaut. Zu Beginn der 80er Jahre wurde eine neue Wirtschaftsepoche eingeleitet, die sich nun in ihrem letzten Stadium befindet. Kennzeichen dieser Dekade war eine permanent überproportional wachsende Verschuldung in der Welt. So stieg in den USA die Gesamt-Verschuldung von Staat, Unternehmen, Banken und Privathaushalten von 170 Prozent Anfang der 80er jahre auf über 370 Prozent  – ein nie da gewesener Rekord. Auch in Europa sieht es nicht anders aus. Die Geldmenge M3 als Spiegelbild der Verschuldung wuchs seit Einführung des Euros mehr als zweieinhalb Mal so schnell, wie die Wirtschaftsleistung.

Dieses außergewöhnliche Auseinanderdriften von Geldmengen- und Verschuldungswachstum auf der einen Seite und Wirtschaftswachstum auf der anderen Seite ist die ausschließliche Erklärung für die historisch ebenfalls fast einmaligen Vermögenspreisblasen an den Aktien- und Immobilienmärkten, die wir in den vergangen Jahren erlebt haben. Auch die Tatsache, dass die Gewinne der Finanzunternehmen in den 60er Jahren nur zehn Prozent der Gewinne aller US-Unternehmen ausmachten, während es vor dem Platzen der Immobilienblase in den USA 2007 satte 35 Prozent waren, findet hier ihren Ursprung. Geld war nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern wurde zum Selbstzweck. Nicht Maschinen und Fabriken waren die Produktionsmittel, wie Karl Marx es einst beschrieb, sondern Geld an sich. Und folglich haben auch die hohen Bonuszahlungen an Investmentbanker mit besonderen Fähigkeiten nichts zu tun, sondern sind allein auf die beschriebene Entwicklung zurückzuführen.

Katalysator für den Verschuldungsanstieg waren in Wellenbewegungen immer weiter sinkende Leitzinsen in den Industrieländern, die Kredite immer günstiger machten. Zusätzlich importierte die Einführung des Euro in viele europäische Länder wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien das niedrige Zinsniveau der D-Mark, was teilweise zu extremen Immobilieninvestitionen in diesen Ländern führte.

Die Möglichkeit, die Zinsen immer weiter zu senken, ergab sich aufgrund von gleichbleibend tiefen Inflationsraten trotz der permanent stark wachsenden Geldmenge. Die globalisierungsbedingte Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer gepaart mit dem technischen Fortschritt, sorgten dafür, dass viele Produkte günstiger oder zumindest nicht teurer wurden, während Qualität und Funktionalität rasant stiegen. Nichts macht diesen Umstand deutlicher als der Vergleich des Sony Walkman aus den 80er Jahren mit einem heutigen iPod von Apple. Dazu kam die Deregulierung vieler Märkte, wie Telekommunikation, Flugverkehr oder auch Energie, wo die Preise teilweise massiv zurückgingen und Preissteigerungen in anderen Bereichen ausglichen. Und last but not least hat das Internet zu einer Preistransparenz geführt, die den Konkurrenzkampf ganz enorm erhöht und damit Druck auf Preise ausgeübt hat.

Zu Ende ging die Party als ab 2006 die Rohstoffpreise und bedingt durch den Immobilienboom in vielen Ländern, die Mieten stark zu steigen begannen. Das rief die Notenbanken auf den Plan, denn die aufkeimende Inflation galt es zu bekämpfen. In den USA wurden die Zinsen von einem Prozent auf 5,25 Prozent angehoben.

Völlig unterschätzt hatten die Notenbanker jedoch, wie stark viele Schuldner von den tiefen Zinsen und weiter steigenden Immobilienpreisen abhängig waren. Das Ergebnis ist bereits Geschichte. Der aufgeblasene US-Immobilienmarkt brach zusammen und mit ihm viele Kreditgeber, die ihn finanziert hatten. Die vorher so reichliche Liquidität wurde plötzlich ein knappes Gut und setzte annähernd alle Vermögenswerte unter Druck, was im Jahrhundertcrash im Anschluss an die Lehman-Pleite 2008 gipfelte.

Nur wer diese Zusammenhänge verstanden hat, ist überhaupt in der Lage, ein Bild für die Zukunft zu entwickeln.

Nun haben sich die durch immer neuen Schulden hochgetrieben Preise für Vermögenswerte zu großen Teilen verflüchtigt, die Schulden aber sind zu großen Teilen noch immer da. Um die privaten Nachfrageausfälle zu kompensieren, haben die Staaten und ihre Notenbanken rund um den Globus darauf mit kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen in astronomischem Ausmaß reagiert. Das Ergebnis ist fraglos eine Stabilisierung der Konjunktur gewesen, jedoch um den Preis einer noch schneller als zuvor wachsenden Staatsverschuldung. Durch zu hohe Schulden ausgelöste Probleme werden wieder mit neuen Schulden bekämpft. Die Probleme werden damit ein weiteres Mal in die Zukunft verschoben, gelöst werden sie natürlich nicht. Längst geht die Angst vor dem Staatsbankrott um. In den meisten Fällen ist diese jedoch vollkommen unberechtigt, und das Produkt von Leuten, die einfachste Zusammenhänge nicht verstanden haben. Denn Staaten wie die USA oder Großbritannien, die sich in ihrer eigenen Währung verschulden, können nicht Pleite gehen. Sie drucken schließlich das Geld, in dem sie sich verschulden.

In der Eurozone ist dies durch die Einführung der Gemeinschaftswährung anders. Aus diesem Grund hat sich die Spekulation auf die schwachen Länder des Verbundes gestürzt und die Zinsen für die Refinanzierung nach oben getrieben.

Nach langem Zögern hat sich mit dem Aufkauf von Staatsanleihen und extrem günstigen Refinanzierungsgeschäfte für Banken jedoch auch die Europäische Zentralbank (EZB) für die Staatsfinanzierung über die Notenpresse entschieden. Der einstige Geist der Bundesbank, der der EZB eigentlich inne wohnen sollte, ist verschwunden.

Der Schuldenabbau steht noch aus
Unsere Wirtschaftsdekade bewegt sich nun aber auf ihr Ende zu, weil die Zinsschraube, die das immerwährende Verschuldungswachstum erst möglich machte, zu Ende gedreht ist. Während die Leitzinsen in den USA Anfang der 80er bei 18 Prozent lagen, sind sie nun bei 0 bis 0,25 Prozent angekommen. Das bedeutet, dass eine Bank vor rund 30 Jahren, wenn sie sich Geld von der US-Notenbank lieh, für jede 1.000 Dollar Kredit 180 Dollar Zinsen pro Jahr zahlen musste. Heute können sich Banken für eine Zinsbelastung von 180 Dollar per Anno 72.000 Dollar bei der Federal Reserve leihen.

Die Schuldner sind nun kaum mehr in der Lage, sich noch weiter zu verschulden. Im Gegenteil, der aktuelle Verschuldungsstand erweist sich trotz der rekordtiefen Zinsen bereits als Wachstumshemmnis. Denn die Schuldner, wie die Millionen amerikanischen, britischen oder auch spanischen Immobilienkäufer der vergangen Jahre, waren schließlich die Wachstumstreiber, auf deren Scheinreichtum der Konsumhunger basierte.

Doch wer sind eigentlich die Gläubiger, die den Schuldnern gegenüberstehen? Gesprochen wird immer nur von den verschuldeten Staaten oder Immobilienbesitzern. Viele denken, Gläubiger seien die Banken. Doch das ist falsch. Sie sind zwar de jure die Kreditgeber, de facto aber vermitteln sie den Kredit nur zwischen Gläubigern und Schuldnern. Die tatsächlichen Gläubiger sind die Sparer dieser Welt, vom Sparbuchbesitzer bis zum Milliardär. Und es geht in den kommenden Jahren schlichtweg nur um eines: Das Geld von den Gläubigern wenigstens zu einem gewissen Teil an die Schuldner zurück zu transferieren. Oder anders ausgedrückt, die übertriebene Verschuldung wieder abzubauen.

Die zunächst naheliegende Option ist, die Schulden einfach zurück zu bezahlen. Doch sie ist nur eine theoretische Option. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir einen Teil unseres Wohlstandes in der westlichen Welt auf Verschuldung aufgebaut haben. Oder anders ausgedrückt: Wie haben über unsere Verhältnisse gelebt und zwar in allen Industrieländern der westlichen Hemisphäre, wobei Deutschland hier noch am wenigsten betroffen ist. Um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, müssten wir nun jahrelang unter unseren Verhältnissen leben, indem wir nicht mehr, sondern sogar weniger ausgeben, als wir einnehmen und mit dem Rest die Schulden tilgen. Der in Europa beschlossene Fiskalpakt zielt auf genau diese Lösung ab. Ich halte es jedoch für äußerst fraglich, dass dies politisch längerfristig  durchsetzbar ist.

Denn aufgrund der Höhe der Schuldenberge und der deshalb enormen Sparauflagen wird nach meiner Prognose, die hierdurch über Jahre nachlassende Nachfrage in einer Abwärtsspirale aus geringerer Wirtschaftsleistung, geringeren Steuereinnahmen und damit noch stärkeren Einsparungen münden. Am Ende stünde eine gigantische Pleitewelle mit einer Abschreibung statt einer Rückzahlung der Kredite. Die weiteren Folgen wären Rezession, Deflation und Massenarbeitslosigkeit, die wir in einigen Ländern wie Spanien beispielsweise schon haben.

Das ist es, was die Amerikaner aufgrund einer restriktiven Haushalts- und Geldpolitik in der 30er Jahren im Anschluss an den legendären Börsenkrach von 1929 erlebten. Und das ist es, was sie auch unbedingt verhindern wollen. Denn das große Trauma der Amerikaner ist die Deflation und nicht die Inflation. Aus diesem Grund zeigen die USA abgesehen von Lippenbekenntnissen auch keinerlei ernsthafte Bemühungen zu sparen. Sie wollen die Konjunktur ankurbeln, koste es, was es wolle. Der Preis steht heute bereits fest: Höhere Inflationsraten, die zweite Möglichkeit Schulden abzubauen. Denn in der Inflation bleiben die Schulden zwar nominal erhalten, real werden sie jedoch entwertet. Für die Gläubiger, zu denen auch viele Millionen von Anlegern durch verschiedenste Sparformen gehören, bahnt sich damit eine Katastrophe an. Denn natürlich werden mit den Schulden auch die ihnen gegenüber stehenden Vermögen entwertet.

Auch Europa bleibt nur die Inflation
Haupttreiber hinter den Sparauflagen in Europa ist vor allem Deutschland.
Denn unser Trauma ist nicht die Deflation, sondern die Inflation. Zweimal schlug sie jeweils nach den verlorenen Kriegen zu und vernichtete sämtliche Ersparnisse.

Dennoch werden sich die Einsparprogramme am Ende als Illusion erweisen. Wie die Bevölkerung auf diese reagiert, haben wir in Griechenland, Spanien, Irland und Frankreich bereits anschaulich beobachten können. Sie geht auf die Straße, wirft Steine und zündet Gebäude oder Autos an. Und das dürfte erst ein zarter Beginn gewesen sein. Allenfalls Deutschland könnte der Schuldenfalle entkommen. Wenn die Konjunktur in China und den anderen Schwellenländern weiter gut liefe, könnten wir über ein boomenden Export und damit steigende Steuereinnahmen die gesetzliche verankerte Schuldenbremse womöglich ohne scharfe Einsparungen einhalten. Sicher ist dies aber keineswegs, denn ob die rückläufige Nachfrage aus Europa ausgeglichen werden kann, bleibt fraglich. In den USA hingegen sind die Konsumenten so hoch verschuldet, dass ein Importsog wie vor der Finanzkrise nicht mehr zu erwarten ist.

Deutschland hat längerfristig aber so oder so ein veritables Problem: Den demographischen Faktor. Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft wird auch den deutschen Staatshaushalt noch in extreme Probleme bringen.

Man muss sich ohnehin Fragen, ob die deutsche Politik, mit ihrem Festhalten an der Haushaltsdisziplin, die beste Lösung ist. Denn im Grunde haben wir noch viel mehr als die Amerikaner das wohl abschreckenste Beispiel dafür geliefert, was extreme Spardisziplin hervorbringen kann. Denn das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wurde eingeleitet durch die desaströse Spar- und Deflationspolitikpolitik unter Reichskanzler Heinrich Brüning und seinem Reichsbankpräsidenten Hans Luther. Mit ihr gingen die Arbeitslosenzahlen immer weiter in die Höhe und mit den Arbeitslosenzahlen die Wählerstimmen für die NSDAP.

Eisernes Sparen ist deshalb in einer Demokratie unmöglich. Wer es versucht wird abgewählt. Die Regierungen werden es erleben, wenn die Sparmaßnahmen erst einmal für die breite Bevölkerung spürbar werden.

Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis auch Europa nicht nur mit der Geldpolitik auf den Kurs der USA einschwenken und wieder auf Expansion umschalten wird. Mit aktuellen nicht vorhersehbaren konjunkturellen Entwicklungen wird die Politik am Ende erklären, warum die gesteckten Sparziele nicht eingehalten werden konnten. Übung darin besteht bereits in Bezug auf die Nicht-Einhaltung der Verschuldungsgrenzen des Maastricht-Vertrages. Die Europäische Zentralbank wird dabei weiterhin ein willfähriger Gehilfe sein. Ich habe bereits im Herbst 2009 voraus gesagt, dass die EZB über kurz oder lang auch Staatsanleihen aufkaufen wird. Stets erntete ich großen Widerspruch. Im Gegensatz zur US-Notenbank Federal Reserve oder der Bank of England, sei es der Europäischen Zentralbank (EZB) gar nicht erlaubt, mit Hilfe des Ankaufs von Staatsanleihen Geld zu drucken, schlug mir entgegen. Im Übrigen, so wurde gerne fortgesetzt, sei die Europäische Zentralbank laut dem Maastricht-Vertrag völlig unabhängig und allein der Geldwertstabilität verpflichtet. Die Argumentation zeugte von großer Naivität.

Waren denn die fortlaufenden Ausnahmetatbestände, die Mitgliedsländern in Bezug auf die Stabilitätskriterien eingeräumt wurden, nicht Hinweis genug auf die Vereinnahmung durch die Politik? Und warum haben die Franzosen in den Vertragsverhandlungen von Maastricht so massiv darauf bestanden, dass zumindest der zweite Chef der EZB ein Franzose und auf keinen Fall ein Deutscher wird? Ganz sicher nicht, um dann einen der Ihrigen zu entsenden, der völlig unabhängig agiert und durch die Politik nicht mehr steuerbar ist. Die Einlassungen von Jean-Claude Trichet während seiner Amtszeit als Präsident der EZB dienten vor allem dazu, uns Deutsche zu beruhigen. Der immerwährende Hinweis auf die Verpflichtung zur Geldwertstabilität, war in letzter Konsequenz nur ein Lippenbekenntnis. Sein Nachfolger, der Italiener Mario Draghi, hat noch einen Gang hoch geschaltet.

Das Fazit ist einfach: Auch Europa wird sein Verschuldungsproblem am Ende durch Inflation lösen und letztlich lösen müssen.

Den Schwellenländern geht es deutlich besser. Die meisten von Ihnen und hier insbesondere China kennen die Probleme nicht, mit der sich die Länder in Westeuropa und die USA herum schlagen. Es gibt weder sinkende oder stagnierende Reallöhne noch eine zu hohe Verbraucherverschuldung. Im Gegenteil, der Mittelstand sitzt auf Geld, die verfügbaren Einkommen wachsen prozentual zweistellig, was trotz des steigenden Konsums auch ordentliche Sparraten erlaubt. Die Panik vor einem Immobiliencrash, die in China derzeit geschürt wird, ist maßlos übertrieben. Verkannt wird, dass die Einkommen ähnlich stark zulegen, wie die Immobilienpreise.

Die asiatischen Schwellenländer haben ihre Krise 1997 erlebt. Auch diese war durch zu hohe Verschuldung ausgelöst. Da der Rest der Welt aber auf der Welle des billigen Geldes boomte, konnten sich dieser Länder via Export aus der Schuldenfalle relativ einfach befreien und stehen heute deshalb deutlich besser da.

Erst Deflation dann Inflation
Die in Europa beschlossenen Sparmaßnahmen werden zunächst eher rezessive und möglicherweise sogar deflationäre Auswirkungen haben.  Erst wenn sich die europäische Politik aufgrund der zuvor aufgezeigten Konsequenzen vom Sparkurs verabschiedet und als letztes Mittel die Notenpresse anwirft, wird die Inflation sich ihren Weg bahnen. Bis dahin werden aber noch mindestens drei Jahre ins Land gehen. Die Gegner dieser These argumentieren immer wieder damit, dass es doch massive Überkapazitäten gäbe und daher mit steigenden Preisen keinesfalls zu rechnen sei. Sie verkennen dabei jedoch, dass die globalisierungsbedingten deflationären Effekte in nicht allzu weiter Ferne auslaufen, oder sich sogar umdrehen. Denn die Löhne in China steigen plötzlich schneller als die Arbeitsproduktivität. Die Bürger dort wollen nicht nur hart arbeiten, um Produkte für Amerikaner und Europäer zu produzieren, sondern selbst den Nutzen haben. Und es ist auch im Interesse dieser Länder ihre Binnenkonjunktur zu stärken, um die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren. Irgendwann wird man sich in Peking wahrscheinlich nicht mehr gegen eine Aufwertung des Yuan gegenüber Euro und US-Dollar sperren. Die bisher sinkenden Importpreise für Waren aus China könnten so auf einen Schlag teurer werden. Ein anderer Faktor sind die Rohstoffe. Hier sind die Kapazitäten nicht unbegrenzt, wie sich im Boomjahr 2007 zeigte und sich seit Mitte 2010 bereits wieder zeigt. Und die Rohstoffpreise haben Einfluss auf viele Waren des täglichen Lebens. Die Inflation kann insofern viel schneller zurückkehren, als manche heute denken.

Ein weiterer großer Trugschluss vieler Ökonomen lieg darin, zu glauben, die Notenbanken in den alten Industrieländern könnten ganz einfach die Zinsen nach oben setzen, wenn die Inflation beginnt zu steigen und so schlimmeres verhindern. Durch den massiven Verschuldungsanstieg, der jeden Tag größer wird, sind viele Volkswirtschaften mittlerweile abhängig von den teilweise fast bei Null liegenden Leitzinsen, wie ein Drogenabhängiger von der Nadel. Sobald diese deutlich auf – sagen wir vier bis fünf Prozent – erhöht würden, käme es zu einem sofortigen Zusammenbruch der Wirtschaft und vieler Banken. Und wie aufgezeigt, ist das von der Politik am Ende noch weniger gewollt als Inflation. Es bleibt daher dabei: Wie in der Geschichte bisher immer zu beobachten war, wird die massive Geldmengenausweitung irgendwann zu mehr Inflation führen. Die einzige Frage ist das „Wann“, das sehr schwer zu prognostizieren ist. Der Anleger sollte seinPortfolio jedoch bereits heute darauf einrichten, denn die Finanzmärkte nehmen stets alles vorweg.

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