Rentencrash?

Financial MarketsIch erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 1994. Es ging in die Geschichte ein als das das Jahr des Renten-Crashs. Gemeint war hiermit allerdings nicht der Zusammenbruch des staatlichen Rentensystems, sondern der weltweit starke Kurseinbruch bei Anleihen, die im deutschen Sprachgebrauch auch Renten genannt werden. Wie aus heiterem Himmel fielen die vermeintlich sicheren Papiere und stiegen die Zinsen massiv an.
Vor ein paar Wochen konnte sich eine Wiederholung dessen niemand wirklich vorstellen. All diejenigen, die in den vergangen Jahren steigende Zinsen vorausgesagt hatten, wurden durch den Markt Lügen gestraft, so dass sich so langsam die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass wir in einer neuen Zinswelt angekommen sind. „Verrückte Zinswelt“ hat ich mein Stimmungsbarometer daher vor drei Wochen übertitelt in Anspielung auf die Rendite zehnjähriger Anleihen, die bei 0,05 Prozent angekommen war.
Drei Wochen später sieht die Welt jetzt ganz anders aus. Der auf Bundesanleihen bezogene Terminkontrakt Bund Future ist so stark abgestürzt wie noch nie seit seiner Einführung auf D-Mark Basis Anfang der 90er Jahre.
Die Rendite der zehnjährigen Anleihen ist mittlerweile wieder auf 0,74 Prozent nach oben geschnellt. Das sind Dimensionen, die für diesen doch eigentlich eher konservativen und langweiligen Markt als Crash beschrieben werden dürfen.
Bond-König Bill Gross, der bis vor kurzem noch für den zur Allianz gehörenden Vermögensverwalter Pimco den weltgrößten Anleihefonds managte, bewies insofern ein gutes Timing, als er auf fast exakt dem Hoch des Bund Future vom „Short of the Lifetime“ sprach, also einer Chance wie es sie im Leben vielleicht nur ein einziges Mal gibt, mit fallenden Kursen einen großen Profit einzufahren. Zu ihm gesellte sich ein zweiter Anleihe-Guru aus den USA: Jeffrey Gundlach, der ins gleiche Horn stieß. Es waren vor allem die Prognosen der Gurus, die mich von einer Prognose in diese Richtung abhielten. Denn meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass Gurus mit öffentlichen Prognosen selten richtig liegen.
Ansonsten lag es auf der Hand, dass die Umkehr des Marktes bald kommen musste. Es ist schon als töricht zu bezeichnen, eine Anleihe zu kaufen, die bei zehn Jahren Laufzeit gerade einmal 0,05 Prozent Rendite pro Jahr abwirft. Allein die zwischenzeitlichen Kursverluste der vergangenen drei Wochen sind größer als der Ertrag über die ganze Laufzeit betrug. Käufer können daher nur solche Institutionen gewesen sein, die wie Versicherungen zu großen Teilen Sicherheit kaufen müssen und solche Spekulanten, die geglaubt haben, sie würden noch jemanden Dümmeres finden, der Ihnen die Papiere zu einem noch höheren Preis abkauft, und wenn der Dümmere am Ende die Europäische Zentralbank (EZB) sein würde. Sie galt quasi als Garant für steigende Kurse.
Doch ihr Aufkaufvolumen hat einen Rahmen, der fallende Kurse dann nicht verhindert, wenn das Angebot am Ende noch deutlich größer ist. Die Sentiments zeigen seit Monaten ausgeprägten Optimismus für US-Anleihen.

Consensus Bonds

So stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht. Langfristig betrachtet sind die Zinsen insbesondere der weniger sicheren Peripheriestaaten noch immer viel zu niedrig und wird es hier irgendwann deutlich stärker steigenden Zinsen kommen. Für eine nachhaltige Wende dürfte aber eine etwas restriktivere Gangart der EZB notwendig sein. Mittelfristig stützt das Anleihekaufprogramm. Kurzfristig stützt es zwar auch, hier kann der Abbau spekulativer Long-Positionen aber noch zu weiteren deutlichen Verlusten führen. Sind diese abgebaut, wird aber eine massive Erholung starten. Wer auf die Short-Seite geht, sollte daher schnell reagieren, wenn es plötzlich nach oben zieht.

Jahresausblick 2015

2015 new year signAntizyklisches Handeln hat sich auch 2014 im Grunde wieder als richtig erwiesen. Ein Jubeljahr für die Aktie sollte es werden und Gold wurde nur noch eine magere Zukunft voraus gesagt. Aus Sicht des Euro-Anlegers kam es jedoch anders. In Euro gerechnet legte Gold rund zehn Prozent zu. Der DAX hingegen ist für viele Analysten eine Enttäuschung. Er legte kaum zu und notiert nicht wie prognostiziert deutlich über 10.000 Punkten.

Den größten Irrtum gab es erneut bei den Zinsen. Unisono glaubten alle daran, dass die langfristigen Zinsen 2014 wegen der anziehenden Weltkonjunktur steigen würden. Doch Pustekuchen, aktuell sehen wir neue Rekordtiefs bei den Zinsen europäischer Anleihen. Natürlich konnte niemand erahnen, dass Waldimir Putin und sein Russland die Krim annektieren würden, doch auch in anderen Teilen der Welt, wie beispielsweise China und Brasilien schwächte sich die Konjunktur ab. Von den fünf großen Börsen brachte eigentlich nur die Wall Street ansehnliche Gewinne, vor allem aus Sicht des Euro-Anlegers, der mehr als von den Aktienkurszuwächsen von einer Aufwertung des Dollars profitierte.

Welche Kursentwicklung legen nun die Stimmungsindikatoren für 2015 nahe?
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Gefährlicher Zinskonsens

ZinsenEs kommt nicht so oft vor, dass die Stimmung an einem Finanzmarkt ganz polarisiert positiv oder negativ ist. Die meiste Zeit ist die Anlegergemeinde uneins und teilt sich relativ hälftig in Optimisten und Pessimisten. Oder die verschiedenen Stimmungsindikatoren geben widersprüchliche Signale.

Es gleicht aus Sicht des eingefleischten Antizyklikers daher einem Geschenk des Himmels, wenn es zu einem Markt keinerlei widersprüchliche Signale mehr gibt, wenn also alle das gleiche entweder optimistische oder pessimistische Bild zeichnen.
Derzeit lässt sich dies für die Anleihemärkte sagen. Unisono sind sich Investoren, Analysten und Volkswirte einig: Nach dem Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA, aber auch an den Anleihemärkten Europas und der Schwellenländer, ist die Zinswende vollzogen. Nach mehr als drei Jahrzehnten sinkender Zinsen, in denen in den USA der Leitzins von über 18 auf Null und die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von 16 auf unter zwei Prozent fiel, soll sich der Trend nun umgekehrt haben. Das klingt auf den ersten Blick plausibel, weniger als Null geht ja nicht und die zehnjährigen Zinsen lagen zeitweise sogar schon unter der Inflationsrate.
Dieser Pessimismus für Anleihen kommt auch in einem selten gesehenem Gleichklang in den quantitativen Stimmungsindikatoren zum Ausdruck. So gibt es unter den US-Anlagestrategen seit nunmehr 11 Wochen nur noch jeweils gut 20 Prozent Optimisten für Anleihen, und die vom Hulbert Bond Newsletter Sentiment Index (HBNSI) erfassten Börsenbriefe legen ihren Lesern seit Mai Short-Positionen nahe. Das ganz lässt sich noch ergänzen durch die ebenfalls seit Wochen anhaltenden Mittel-Rückflüssen aus Anleihefonds.

Bonds Consensus

Gibt es einen solchen Konsens, dann liegt aus stimmungstechnischer Sicht zunächst einmal eine gegenteilige Bewegung, also eine deutliche Korrektur des vorliegenden Trends in der Luft. Wer aus Anleihen noch aussteigen, oder es sogar spekulativ auf der Short-Seite versuchen will, sollte daher zunächst die Korrektur abwarten. Aus meiner Sicht stellt sich aber die Frage, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, auf weiter steigenden Zinsen zu setzen. Auslöser des Zinsanstieges war die Ankündigung der US-Notenbank, sukzessive ihre Anleihekäufe zurück zu fahren. weiterlesen

Aktienneubewertung

Das aktuelle Zinsumfeld ist historisches Neuland, denn noch nie waren die Zinsen so tief wie heute. Damit sind auch historische Bewertungsmaßstäbe für den Aktienmarkt obsolet.

Die aktuelle Korrektur an den Aktienmärkten hinterlässt erste Wirkungstreffer. Die Stimmung kühlt sich deutlich ab. Das war bereits Ende vergangenen Woche bei der in Deutschland erhobenen Sentix-ablesbar, in der die kurzfristige Einschätzung deutlich negativer wurde. Und ganz aktuelle zeigen das auch die Zahlen des Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI) in den USA eine Stimmungseintrübung. So ist der Wert für Standardaktien von in der Spitze + 56,8 auf + 17,1 Prozent und der für Technologieaktien von in der Spitze + 75,0 auf + 29,4 Prozent abgerutscht. Das sind natürlich noch keine eindeutigen Kaufsignale, dafür müssten die Werte ins Negative drehen, es zeigt sich aber, dass die Euphorie zunehmend der Vorsicht weicht. Auch die Kommentare von der gesunden Korrektur, die als Einstiegsgelegenheit genutzt werden sollte, werden seltener. Das ist aus antizyklischer Sicht ein gutes Zeichen. Zwar halte ich immer noch eine ausgedehntere Konsolidierung für die wahrscheinlichste Variante, weil die französische Präsidentschaftswahl sich noch zu einem Belastungsfaktor entwickeln könnte, der Markt dürfte aber mit der schlechtere werdenden Stimmung immer besser nach unten abgestützt sein. Erste Käufe könnten für gänzlich unterinvestierte Anleger bereits jetzt ratsam sein, denn dass die Aktien ihren Aufwärtstrend fortsetzen werden, davon ich so stark überzeugt, wie seit langem nicht mehr. Der Grund liegt an der aktuellen Zinsentwicklung. Diese unterscheidet sich nämlich von der in vergangenen Aktienaufschwungsphasen.
Das stellte jüngst auch ein Analyst fest, der – als der DAX sich noch voll im Aufschwung befand – in einem Börsenkommentar sinngemäß so zitiert wurde, dass sich die Gesetzmäßigkeiten der Börse mit dem Aktienaufschwung seit Jahresbeginn verändert hätten. Sei es üblicherweise so, dass bei steigenden Aktienkursen die Anleihen fallen, und damit deren Rendite steigt, sei dies nun plötzlich nicht mehr der Fall. Trotz der stärksten Jahresanfangsrallye in der Geschichte des DAX seien die Renditen stabil geblieben.
Der mit dieser Aussage zitierte Analyst offenbarte damit wahrscheinlich vollkommen unbewusst seinen begrenzten Erfahrungshorizont. Denn tatsächlich ist in der längerfristigen Betrachtung die von ihm entdeckte Anomalie die Regel gewesen, zumindest bis zum Platz der Internetblase im Jahr 2000.
Bis in die späten 90er Jahre war es eine Gesetzmäßigkeit, dass steigende Anleihen und damit fallende Renditen, steigende Aktienkurse nach sich zogen. Häufig passierte dies mit etwas Zeitverzögerung, in der Regel drei bis sechs, in Ausnahmen auch mal bis zu zwölf Monate. Dann liefen beide Märkte eine Zeit lang parallel, bis die Renditen nach oben drehten und die Aktien den damit einhergehenden fallenden Anleihen wieder folgten. Hierauf konnte man sich blind verlassen und es eröffnete wunderbare Chancen, wenn der Anleihemarkt bereits voraus gelaufen war und man nur darauf warten musste, dass ihm die Aktien folgten. weiterlesen

Wie lange funktionert der Gold-Hedge?

Ja, ich muss zugeben, mit einem solchen Sturz habe nicht gerechnet. Was mir fehlte und nach wie vor fehlt, ist die üblicherweise einem richtigen Crash vorausgehende monetäre Verschlechterung, in der Regel durch Zinserhöhungen. Natürlich ist auch das Ende von Quantitative Easing 2 eine Verschlechterung, jedoch ist dies keine wirklich restriktive Maßnahme und gerade gut einen Monat her. Solche Maßnahmen wirken sich auf die Aktienbörse in der Regel aber erst mit einer Zeitverzögerung von mehreren Monaten aus.
Ganz offenbar gibt, oder wahrscheinlich muss man mittlerweile sagen, gab es sehr viele spekulative gehebelte Engagements im Markt. Ein Teil der Verkäufer von heute sind womöglich auch Spekulanten, die zu früh auf eine Korrektur nach oben gesetzt haben und nun, da diese nicht kommen will, ihre Verluste begrenzen. Die Kommentare in den Zeitungen in der vergangenen Woche waren durchaus so zu interpretieren. Von Panik war hier keine Spur. „Durchhalten“ und „günstige Einstiegsmöglichkeit“ waren die Schlagworte. Dieses Verhalten ist durchaus nachvollziehbar, der Fukushima-Krach hatte gelehrt, dass es auch ganz schnell wieder nach oben gehen kann. Auch ich habe eher diese Parallele gesehen, als die zum Lehman-Crash, die nun in den Köpfen spukt und das erste Mal wohl wirklich für Panik sorgt. Denn die Bewegung ist in ihrem Ausmaß so langsam durchaus vergleichbar, wenngleich gemessen am damaligen Krach durchaus noch Luft nach unten besteht. Jeder Börsianer will natürlich nicht so dumm sein und ein solches Szenario nochmals investiert erleben. Und so liegt es nahe, lieber auf Nummer sicher zu setzen und zu verkaufen. Ich denke, dass ist es, was die Kurse derzeit immer weiter fallen lässt. weiterlesen

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