Deflation sollte unser Trauma sein

Mit der konzertierten Zinssenkung aller wichtigen Notenbanken in der vergangenen Woche hat sich die Politik erneut Zeit gekauft. Gelöst werden die Probleme dadurch aber natürlich nicht. Sie werden nur weiter in die Zukunft verschoben. Die Abhängigkeit von den tiefen Zinsen und Machtlosigkeit der Notenbanken gegenüber zukünftiger Inflation wird damit abermals größer.
Das ist der Grund, warum Deutschland als einziges der großen Industrieländer sich noch gegen den unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer durch die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt, zum Missfallen der betroffenen Länder. Denn eine solche Maßnahme würde zumindest deren Refinanzierungsprobleme über Nacht lösen. Deutschland hingegen ist bereit sich allseits unbeliebt zu machen, um wenigstens einen Rest an Stabilitätskultur zu retten.
Dass Inflation zu unserem Trauma wurde und die Angst davor hierzulande größer ist, als in allen anderen Industrienationen hat mit unserer Geschichte zu tun. Zweimal verloren wir Deutschen durch Inflation unser Geld. Das erste Mal durch die Hyperinflation von 1919 bis 1923 und dann durch die aufgrund der Preiskontrollen versteckte Inflation nach dem zweiten Weltkrieg. So wurde Inflation zum Trauma der Deutschen.
Das Trauma der USA ist hingegen die Deflation. Nach dem Kurssturz am legendären schwarzen Freitag im Oktober 1929 rutschte die dortige Wirtschaft in eine schwere Rezession. Um den Dollar innerhalb des Goldstandardwährungssystems stabil zu halten, wurde trotz der Wirtschaftsschwäche eine restriktive Geldpolitik betrieben, in deren Folge durch sinkende Preise und schrumpfende Wirtschaftsleistung das Bruttoinlandsprodukt um 50 Prozent zurückging. Teilweise erfroren und verhungerten die Menschen in ihren Wohnungen.
In Deutschland wurde zu diesem Zeitpunkt eine ganz ähnliche Politik betrieben. weiterlesen

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte Ihnen heute mitteilen, dass ich seit dem 1. September auch offiziell nicht mehr Mitarbeiter von CMC Markets bin. Da ich diesbezüglich immer wieder emails erhalte, ist es mir ein Anliegen, dies zur Klarstellung hier auch öffentlich zu machen. Es war eine spannende Aufgabe als Pionier den deutschen und österreichischen CFD-Markt aufzubauen, die für mich aber nun abgeschlossen ist.

Wie Sie allein schon an der Existenz dieses Blogs und an meinen laufenden Beiträgen erkennen, gilt aber mehr als je zuvor, dass ich vor allem anderen „Börsianer mit Leib und Seele“ bin, wie ich es in meiner Vita zum Ausdruck bringe. Diesem Thema – also der Analyse und Prognose der Finanzmärkte – möchte ich mich in Zukunft noch intensiver widmen.

Wer meine Kommentare seit längerem mitverfolgt, weiß, dass ich natürlich nicht immer, doch mit einigen Prognosen (Gold)richtig lag. Mit meiner Strategie des Pyramidisierens habe ich dies auch sehr erfolgreich für meinen Handel auf eigene Rechnung umsetzen können. Aufgrund der hierdurch gewonnenen Unabhängigkeit möchte ich dies zukünftig auch als Vermögensverwalter bzw. Portfolio-Manager umsetzen. Die Instrumente CFDs und Forex sollen dabei auch weiterhin eine Rolle spielen.

Die Planungen hierzu sind bereits relativ weit voran geschritten, so dass ich hoffentlich schon in ein paar Wochen genaueres hierzu kommunizieren kann.

Der Blog soll dabei nicht nur erhalten bleiben, sondern eine zentrale Rolle einnehmen und das Angebot auch als Diskussionsforum noch ausgeweitet werden.

Vielen Dank für die bisherige Treue!

Ihr
Stefan Riße

Jürgen Starks Rücktritt ist Fahnenflucht

Chefvolkswirt Jürgen Stark warf wegen offensichtlicher Zerwürfnisse im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag das Handtuch. Doch dieser symbolische Akt ist kontraproduktiv. Für eine Stabilitätspolitik à la Bundesbank ist es längst zu spät. Nur mehr Inflation kann den Euro noch retten.

Politiker, die zu ihren Positionen stehen, auch wenn dies bei Wählern unpopulär ist, oder sie es ihr Amt kosten kann, sind selten geworden. Die meisten drehen ihr Fähnlein der eigenen Karriere willen lieber in den Wind und tragen ihren Teil zum Glaubwürdigkeitsverlust der politischen Institutionen bei.
Eines ist sicher, diesen Vorwurf kann man Jürgen Stark nicht machen. Am vergangenen Freitag gab der Chefvolkswirt der EZB seinen Rücktritt bekannt. Offiziell hieß es „aus persönlichen Gründen“ tatsächlich sollen es große Zerwürfnisse im EZB-Rat über den Ankauf von Staatsanleihen der Peripherie-Länder und die Ausrichtung der weiteren Geldpolitik insgesamt gewesen sein. Stark geht insofern offenbar aus den gleichen Motiven, die bereits Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber dazu bewegten, sein Amt niederzulegen und sich nicht mehr um den Posten des nächsten EZB-Präsidenten zu bewerben.
Zugegeben, auf den ersten Blick ringt der Schritt Starks und Webers einem Respekt ab, näher beleuchtet sind sie jedoch Fahnenflüchtige, die mitgemacht haben, solange die Fehler der von ihnen mitgetragenen Politik nicht auffielen, und die nun, wo diese offensichtlich werden, vor den Folgen davon laufen. Denn nichts anderes sind die Staatsanleihekäufe durch die EZB. Sie sind die Konsequenz einer über Jahre viel zu stark wachsenden Verschuldung in der Eurozone und einer grundsätzlichen Fehlkonstruktion des Euros an sich. Dies war Axel Weber und auch Jürgen Stark von Beginn an bewusst, wie aus Interviews mit beiden zumindest zwischen den Zeilen immer wieder erkennbar wurde.
Für die von ihnen offenbar noch immer geforderten Stabilitätspolitik à la Deutsche Bundesbank ist es jetzt viel zu spät. Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Nützlich wäre es gewesen, wenn beide und auch Starks Amtsvorgänger Ottmar Issing, der immer die gleiche Linie vertrat, ihre gewichtigen Stimmen viel früher erhoben oder durch Rücktritte auf die zu erwartenden Folgen dieser falschen Politik hingewiesen hätten. Das einzige, was Jürgen Stark mit seiner Ankündigung vom Freitag nun bewirkt hat, war eine weitere Schwächung des bereits angeschlagenen Euros.
Ob die Gemeinschaftswährung in der heutigen Form überleben wird, ist ohnehin fraglich. Die Währungsunion vor der politischen Union zu installieren, war ein großer Fehler. Alle Verträge und Absprachen beginnend beim Maastricht-Vertrag und allem, was zusätzlich in den vergangenen zwei Jahren seit Ausbruch der Euro-Krise an Maßnahmen und Sanktionen zur stärkeren Etatdisziplinierung beschlossen wurden und womöglich noch beschlossen werden, sind im Grunde wertlos. weiterlesen

Liebe Leser …

… ich habe wieder einen Internetzugang. Umzugsbedingt war dieser gekappt und natürlich nicht pünktlich und wie beauftragt umgezogen. Ab morgen bin ich dann wieder wie gewohnt mit Kommentaren online. Die Märkte sind ja nach wie vor interessant und das Gold bisher widerstandsfähiger, als von mir erwartet.
Ich werde ab morgen dann auch die aufgelaufenen Kommentare beantworten und freigeben. Auch ein paar News in eigener Sache werde ich in der kommenden Woche verkünden.

Ich hoffe, Sie sehen mir die Zwangspause nach.
Ihr
Stefan Riße

Entmannte Griechen

Was ist eigentlich das Problem der Griechen? Die hohe Verschuldung von mittlerweile rund 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Oder ist es die Neuverschuldung von über zehn Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung? Glaubt man all denjenigen, die eine Umschuldung mit einem zumindest teilweisen Erlass der Schulden für unvermeidbar halten, ist es das Gemisch aus beidem. Doch mit Verlaub. Das ist Unsinn! Die Japaner sind mittlerweile mit 200 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes verschuldet und die USA verschulden sich nun schon das dritte Jahr in Folge mit rund zehn Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung.

Das Problem Griechenlands ist viel schlichter. Sie haben keine eigene Notenpresse mehr. Mit der Einführung des Euros haben alle Teilnehmerländer sich „kastrieren“ lassen und die geldpolitische Souveränität an die Europäische Zentralbank (EZB) abgetreten. Und deshalb können die Griechen zwei Dinge nicht mehr. Erstens: Die eigenen Schulden mit selbstgedrucktem Geld bezahlen. Zweitens: Die Währung abwerten, um wieder Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Beide Mittel setzen die Amerikaner erfolgreich ein.

Der Euro verzerrte das Zinsniveau

Hätten die Griechen noch ihre Drachme, dann würden wir uns derzeit auch nicht über eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands unterhalten müssen. Wahrscheinlich würden die Zinssätze Griechenlands steigen und auch die Inflationsrate. Selbstverständlich würde die Drachme gegenüber den anderen europäischen Währungen – insbesondere der D-Mark – massiv abwerten, doch kein Besitzer griechischer Anleihen müsste sich um die pünktliche und vollständige Rückzahlung Sorgen machen. weiterlesen

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