Gefahr von der Wall Street – Der Sentiment-Bericht

So sehen Börsen aus, denen Anleger verzweifelt nachlaufen. Sie steigen und steigen und der Rückschlag, auf den alle warten, um noch einsteigen zu können, kommt nicht. Immer wieder habe ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass trotz aller „DAX 10.000“ oder anderer euphorischer Titelblätter von Geldanlagemagazinen von einer breiten Aktieneuphorie nicht die Rede sein kann. Im Gegenteil, das große Stimmungsbild, das alle potenziellen Anleger erfasst, war und ist immer noch von großer Zurückhaltung geprägt. Die Gefahren der Euro- und Schuldenkrise gepaart mit den Erfahrungen des Internet- und Lehmancrashs ließen breiten Aktienoptimismus bisher nicht aufkommen.

Weil es woanders schlichtweg nichts mehr zu verdienen gibt, befassen sich so langsam aber sicher immer mehr Investoren mit dem vermeintlichen Risikopapier, dem sie zuvor abgeschworen hatten. Der risikolose Zins ist passé, oder liegt unterhalb der Inflationsrate. Die längerfristigen Aussichten für den Aktienmarkt bleiben damit auch bei verhaltenem konjunkturellem Ausblick weiterhin positiv. Können Gewinne und Dividenden nur einigermaßen gehalten werden, haben Aktien immer noch enormes Kurspotenzial.

Gute bis sehr optimistische Stimmung gab es bisher nur unter den Profis, oder sagen wir denen, die sich immer entweder von Berufs wegen, oder aus Passion (bei mir trifft beides zu) mit dem Thema Aktien beschäftigen. Mit den oben genannten Argumenten begründeten Sie ihren fundamental durchaus gerechtfertigten Optimismus. Zwischenzeitlich sorgten ein rückläufiger ifo-Geschäftsklimaindex wie auch weltweit nachlassende Werte bei den Einkaufsmanagerindizes und dem Verbrauchervertrauen zwar für etwas mehr Vorsicht, mit den neuen Höchstständen ist die Euphorie der Börsenprofis aber wieder zurückgekehrt. Vor allem die Wall Street sieht überhitzt aus. Der quasi rückschlagfreie Aufschwung erreicht langsam Rekordlänge. weiterlesen

Verschwörung gegen Gold?

Nun ist es gut zwei Wochen her, dass am Montag, den 15. April, der Goldpreis so stark abgestürzt ist wie seit 30 Jahren nicht mehr. Als einer derjenigen, der Gold in den vergangenen Jahren vor allem als Schutz vor möglichen Inflationsgefahren immer wieder zum Kauf empfohlen hat, muss an dieser Stelle natürlich auch eine Analyse stattfinden. Viel ist geschrieben und gesagt worden zu den Gründen dieses Edelmetall-Crashes, das meiste gehört ins Reich der Sagen und Mythen. Fest steht, die Goldfans erlebten den größten Schock seit Beginn des Bullenmarktes im Jahr 2011. Um neun Prozent fiel der Feinunzenpreis an nur einem Tag. Der Nimbus der vermeintlichen Sicherheit des gelben Metalls hatte ohnehin schon Kratzer bekommen, nachdem seit dem letzten All-Time-High von 1.920 US-Dollar bereits 18 Monate vergangen waren. Der nun erfolgte Crash hat deutlich gemacht, dass Gold zweifelsfrei ein bleibender Wert ist, der jeweilige Preis aber genauso von Angebot und Nachfrage abhängt, wie jeder Aktienkurs auch.

Viele Gold- und Edelmetallanbieter wollen das aber nicht wahrhaben. Edelmetall-Gurus sprechen von der größten Goldverschwörung aller Zeiten. Auf der Finanzmesse Invest in Stuttgart sprach ein prominenter „Silberexperte“ sogar von einer der größten Verschwörung der Menschheitsgeschichte. Große US-Banken sollen massiv den Preis gedrückt haben, um sich für entsprechende physische Lieferungen einzudecken. Ich halte das für kompletten Unsinn. Derartige Theorien gibt es immer wieder, wenn Kursentwicklungen nicht den Voraussagen entsprechen. Die Auguren versuchen so ihre Fehlprognosen zu kaschieren, indem sie böse Mächte erfinden, die sie nicht vorhersehen konnten.

Regelmäßige Leser dieser Kolumne wissen, dass auch ich seit Jahren zu den Goldbullen zähle. Trotzdem gebe ich freiherzig zu, dass ich den jüngsten Kurssturz nicht vorausgesehen habe. Dafür waren die Stimmungsindikatoren bereits zu negativ. Zumindest hatte ich zuvor aber nicht zum massiven Einstieg über 1.500 US-Dollar geblasen, sondern einen letzten Ausverkauf für möglich gehalten. Nach meiner Interpretation ist der Kurssturz von Stopp-Loss-Verkäufen am Terminmarkt ausgelöst worden. Es dürften die Spekulanten gewesen sein, die im vergangenen Spätsommer mit stark gehebelten Positionen eingestiegen sind. Alles sah zu diesem Zeitpunkt danach aus, als ob sich die Gold-Rally fortsetzen würde, und zwar pünktlich zum Beginn des saisonal günstigen zweiten Halbjahres. Doch bei knapp unter 1.800 Dollar kam der Angriff auf neue Rekorde zum Erliegen und bei unter 1.500 Dollar mussten offenbar viele die Reisleine ziehen. weiterlesen

Märkte im Verrückt-Modus

Die Börsenentwicklung ist derzeit extrem zweigeteilt und teilweise höchst irrational. Während in Japan die Kurse kerzengerade nach oben laufen, stehen andere Märkte wie der von mir favorisierte in Hongkong deutlich unter Druck. Der DAX zeigt mittlerweile ein ähnliches Bild. Diese Korrektur kommt nicht so unerwartet, nach den teilweise extrem optimistischen Stimmungsindikatoren. Zugegeben, ich habe die Aufwärtsentwicklung in Japan völlig verpasst, obwohl es natürlich nicht unlogisch schien, dass mit den extremen Ankurbelungsmaßnahmen der Bank of Japan (BoJ) die Aktien würden zulegen können. Es lag vor allem, daran, dass ich seit dem Einbruch des Nikkei im Jahr 1990 von über 40.000 Punkten unzählige Experten erlebt habe, die aufgrund der ja schon seit Jahren laufenden monetären Stimulierungsmaßnahmen den japanischen Aktienmarkt favorisiert haben und dann bitter auf die Nase gefallen sind. Die Hausse in Japan ist jedoch ein Tanz auf dem Vulkan. Zunächst werden sich die Unternehmensgewinne aufgrund der Abwertung des Yen zwar verbessern, dieses Land aber riskiert als erstes einen massiven Vertrauensschwund in das eigene Papiergeld. Davon soll nun so viel gedruckt werden, bis die Inflation zwei Prozent beträgt. Die Gefahr ist nicht gering, dass es zu einer Flucht aus dem Yen kommt, mit der Folge, dass japanische Staatsanleihen massiv abgegeben werden. Dann müsste die BoJ noch viel mehr Staatsanleihen kaufen, als die umgerechnet rund 58 Milliarden US-Dollar pro Monat, wie gestern verkündet. Dann müsste sie im Zweifel bis zur letzten Anleihe alles aufkaufen, um die langfristigen Zinsen unten zu halten. Denn dies ist in Japan ein Muss mehr als überall auf der Welt, denn die Staatsverschuldung liegt bei mittlerweile 240 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Ein massiver Zinsanstieg, würde die Finanzierung unmöglich machen und weite Teile der Finanzwirtschaft mit ihren Anleihebeständen in die Pleite treiben. Ob japanische Aktien dann immer noch haussieren würden, ist fraglich.
Eine wohl gewaltiger Short Squeeze vollzieht sich derzeit bei den französischen Staatsanleihen. Denn obwohl der Bund-Future zuletzt nur gering zugelegt hat, konnte der an der Eurex gehandelte OAT Future in nur zwei Tagen 2,5 Euro gewinnen. Die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen fiel zuletzt auf 1,84 Prozent. Derweil bereiten die Wirtschaftsdaten immer größere Sorge und steckt die Regierung Hollande wegen einer Schwarzgeldaffäre in der Krise. Ich vermute, dass die eigentlich zwingende Logik, dass dies eigentlich zu einer Flucht aus französischen Anleihen und damit steigenden Zinsen führen müsste, von zu vielen Hedgefonds verfolgt wurde, die nun unter großen Schmerzen ihre Positionen auflösen müssen. Wohl dem, der die Positionen nicht zu groß wählt und eine solche Phase durchstehen kann. Insgesamt bereiten die allseits sinkenden Zinsen – selbst die der Italiener fallen in diesem Umfeld – den Nährboden für bald wieder steigende Aktien.
Gold kann von all dem bisher nicht profitieren. Die immer stärkere Geldvermehrung spricht nach wie vor für das Edelmetall, aber der Weg ging zuletzt weiter bergab in Richtung der Korrekturtiefs bei 1.522 US-Dollar. Die Stimmungsindikatoren sind mit 46 Prozent Optimisten nach Lesart von Consensus historisch gesehen zwar niedrig. Gemessen an den Einbrüchen 2006 und 2008 wäre aber noch Platz bis rund 25 Prozent nach unten in einem letzten Sell-Off. Siehe hierzu auch den letzten Beitrag zu Gold.

Happy Birthday Kosto

Am vergangen Samstag wäre Börsenlegende André Kostolany 107 Jahre alt geworden. Er bleibt der wohl bekannteste „Börsenguru“ im deutschsprachigen Raum. Niemand wird im Zusammenhang mit der Börse häufiger zitiert als er, weil wohl auch keiner die Börsenlandschaft sprachlich so bereichert hat wie er.

Kostolanys Verehrer fragen sich oft, was hätte wohl der alte „Kosto“ – wie Vertraute ihn nannten – zur heutigen Situation gesagt? Als enger Wegbegleiter Kostolanys, der ich die letzten zehn Jahre seines im September 1999 zu Ende gegangenen Lebens sein durfte, erlaube ich mir zu spekulieren.
Ich beschäftige mich dem Titel dieser Kolumne gemäß stets mit der Anlegerstimmung. Hat das Kostolany eigentlich interessiert? Die Antwort lautet eindeutig: Ja! Er hat es allerdings nicht so beschrieben und auch nicht quantitative Indikatoren betrachtet, so wie ich dies tue. Seine Stimmungsindikatoren waren die Bedienung im Kaffeehaus, der Taxifahrer, sein Broker oder Banker. Je mehr sie ihn um Tipps baten, desto aufgeheizter war die Stimmung, oder desto stärker lagen die Papiere in den Händen der Zittrigen. Das war seine Beschreibung einer gefährlich aufgeheizten Stimmung. Denn ich muss zugeben, dass ich hier wie alle anderen auch, die sich in dieser Weise mit Anlegerstimmung auseinandersetzen, eigentlich immer nur die halbe Geschichte erzähle. Ist davon die Rede, dass die Anleger drin oder überinvestiert sind in Aktien, oder draußen oder unterinvestiert sind, dann ist das streng genommen natürlich Quatsch. Denn irgendwo befinden sich die Aktien ja, auch wenn die Anleger „draußen“ sind. Sie hängen dann ja nicht an Bäumen, sondern befinden sich bei Investoren, die wir in den Stimmungsindikatoren nicht wahrnehmen. Diese Anlegergruppe nannte Kostolany die „Hartgesottenen“. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie die vier „G“ haben: Geld (keine Kredite), Gedanken (eigene), Glauben (der immun gegen den Herdentrieb macht) und Geduld (um abzuwarten, bis die Gedanken aufgehen).
Da die Hartgesottenen zahlenmäßig in der Unterzahl sind und im Verborgenen agieren, gehen sie bei der Stimmungsmessung unter. Es sind große Anleger, wie Pensionskassen oder auch vermögende Privatanleger, die in der Regel nicht an Umfragen teilnehmen und schon gar nicht irgendwelche Börsenbriefe lesen. Ihre Meinungsbildung findet auf Basis der Fakten und nicht auf Basis von Anlage-Empfehlungen statt.

Auf die heutige Situation übertragen, hätte Kostolany ganz sicher nicht den Eindruck, dass die Papiere schon in den Händen der Zittrigen sind. Im Gegenteil, die Aktie ist mehr oder minder „out“. Vor allem bei jungen Leuten, Studenten der Wirtschaftswissenschaften eingeschlossen, ist das Interesse so gering wie seit Jahrzehnten nicht. Das würde Kostolany sicher nicht gefallen. Zog er doch als „Wanderprediger“, wie er sich selbst nannte auch durch die Hörsäle, um aus der neuen Generation eine Generation der Aktiensparer zu machen. Denn er schätzte den volkswirtschaftlichen Nutzen der Aktie für den Fortschritt und den Wohlstand enorm hoch ein. Was er hingegen verabscheute war die Spielermentalität, die sich an den Finanzmärkten schon damals breit machte. Beim „Banker Bashing“ wäre er wie von je her an vorderster Front dabei. So wie er vor dem Neuen Markt vehement gewarnt hatte, weil er wusste wie viel Anlegervertrauen der kommende Zusammenbruch zerstören würde. Jetzt würde er jetzt sicher den Hochfrequenzhandel geißeln. Auch die Erfinder der ganzen Subprime-Industrie inklusive der Rating-Agenturen bekämen ihr Fett weg. Zitieren würde er einen früheren Staatsmann mit dem Satz: „Die Banken sperre ich, die Banker sperre ich ein!“

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