Gold Renaissance?

GoldDas zweite Halbjahr steht vor der Tür. Zeit also sich mal wieder mit den Edelmetallen zu beschäftigen, insbesondere mit Gold. Denn in den zehn Jahren Bullenmarkt bis September 2011 hatten sich die Aufwärtsschübe überwiegend in der zweiten Jahreshälfte abgespielt. Zufall? Vielleicht. Zehn Jahre haben keine statistische Relevanz. Doch es gibt durchaus logische Gründe dafür, dass es kein reiner Zufall ist.

Einer der wichtigsten Goldnachfrager ist nach wie vor Indien. Das liegt an der langen Tradition, zur Hochzeit vor allem Gold zu verschenken, als Schmuck um die Braut zu zieren, aber auch als Aussteuer. Die Hochzeitssaison beginnt Ende des dritten Quartals. Im Vorfeld kaufen die Inder daher das gelbe Metall. In den vergangen beiden Jahren fiel die Nachfrage eher schwach aus. Das lag an der schwächeren Wirtschaftslage, der deshalb sehr schwachen Landeswährung Rupie und an Einfuhrbeschränkungen. Die mittlerweile abgewählte Regierung wollte damit errreichen, dass die Inder mehr konsumieren und weniger in Gold investieren, das größtenteils importiert werden muss und die Leistungsbilanz stark ins Minus gedrückt hatte. Und dennoch gab es auch 2012 und 2013 zum Beginn des zweiten Halbjahres deutliche Ausbrüche im Goldpreis nach oben. Womöglich setzten Spekulanten am Terminmarkt auf steigende Preise. Weil dann die physische Nachfrage, auf die es letztlich ankommt, aufgrund der schwachen Nachfrage aus Indien aber nicht nachkam, brachen die Preise ein. Dies lässt sich natürlich nicht beweisen, aber es ist eine nicht unwahrscheinliche Erklärung. weiterlesen

Die rationale Börse

DAX_AllzeithochDie Finanzmärkte reagierten zuletzt äußerst besonnen und rational auf Ereignisse, von denen viele Marktkommentatoren erwartet hatten, dass sie für Bewegung nach unten sorgen würden.
Zum einen ist da die Ukraine-Krise. Nach der Annexion der Krim, war dies für die Börse ein „Fait Accompli“, also eine vollendete Tatsache, wie auch die Sanktionen gegen Russland, die überschaubar ausfielen. Mit dem Wiederaufflammen des Konfliktes in den östlichen Provinzen der Ukraine war aber klar, dass die Töne und das Klima zwischen der westlichen Staatengemeinschaft und Russland sich weiter verschärfen würden. Dennoch wurden kurzzeitige Kursverluste anschließend von umso größeren Gewinnen abgelöst, obwohl man einer Klärung des Konfliktes nicht einen Zentimeter näher gekommen war. Mit hoher Wahrscheinlichkeit mussten zu diesem Zeitpunkt diejenigen ihre Short-Engagements zurückkaufen, die beim Wiederausbruch der Krise auf einen fallenden Markt gesetzt hatten.
Warum kam es nicht zu größeren Kursverlusten? Den Investoren war schnell klar, dass niemand im Westen ein Interesse an einem militärischen Eingreifen haben würde, weil uns dieses mit der Atommacht Russland sehr schnell an den Rand eines dritten Weltkrieges bringen würde. Das Krim-Beispiel wurde so zum gelernten Prinzip. Ein wenig Zittern, und dann laufen die Kurse wieder nach oben.
Nach der Europa-Wahl war es nicht anders. Es war klar, dass die Europa-Gegner deutlich zulegen würden. Diese Tatsache konnte schon vor der Wahl den Aktienmarkt nicht aus dem Tritt bringen, nach der Wahl als „Fait Accompli“ schon gar nicht. Wahlbörsen haben kurze Beine heißt es nicht umsonst, wobei das starke Abschneiden des „Front National“ in Frankreich schon eine negative Überraschung war. Doch dies stürzt Frankreichs Eliten womöglich in eine Krise, Europa jedoch nicht. Denn mögen die Europagegner auch stark geworden sein, ausrichten können sie am Ende doch nichts. Die bürgerlichen und sozialdemokratischen Parteien bilden nach wie vor die mit Abstand größten Fraktionen und sind damit Garanten dafür, dass Europa und die Eurozone auf ihrem aktuellen Kurs bleiben.
Wie ist diese sehr besonnene und rationale Reaktion der Finanzmärkte zu bewerten? Sind die Börsianer nun plötzlich rationaler und weniger emotional unterwegs? Sicher nicht. Die Börse und ihre Teilnehmer funktionieren seit mehr als 400 Jahren gleich. In einer anderen, überhitzen Marktphase wären beide Ereignisse – Ukraine-Krise und Rechtsdrift in Europa – für sich allein für einen erheblichen Kurssturz gut gewesen. Doch der Markt ist eben nicht überhitzt. Das zeigen nicht alle, doch viele der Stimmungsindikatoren, wie der der US-Privatanleger AAII, das Blogger-Sentiment Ticker Sense, das deutsche Put/Call-Ratio und die aktuellen Diskussionen.

Ticker Sense

PutCall-Ratio Deutschland

In den USA wird seit Wochen darüber diskutiert, wann nun der nächste Crash kommt. Allein aus diesem Grund steht dieser wohl nicht bevor. Dass der Ausbruch nach oben erfolgen würde, war durch die fortwährend schlechte Stimmung in den vergangenen Wochen immer wahrscheinlicher geworden. Die Frage lautet, wie weit dieser führt. Ist es nur einer der Short-Squeezes, der bald endet, oder gibt es neue langfristig agierende Anleger, die immer noch investieren, weil die Alternativen fehlen. Die Antwort fällt schwer, doch ich investiere nicht mehr auf diesem Niveau. Mag es auch noch ein gutes Stück nach oben gehen, das Chance/Risiko-Verhältnis wird zunehmen schlechter. Und fast drei Jahrzehnte Börsenerfahrung haben mich gelehrt, dass es immer wieder Chancen gibt, tiefer einzusteigen.

Sentiment-Ausblick 2014

Financial MarketsNun haben die Prognostiker wieder Hochkonjunktur. Kurz vor Jahreswechsel bewegt die Börsianer nur eine Frage. Wie wird das Börsenjahr 2014? Leider lag bei Redaktionsschluss für dieses Stimmungsbarometer die hier stets kommentierte Kapitalmarktprognose des Handelsblatts noch nicht vor, um für den Ausblick aus Sentiment-Sicht herangezogen werden zu können. Wie sich die knapp 40 befragten Bankanalysten zu DAX, Euro und Zinsen äußern werden, ist aber bereits aus vielen Kommentaren ablesbar.

Aktien
„Zu viel Optimismus?“ lautete die Überschrift des letzten Stimmungsbarometers im Jahr 2012. Die Frage bezog sich auf die Aktienmärkte. Der DAX notierte bei rund 7.600 Punkten und war bereits ganz ordentlich gestiegen. Mein Fazit lautete, dass Rückschläge einzukalkulieren seien, Aktien für die weitere Zeit jedoch attraktiv blieben. Die Stimmungsindikatoren spiegelten damals keinen Pessimismus mehr, sie waren aber auch nicht extrem optimistisch. Die Prognose ging auf, wie wir heute wissen. Die vorausgesagte Umschichtung von Anleihen in Aktien hat in 2014 erstmals stattgefunden, abzulesen in deutlichen Abflüssen aus Renten- und Zuflüssen in Aktienfonds.
Heute, ein Jahr später, sieht die Situation anders aus. Insbesondere an der Wall Street liefern einige Stimmungsindikatoren mittlerweile deutliche Verkaufssignale. So erreichte die Anzahl der pessimistischen US-Börsenbriefe ein neues historisches Tief mit noch gut 14 Prozent. Auch in Deutschland ist größere Sorglosigkeit vorhanden als vor zwölf Monaten. Nur neun Prozent der Börsenbriefe sind negativ gestimmt. Das alles deckt sich mit den Kommentaren der Marktteilnehmer und Analysten, die dieser Tage zu vernehmen sind. Zwar sollen Aktien nicht mehr ganz so rasant steigen wie 2013, doch die einhellige Meinung lautet: Es geht weiter nach oben. Das im vergangenen Jahr noch sehr heiß diskutierte Thema Krise ist völlig vom Tisch. Nur vereinzelte Pessimisten weisen darauf hin.

Dow für Blog

Dax für Blog

An der Liquiditätsfront hat sich ebenfalls etwas getan. Meine vor einem Jahr so eindeutig positive Prognose basierte zum einen auf den stark gefallenen Renditen für langlaufende Staatsanleihen und auf der Tatsache, dass die US-Notenbank Federal Reserve (FED) bereits damals innerhalb des Programms Quantitative Easing 3 für 85 Milliarden US-Dollar Anleihen pro Monat aufkaufte. Dieses Programm läuft noch immer und liefert sicher weiterhin eine Unterstützung für die Aktienmärkte. Es wurde nun aber um zehn Milliarden gekürzt, während die Renditen der langlaufenden US-Staatsanleihen rund anderthalb Prozentpunkte über dem Stand von vor einem Jahr notieren. Diese Tatsache gepaart mit der beschriebenen Sorglosigkeit veranlasst doch zu größerer Vorsicht. weiterlesen

Ökonomie Doping

FedDie Tour de France 2013 ist seit anderthalb Wochen vorbei. Ein Ereignis, das ich seit vielen Jahren aufmerksam verfolge, betreibe ich doch selbst Radrennsport. Neben dem Sport ging es auch diesmal wieder um das Thema Doping. Kann man die drei Wochen überhaupt durchhalten, ohne zu dopen, fragen viele Kritiker. Die Antwort lautet „Ja“, nur eben nicht ganz so schnell. Doch solange sich einer den Vorteil der verbotenen Medikamenteneinnahme verschafft, tun es die anderen auch, um konkurrieren zu können.

In der Ökonomie gibt es durchaus Parallelen zum Doping, aber auch Unterschiede. Das billige Notenbankgeld, egal, ob in den USA, Großbritannien, Japan oder letztlich auch der Eurozone ist Doping für die Wirtschaft. Eine gesunde Volkswirtschaft müsste bei der aktuellen Teuerung ein Leitzins von drei bis vier Prozent haben, wie es in den 90er und auch noch 2000er Jahren meistens der Fall war. Aktuell liegen die Leitzinsen jedoch bei Null bis 0,5 Prozent. Zusätzlich pumpen die Notenbanken über den Ankauf von Anleihen Milliarden in die Wirtschaft.

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BOJ Bilanzsumme

Die spannende Frage ist nun, was passieren würde, würden diese Aufkäufe eingestellt. Würde die Wirtschaft dann analog zu den Radhelden einfach nur langsamer wachsen? Vermutlich nicht! Es ist eher davon auszugehen, dass sie dann gar nicht mehr vom Fleck käme, oder schrumpfen würde. Noch extremer ist die Angelegenheit bei den Leitzinsen. Würden diese auf nur drei Prozent steigen, ist davon auszugehen, dass viele Banken insolvent würden. Die Kredite, die sie insbesondere auch in Form des gehebelten Kaufs von Staatsanleihen vergeben haben, müssten sie plötzlich zu Konditionen refinanzieren, die über den vereinnahmten Zinsen liegen. Das hält keine Bank lange aus. Es ist daher davon auszugehen, dass die Zinsen noch sehr lange tief bleiben werden, selbst wenn die Inflationsraten anziehen. Und auch der Aufkauf von Anleihen, dürfte wohl weitergehen. Einen Großteil der sich erholenden US-Wirtschaft ist auf den Immobilienmarkt zurückzuführen. Hier haben die extrem günstigen Hypothekenzinsen über den Weg der Umschuldung vielen Käufern Luft verschafft weil ihre Kreditraten sanken. Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) wird daher längst nicht so schnell, wie einige vor kurzem glaubten, aus den Anleihekäufen aussteigen, um einen weiteren Anstieg Hypothekensätze zu vermeiden. Und wenn die Notenbank, die den Leitzins steuert, diese Politik fährt, dann müssen die anderen Notenbanken auch mitziehen, um ihre Währung nicht gegenüber dem US-Dollar steigen zu lassen, damit die heimische Wirtschaft konkurrenzfähig bleibt. Auch hier gibt es die Analogie zum Sport.
Für Aktieninvestoren bleibt die Notenbankpolitik damit weiterhin ein extrem wichtiger Faktor, mittelfristig der wohl wichtigste. Schaut man sich die Aktienperformance in diesem Jahr an, dann sind die Börsen, am besten gelaufen, wo am aggressivsten gedopt wird – Japan und die USA. Für Japan ist dies noch einfacher nachvollziehbar, da mit der Abwertung der Landeswährung Yen ein deutlicher Anstieg der Unternehmensgewinne einhergehen wird. Auf der anderen Seite ist völlig unklar, wie das aktuelle Wirtschaftsexperiment ausgeht, das auf Rekordverschuldung von 240 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt weitere Schulden draufsattelt. An der Wall Street hingegen sind die Aktien bereits relativ teuer und das Gewinnwachstum absehbar gering. Dennoch darf es nicht verwundern, wenn diese Märkte weiterhin besser laufen, obwohl fundamental andere viele günstiger sind. Das Ökodoping gibt den Ausschlag.

Konsolidierung abgeschlossen?

FedEs ist durchaus wahrscheinlich, dass die Konsolidierung bereits abgeschlossen ist. Auch wenn aus antizyklischer Sicht die Stimmung noch nicht negativ ist, und bei den von mir beobachteten Stimmungsindikatoren noch längst keine Kaufsignale generiert wurden, spricht dies nicht zwingend für weiter fallende Kurse. Typisch für Konsolidierungsphasen ist eine leichte Eintrübung des Optimismus, der sowohl bei den US-Anlageberatern erkennbar ist mit noch 69 Prozent Optimisten nach 73 Prozent in der Vowoche, aber auch im Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI), wo für Technologie- nun noch 68,8 und für Standardwerte noch 57,9 Prozent gemessen werden nach über 90 bzw. über 70 Prozent in den Wochen zuvor. Auch bei Sentix bleibt die kurzfristige Stimmung eingetrübt.

Consensus Aktien

Eine echte Baisse ist noch nicht in Sicht, denn die momentan alles dominierende Frage, nach dem möglichen Ende der ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank, wird überbewertet. Natürlich der US-Immobilienmarkt, von dem einst die weltweite Finanzkrise ausging, zeigt erhebliche Erholungsansätze. Gemessen am Case-Shiller Hauspreis Index legten die Immobilienpreise zuletzt um 10,9 Prozent auf Jahresbasis zu. Das befördert den Konsum, weil die Hausbesitzer sich wieder reicher fühlen. Von den Höchstpreisen für Immobilien im Jahr 2007 sind wir aber noch weit entfernt. Die Notenbank wird daher sehr vorsichtig sein, um das zarte Konjunkturpflänzlein nicht sofort wieder zu zertreten.
Abzulesen ist die Angst vor einer geldpolitischen Straffung an den Kursen der US-Staatsanleihen. Obwohl die US-Notenbank diese permanent aufkauft, fiel der Kurs zuletzt deutlich und stiegen die langfristigen Zinsen dementsprechend. Diese Entwicklung muss der Aktienanleger genau beobachten. Setzt sich diese Tendenz fort, entsteht hier der Grund für die nächste größere und längere Korrektur bei den Aktienkursen, selbst dann, wenn die US-Notenbank noch mit Staatsanleihekäufen Geld in die Märkte pumpen sollte. Gegen Zinsanstiege am lange Ende waren Aktienkurse noch nie dauerhaft immun.
Bisher reichen aber weder das Ausmaß noch die zeitliche Entfernung des Zinsanstieges am langen Ende aus, um am Aktienmarkt echten Schaden zu hinterlassen. Zunächst sollten beim Dax daher neue Rekorde anstehen.

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