Krim-Krach?

BulleundBärVergleiche mit der Nazizeit sind in Deutschland ein heikles Thema. Jeder, der sie bemüht, gerät in den Verdacht, die unglaublichen Verbrechen von damals relativieren zu wollen, oder andere zu dämonisieren. Das durfte jüngst auch unser Finanzminister Wolfgang Schäuble feststellen. Bei einer Diskussionsrunde in einer Schulklasse verglich er das Vorgehen Waldimir Putins auf der Krim mit dem Adolf Hitlers im Sudetenland. Im „Münchener Abkommen“ von 1938 war es dem Diktator gelungen, den kriegsmüden Ländern Großbritannien und Frankreich die Zustimmung abzuringen, das Sudetenland an das Deutsche Reich anzuschließen. Auch hier war die Bevölkerung überwiegend deutschsprachig und wollte den Anschluss. Es dürfte einer der größten historischen Fehler gewesen sein. Hitler fühlte sich durch die schwache Haltung Großbritanniens und Frankreichs nur bestärkt in seinen Welteroberungsplänen.
Ganz offenbar war Schäubles Vergleich, den ich zuvor in meiner Freitagskolumne auf Onvista auch schon gezogen hatte, nicht so abwegig, wie die jüngsten Vorgänge in der Ukraine zeigen. Als normalerweise seriös einzustufende Quellen berichten sehr eindeutig davon, dass die pro-russischen Aktivisten in der Ostukraine ohne die Unterstützung Moskaus so koordiniert niemals vorgehen könnten. Die doch eher zahnlosen Sanktionen haben Waldimir Putin offenbar ebenfalls ermutigt, seine expansiven Pläne weiterzuverfolgen.
Die regelmäßigen Leser dieses Blogs wissen, dass ich die für Kursbewegungen oft verantwortlich gemachten Nachrichten für völlig überbewertet halte. Sie werden geliefert getreu dem Motto, die Nachrichten machen die Kurse. Entscheidend ist dagegen die Positionierung der Anleger. Sind sie stark investiert oder sitzen sie auf Cash? Deshalb betrachte ich die Stimmungsindikatoren so intensiv. Doch es gibt eben auch Nachrichten und Ereignisse, die von Bedeutung sind. Die Vorgänge in der Ukraine gehören dazu. Das Thema Kalter Krieg ist in den Köpfen der Menschen abgehakt. Ewas, das der Vergangenheit angehört. Deshalb fehlt vielen die Phantasie sich vorzustellen, dass dieser quasi als Kalter Krieg 2.0 zurückkommen könnte. Unter den aktuellen Voraussetzungen ist dies durchaus möglich. Wenn es passiert, dann dürfte dies nicht ohne negative Auswirkungen auf die weltweiten Aktienkurse bleiben, denn Verluste im Handel zwischen Russland und dem Westen dürften die Folge sein sowie eine permanente Angst vor einer Verschärfung der Krise. weiterlesen

Fisch noch Fleisch

Financial MarketsAm Jahresanfang war die Stimmung ganz eindeutig, sowohl für Aktien als auch für Gold und damit wie immer auch für die anderen Edelmetalle insbesondere Silber. Dem menschlichen Herdentrieb entsprechend sollte es so weitergehen wie in 2013. Die Aktien sollten weiter steigen und Gold weiter verlieren. Die Argumente in allen Medien sprachen eindeutig dafür, zumindest für all diejenigen, die nicht verstanden haben, dass an der Börse eben nicht die Nachrichten die Kurse machen, sondern die Kurse die Nachrichten. Und so kam es wie so oft wieder einmal anders.
Vor allem das gelbe Edelmetall versetzte die Anleger ins Staunen. Statt in Richtiung 1.000 US-Dollar pro Feinunze abzudriften, wie sogar die Experten der renommierten Investmentbank Goldman Sachs voraus gesagt hatten, stieg es deutlich an und legte in der Spitze um über 15 Prozent zu. Lange hielt sich zunächst die Skepsis, vor allem bei den Technikern, bis bei 1350 Dollar eine wichtiger technischer Widerstand gebrochen wurde. Damit beschleunigte sich dann der Aufwärtstrend, offenbar gingen die Chartgläubigen dann wieder hinein. Das Ergebnis war voraussehbar. Nach dem kurzen Rausch fehlten neue Käufer und es ging abwärts. Die Verlustbegrenzungen derjenigen die kurz zuvor eingestiegen waren, schickten den Feinunzenpreis noch schneller wieder nach unten als er gestiegen war. Fehlsignal nennen das die Chartisten.
Dennoch liegt Gold immer noch sieben Prozent über seinem Stand am Jahresanfang und hängt die so positiv gesehenen Aktienmärkte damit locker ab. Gemessen am DAX sind sie plus/minus Null. Zwar ging es zunächst noch aufwärts doch dann folgte die Korrektur. Zwischenzeitlich lagen die Verluste bei fünf Prozent, in vielen Schwellenländern haben die Anleger deutlich mehr verloren, und auch in Japan, der Renner-Börse aus 2013 sitzen die Investoren auf Verlusten.

Wie geht es nun weiter aus stimmungstechnischer Sicht. Setzen sich die Trends fort, oder ist es nun Zeit antizyklisch in Aktien einzusteigen und aus Gold noch auszustiegen, weil sich der Bärenmarkt fortsetzt?
Die Situation ist derzeit weder Fisch noch Fleisch. Bei den Edelmetallen hat die jüngste Korrektur noch keine tiefen Spuren im Gemüt der Anleger hinterlassen. Die US-Anlageberater sind aktuell noch zu 70 Prozent optimistisch. Zum Vergleich: Anfang Januar waren dies gerade einmal 32 Prozent. Dennoch gibt es die ersten, die die Frage stellen: „Oder hat Goldman Sachs doch recht?“ Vieles spricht für eine ausgedehntere Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau, also einen Seitwärtstrend.

Consensus Gold

Am Aktienmarkt ist die Situation ähnlich. In den quantitativen Stimmungsindikatoren lässt sich vor allem in den USA nach wie vor hoher Optimismus ablesen. Das liegt sicher auch daran, dass der US-Aktienmarkt einer der besten dieses Jahres ist und sogar leicht über dem Jahresanfang liegt. Geht es an der Wall Street runter, dann ist das anderswo fast immer genauso. Hier ist vor allem zu beachten, dass sich die Stimmung seit vielen Wochen auf hohem Niveau eingependelt hat und sowohl bei den kurzfristig als auch den mittel- bis langfristig agierenden Börsenbriefen neue Rekorde in Sachen Optimismus aufgestellt wurden. Dennoch gibt es auch rege Diskussionen darüber, ob nun bald ein neuer Crash droht. Vergleiche mit 1929 werden gezogen. Das spricht gegen einen scharfen Einbruch. Deutschland sollte bei Verlusten an der Wall Street nicht überproportional verlieren. Hier hat sich die Stimmung bei den Börsenbriefen erheblich abgekühlt und das Put/Call-Ratio zeigt eindeutig, dass die Anleger sich zu großen Teilen abgesichert haben.

Deutsche Börsenbriefepositiv

Schwellenangst

GettyImages_106780916Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent, eine junge wachsende Bevölkerung, die auch zukünftiges Wachstum garantiert, geringe Verschuldung von Staat und Privathaushalten, Rohstoffvorkommen und geringe Löhne, die Vorteile im globalen Wettbewerb sichern. Alles Argumente, die für Investitionen in den meisten gemeinhin als Emerging Markets bezeichneten Schwellenländern sprechen und bereits in den vergangenen Jahren sprachen. Vielleicht nicht gerade im Jahr 2007 als die Kurse schon stark gestiegen waren und Banken einen Fonds und ein Zertifikat nach dem anderen auf diese Länder auflegten und der Begriff BRIC als Abkürzung für Brasilien, Russland, Indien und China zur Investmentmode wurde. Doch spätestens nach dem Lehman-Crash im Jahr 2008 kam eine günstige Bewertung als weiteres Argument hinzu.

Gerade aktuell erscheint es aus fundamentalem Blickwinkel absolut logisch Aktien aus Schwellenländern und insbesondere aus China zu kaufen. Die dortige Wirtschaft wächst derzeit um mehr als sieben Prozent im Jahr und das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Unternehmen liegt bei gerade einmal sieben. Zum Vergleich: In den USA wächst das Bruttoinlandsprodukt noch immer weit unter dem langfristigen Durchschnitt, die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch und das Kurs/Gewinn-Verhältnis an der Wall Street liegt bei 14. Also Ruckzuck raus aus den etablierten Aktienmärkten und rein in die Emerging Markets? Die Antwort wäre ein klares „Ja“, gäbe es nicht die Erfahrung der vergangenen Jahre. Denn die genannten Argumente gelten schon seit mindestens drei Jahren. Wer ihnen in seiner Anlageentscheidung folgte, hat desaströse Ergebnisse eingefahren, vor allem im Vergleich zu denjenigen, die auf die alten Industrieländer setzten. Gewinne von 50 Prozent und mehr stehen Verluste in den Schwellenländern gegenüber. Ich selbst habe auch an dieser Stelle bis vor kurzem immer wieder den Aktienmarkt in Hong Kong hervorgehoben als Alternative zu Investitionen direkt in China. Der Aktienmarkt ist seit Jahren etabliert und frei zugänglich. Dennoch hat auch die ehemalige britische Kolonie enttäuscht. weiterlesen

Es wird heiß!

Financial Markets„Bei diesem monetären Rückenwind kann die Börse eigentlich nur weiter steigen. Nun senkt auch noch die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen und hält sich alle Optionen offen, was ja wohl nur Anleihekäufe nach dem Vorbild der Zentralbanken der USA, Großbritanniens und Japans bedeuten kann. Die Liquidität dominiert einfach und lässt die belastenden Faktoren in den Hintergrund treten.“
Wenn das Ihre aktuellen Gedanken sind, weil Sie bisher auch zu vorsichtig agiert oder zu früh Gewinne mitgenommen haben, dann dürften Sie sich derzeit in großer Gesellschaft befinden. Nichts anderes lässt sich nämlich derzeit aus den Stimmungsindikatoren herauslesen. Diese eigene Wandlung ist aber auch an sich schon ein Warnsignal. In solchen Momenten sind wir auf dem Sprung uns dem Mehrheitslager anzuschließen.

An allen Fronten nimmt der Optimismus derzeit zu. Dominierte im DAX bei Kursen zwischen 8.000 und 9.000 Punkten noch die Gewinnmitnahmebereitschaft, werfen nun die Anleger ihre Zurückhaltung über Bord. So stieg die Anzahl der Optimisten unter den US-Anlageberatern von 68 weiter auf 72 Prozent. Der Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI) steigt für Technologieaktien auf wieder 81,3 Prozent an. Zwar gab es bei einigen Stimmungsindikatoren zuletzt auf Wochenbasis einen Rücksetzer, die oft aussagekräftigeren längerfristigen Durchschnitte bei den US-Privatanlegern nach Lesart der American Association of Individual Investors (AAII) wie die der US-Börsenblogger „Ticker Sense“ bewegen sich aber immer weiter in den Bereich historischer Hochs vor. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Anzahl der pessimistischen US-Börsenbriefe auf 15,1 Prozent gesunken ist, so Tief wie seit April 2011 nicht mehr. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich das Stimmungsbild in den USA in Richtung seiner Levels bewegt, die zuletzt 2011, 2007 und im Jahr 2000 erreicht wurden. Anschließend folgten massive Einbrüche.

Pessimistische US-Börsenbriefe

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Verhasste Rallye

BulleundBärWeltweit steigen die Aktienkurse, vor allem an der Wall Street und in Europa. Ein Rekord nach dem anderen wird geknackt. Doch so richtige Begeisterung kommt nicht auf. Viele haben die jüngste Aktienrallye verpasst. Das lässt sich sehr gut an der Performance aktiv gemanagter Fonds ablesen, von denen die allermeisten dem Markt hinterherhinken. An der Wall Street wird daher auch von der verhasstesten Rallye aller Zeiten gesprochen. Seit nunmehr über zwei Jahren steigt der S&P 500 Index, ohne einmal mehr als zehn Prozent korrigiert zu haben. Wer jeweils auf noch günstigere Einstiegsmöglichkeiten gewartet hatte, musste mitansehen, wie der Börsenzug jedes Mal ohne ihn davon fuhr. Gerade der jüngste Kursschub ist an vielen vorbei gegangen. Vor dem statistisch schlechtesten Börsenmonat September und dem als Crash-Monat berüchtigten Oktober hatten sich viele Anleger offenbar vorsichtiger positioniert. Hochgezogen wurde der Markt zu großen Teilen durch das Eindecken von Short-Positionen (siehe Stimmungsbarometer Focus Money 44).

Mit der Rallye haben dennoch viele ihren Pessimismus über Bord geworfen. So ist die Stimmung der US-Börsen-Blogger massiv gestiegen wie auch die der institutionellen US-Anlagemanager auf 80 Prozent Optimisten, gemessen von der National Association of Active Investment Managers (NAAIM).

Ticker Sense

NAAIM

Jetzt noch einzusteigen, rät aber dennoch so gut wie niemand. Eher wird gewarnt. Aktien seien nicht mehr billig. Einen Rückschlag solle man daher auf jeden Fall abwarten.
Was auf den ersten Blick widersprüchlich aussieht, ergibt aber doch Sinn, wenn man sich in die Psyche des einzelnen Anlegers versetzt. Er ist einem Szenario ständig steigender Kurse ausgesetzt, denen sein Pessimismus irgendwann nicht mehr standhält. Egal, ob die seiner Ansicht nach zu hohe Bewertung, die Dauer der Rallye oder die Gefahr eines Wiederaufflammens der Eurokrise seine Skepsis begründet hat, solange die US-Notenbank Federal Reserve (FED) durch Anleihekäufe Geld in die Märkte pumpt, kann es offenbar nur nach oben gehen, wird er sich sagen. Er nimmt damit längerfristig betrachtet eine optimistische Haltung ein, will aber nun auch nicht der Dumme sein, der direkt vor der Korrektur das Hoch kauft. Handelt es sich um einen institutionellen Anleger, wird er selbst bei zu niedriger Aktienquote ja trotzdem von der Rallye profitieren, wenn auch nur unterdurchschnittlich.

Die allgemein propagierte Vorsicht lässt sich daher nicht einfach in ein antizyklisches Kaufsignal ummünzen, weil davon auszugehen ist, dass die vorhandene Liquidität erst nach einem Rückschlag in den Markt fließen wird. Auf einem um drei bis fünf Prozent ermäßigten Niveau dürfte dann eine Seitwärtsbewegung entstehen, die den Eindruck vermitteln wird, dass der Markt einfach nicht tiefer fällt. Begleitet sein wird diese von Empfehlungen, das günstigere Niveau für den bisher verpassten Einstieg zu nutzen. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass dies oft eine Falle ist. Denn hält diese Seitwärtsphase länger an, in der Kursverluste zunächst immer wieder ausgeglichen werden, jedoch ohne dass es neue Höchstkurse gibt, wird es umso wahrscheinlicher, dass ein weiterer Einbruch folgt. Denn in dieser Phase sammelt sich immer mehr kurzfristiges spekulatives Kapital an, dass auf einen nächsten Gipfelsturm setzt. Kommt dieser nicht, greifen Stopp-Loss Orders und führen zu einer Abwärtsbewegung, die dann erstmals wieder verunsichert. Hierauf würde ich mit einem Einstieg warten.

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