China-Blase geplatzt?

GettyImages_106780916Das Thema Griechenland ist nun mehr oder minder vom Börsentisch. Dafür beschäftigt die Finanzexperten nun das Thema China. Viel wurde in den vergangenen Wochen über die Gefahren diskutiert, die von der möglichen Blase an den Festlandbörsen in China ausgeht. Ich war davon ausgegangen, dass es noch nicht soweit ist, dass die Kurse zunächst noch weiter steigen würden. Ich hatte das dortige Treiben mit den Ereignissen am Neuen Markt Ende der 90er Jahre verglichen, wo es deutlich länger lief, bevor es dann zum großen Knall kam. Und selbst nach dem Verlust der ersten 30 Prozent war der damalige Optimismus nicht tot zu bekommen. In China ist das jetzt bereits anders. Es gibt ein Bewusstsein für die vorherige Überbewertung der kleinen Technologiewerte. Experten hatten von Beginn an gewarnt. Es waren gerade diese zahlreichen Warnungen, die mich aus antizyklischer Sicht in die Irre führten und davon ausgehen ließen, dass es noch dauern würde mit dem Platzen der Blase.
Auch ein anderer Aspekt fehlte mir für einen richtigen Crash. Eine restriktivere Geldpolitik. Diese hatte jahrelang dafür gesorgt, dass der chinesische Aktienmarkt am Boden blieb, während in der westlichen Welt wie auch in Japan die Kurse haussierten. Es war der Versuch der chinesischen Regierung und Notenbank, das Schattenbankensystem auszutrocknen und den Immobilienmarkt nicht überhitzen zu lassen. So blieb bei dem rasanten Wirtschaftswachstum keine Überschussliquidität und damit auch kein Geld für den Aktienmarkt. Mit der Abkühlung des Wachstums und auch der Immobilienpreise – die restriktive Geldpolitik hatte Wirkung gezeigt – ergab sich anschließend Raum für eine Senkung der Zinsen und der Mindestreservesätze für Banken.
Die erste Zinssenkung im Herbst löste dann auch sofort einen Boom am Aktienmarkt aus. Das Spekulationsfieber, das es vor der Finanzkrise schon einmal gegeben hatte, war zurück.
Da sich an der grundsätzlichen Haltung der Geldpolitik im Reich der Mitte nichts geändert hat, halte ich auch an meiner These fest, dass die Rallye am chinesischen Aktienmarkt nicht schon wieder für Jahre beendet ist. Auch am Neuen Markt hatte es 1998 schon deutliche Kursrückgänge gegeben, bevor dann richtig durchgestartet wurde. Den richtigen Einbruch gab es aber erst, als auch die monetäre Situation schlechter wurde.

Es ist davon auszugehen, dass an den beiden großen Festlandbörsen Shanghai und Shenzhen, die zuvor übertrieben hochgejubelten Technologiewerte nicht so schnell wieder ihre Höchstkurse erreichen. Hier ist Realitätssinn eingekehrt. Doch der breite Markt und die solideren Titel dürften wieder durchstarten. Die weiterhin zu erwartende Lockerung der Geldpolitik, aber auch die Maßnahmen des Staates gegen einen Aktiencrash sollten greifen.
Zuletzt ging auch die Angst um, der Crash in China könnte Ansteckungswirkung auf die Weltbörsen haben. Davon ist aber nicht auszugehen. 80 Prozent der Aktien in Festlandchina liegen bei Privatanlegern und eben nicht bei institutionellen Anlegern wie an den Börsen der westlichen Welt. Hedgefonds werden daher nicht in Bedrängnis geraten und gezwungen sein, auch andere Vermögenswerte rauszuschmeißen wie in der Finanzkrise.
Ein Markt allerdings wurde in Sippenhaft genommen, der im benachbarten Hongkong. Berechtigt ist dies nicht. Die Bewertungen liegen im Leitindex Hang Seng mit einer Dividendenrendite von rund 3,5 Prozent und einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von acht noch unter denen in Deutschland.
Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich hier eine Erholung einstellt. Solche Einbrüche sind immer die Chance, günstig in Märkte hineinzukommen. Und der Hang Seng hat auch danach wahrscheinlich mit das größte Potenzial unter den Weltbörsen.

  • http://www.marko-momentum.de Marko Momentum

    Die Anzahl der neu eröffneten Handelskonten und das relative Level an Margin Debt hatte vor dem Crash astronomische Levels erreicht. Das zumindest spricht für eine Blase. Aber klar, die Geldpolitik ist natürlich ein gutes Argument.

  • fAn

    Sehr guter Beitrag! Gerne mehr davon!

Rißes Blog TV

 

Live Erleben & Buchen

  • Zur Zeit keine Termine vorhanden
 
   
 

Kategorien

 
 

Archiv