Jahresendrallye?

BulleundBär“Die Börse ist keine Einbahnstraße”, lautet die wohl unumstrittenste Börsenweisheit. An der Wall Street konnte man in den vergangen Tagen allerdings den Eindruck bekommen, dass selbst diese Börsenweisheit angezweifelt werden muss. Selbst wenn die Vorgaben der anderen Börsen negativ waren, was sich auch in den Preisen der Terminkontrakte auf die wichtigsten US-Indizes zuvor ablesen ließ, konnten die Verluste fast immer in der regulären Börsensitzung an der Wall Street wieder wett gemacht werden. Kurzum, es tut sich derzeit der Eindruck auf, als wenn die Wall Street nach unten abgesichert wäre.

Es stellt sich daher zwangsläufig die Frage, ob wir uns bereits in einer Jahresendrallye befinden und man den Zug nicht verpassen sollte. Was die Geldpolitik betrifft, so liegen die Tatsachen auf dem Tisch. Die Federal Reserve (FED) in den USA fährt die Anleihekäufe auf Null runter. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft den Banken faule Kredite ab, und die Bank of Japan gibt Vollgas. An den geldpolitischen Fakten dürfte sich bis zum Jahresende auch nichts mehr ändern. Auch die von der EZB erhofften Staatanleihekäufe sollten nicht mehr in diesem Jahr beginnen.

Was die klassischen technischen Indikatoren betrifft, so stehen an der Wall Street die Ampeln auf Grün. Alle Widerstandslinien sind gebrochen und auch die Advance/Decline-Linie zeigt einen breiter werdenden Aufschwung. Zunehmend werden diese Indikatoren aber auch als Grund dafür angeführt, warum es weiter nach oben gehen dürfte. Auch die fraglos unterstützenden Aktienrückkäufe werden immer häufiger zitiert. Auch die Crash-Diskussionen sind völlig verstummt nach der deutlichen Korrektur im Oktober. Die ebenso schnelle und noch stärkere Erholung auf wieder neue Rekordkurse hat wohl den letzten Pessimisten den Nerv geraubt.

Selbst wenn die Argumente, die für Aktien sprechen durchaus richtig sind, je häufiger sie angeführt werden, desto wahrscheinlicher wird eine Korrektur. Stimmungstechnisch spricht daher wenig für eine Jahresendrallye. Vor allem der deutsche Aktienmarkt wirkt angeschlagen. Während die Wall Street neue Rekorde hinlegt, kommt der DAX nicht mehr weiter voran. Das verheißt nichts Gutes, für den Fall, dass die Wall Street doch mal wieder ein paar schwächere Tage erlebt. Kurse deutlich unter 9.000 Punkten dürften dann schnell Realität werden.
Was die Stimmungsindikatoren betrifft, so haben sich diese auch in Deutschland durch die schnelle Erholung von immerhin 1.000 DAX-Punkten und wahrscheinlich auch wegen der Hoffnung auf die EZB deutlich verbessert. Die Anzahl der pessimistischen Börsenbriefe ist fast wieder auf dem Niveau von vor der Korrektur und damit im Verkaufsbereich angekommen.

Dt. Börsenbriefe negativ
In den USA geben die Stimmungsindikatoren ohnehin Verkaufssignale. Die US-Privatanleger sind so optimistisch wie nie zuvor. Auch dort erreichen die pessimistischen US-Börsenbriefe wieder rekordtiefe Prozentsätze. Die kurzfristigen Börsenbriefe geben Verkaufssignale und die Put/Call-Ratios sinken und zeigen weniger Absicherungsaktivitäten. Der größte US-Indexfonds, der den S&P 500 Index nachbildet, verzeichnet Rekordzuflüsse. Das alles sind Indikationen, die kurz- bis mittelfristig kein gutes Chance/Risiko-Verhältnis für Aktien darstellen.

AAII Bulls minus Bärs
Nicht zu vergessen ist das Auslaufen der Anleihekäufe in den USA. Stichwort Quantitative Easing 3. Nach Auslaufen der Programme 1 und 2 gab es empfindliche Rückschläge. Das alles ändert zwar nichts daran, das Aktien in diesen zinslosen Zeiten langfristig trotzdem alternativlos bleiben. Man dürfte sie kurzfristig aber noch einmal günstiger bekommen.

  • Stefan Kusche

    PS: Und falls die Märkte jetzt doch noch in den letzten Tagen auf ein positiven Ausgang spekulieren sollten und der Goldpreis stark ansteigt, wäre es dann nicht eventuell sinnvoll auf einen “Fail accomplit” zu setzen, also eine Beruhigung der Märkte und ein Stopp des kurzfristigen spekulativen Anstieges – ganz gleich wie die Wahl am Ende ausgeht?

    Liebe Grüße

    Stefan

  • Stefan Kusche

    Ich weiss nicht ob Sie sich die “Fragen und Antworten”- Seite noch durchlesen, deshalb hier meine Frage:

    Was halten Sie von dem Schweizer Goldreferendum: Wuerde ein positiver Ausgang – also ein Ja zum Goldkauf – die fundamentale Lage sehr verändern oder ist dieser Faktor zu vernachlässigen?

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