Hurra, frisches Geld!

Geldwelle-300x225Das war ein Paukenschlag. Die Bank of Japan (BoJ) wird die Geldbasis nicht wie bisher geplant um 50 Billionen, sondern um 80 Billionen jährlich steigern. Damit wird sie zukünftig alle neu ausgegebenen Staatsanleihen kaufen, was nichts anderes heißt, als das alle neue Schulden, die der japanische Staat macht, zukünftig mit frisch gedrucktem Geld finanziert werden. Und wie reagieren die Finanzmärkte darauf? Sie jubeln. Rund um den Globus stiegen die Aktienmärkte, der Dollar stieg weiter und Gold fiel auf ein Mehrjahrestief. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte einige Tage später nach und unterstrich nochmals ihre Bereitschaft zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Krise war gestern. Die Notenbanken lösen das Problem. Das ist der Konsens, auf den man sich geeinigt hat.

BoJ_1011Vor ein paar Jahren wären derartige Nachrichten noch von Skepsis begleitet worden. Auf jeden Fall wäre auch Gold gestiegen, weil damit gerechnet worden wäre, dass diese Geldpolitik irgendwann zu Inflation führt. Und diese Maßnahmen wären auch so interpretiert worden, dass sich die Notenbanker ganz offensichtlich große Sorge um die Lage der Weltwirtschaft machen. Doch seit einigen Jahren drucken die Notenbanken nun schon frisches Geld in Form des Anleiheaufkaufs. Bisher hat dies nicht zu Inflation geführt. Im Gegenteil. Nach wie vor scheint immer noch Deflation die größere Gefahr zu sein. Diejenigen, die Inflation prognostiziert haben, scheinen widerlegt. Ich gehöre zu ihnen, wie die regelmäßigen Leser meiner Beiträge wissen. Doch ich halte die Prognose aufrecht. Dass die durch die Notenbanken in die Finanzmärkte gepumpte Liquidität zu Inflation führt, war auch nie meine Prognose, eher die zukünftige Abhängigkeit von den tiefen Zinsen. Die veränderte Sicht der Finanzmärkte folgt dem üblichen Muster. Je länger es nicht zum befürchteten Knall kommt, desto mehr verliert dieser seinen Schrecken. Es setzt sich irgendwann die Erkenntnis durch, dass man mittanzen muss, solange die Musik spielt.

Es gab nicht wenige, die vor einer Europäischen Währungsunion (EWU) gewarnt, und die Probleme mit der die Gemeinschaftswährung seit 2009 kämpft, schon vor der Einführung klar benannt haben. 1999 wurde der Euro eingeführt. Zehn Jahre galten seine Kritiker als widerlegt, bis zum Ausbruch der Eurokrise.

Es kann insofern auch noch einige Jahre dauern, bis Inflation Raum greift. Zunächst wird diese wohl aber weiterhin nur an den Finanzmärkten stattfinden. Insofern reagieren die Börsen nur logisch auf die immer neuen Notenbankmaßnahmen. Steht damit einer Jahresendrallye nichts mehr Wege?
Ich bin vorsichtig. Die zwei Korrekturen und anschließend fast ebenso schnellen Erholungsbewegungen sollten aus historischer Sicht vorsichtig stimmen. Die Stimmungsindikatoren sind zwar noch nicht wieder in überhitzten Regionen, aber einige ziehen schon wieder deutlich an.

NAAIM

Die positiven Nachrichten in Bezug auf die BoJ sind nun raus. Kommen die erhofften Staatsanleihekäufe der EZB nicht in den kommenden Monaten, könnte dies auch zu Enttäuschung führen. In den USA laufen die Anleihekäufe der Federal Reserve (FED), bekannt als Quantitative Easing 3 gerade aus. Nach dem Auslaufen der ersten beiden Programme ging es an den Börsen zunächst deutlich abwärts. Zwar wurde wahrscheinlich auch aufgrund dieser Erfahrung diesmal Stück für Stück herunter gefahren, doch eine Gefahr geht hiervon trotzdem aus.

Aktien bleiben natürlich alternativlos, doch ein solider neuer Anstieg schließt sich in der Regel an eine ausgedehnte gesunde Konsolidierung an.

  • Stefan Kusche

    Könnte das “Experiment Japan” nicht evtl auch eine Gefahr sein für den Rest des Westen da Japan ja eine Art Extremform der Problematik vieler andere Länder dastellt?

    Wenn Japan jetzt den ” Karren vor die Wand fährt”, könnte das doch auch für Signalwirkung und Verunsicherung bei anderen Ländern sorgen… Und vielleicht das ganze Projekt ” Entschuldung via Inflation” als Solches gefährden / in Frage stellen?!

  • Stefan Kusche

    Völlig nuchtern betrachtet mag das stimmen, ich könnte mir aber auch dieses Szenario vorstellen dass es eine Übertreibung gibt wir nochmal einen deutlichen Anstieg vom jetzigen Niveau aus sehen…

    Die Russlandkrise scheint mir hierbei das größte Risiko zu sein. Sollte Ru jetzt tatsächlich richtig in die Ukraine einmaschieren, könnten das eigentlich auch die Märkte nicht ignorieren, zumal dann auch der Westen reagieren müsste…

Rißes Blog TV

 

Live Erleben & Buchen

  • Zur Zeit keine Termine vorhanden
 
   
 

Kategorien

 
 

Archiv