Der vorausgesagte Crash

BörsenbärMoment, war da nicht was? Waren Aktien nicht alternativlos wegen des Tiefzinsumfeldes? Doch aktuell will die alternativlosen Aktien, die doch schon lange mehr Rendite bringen als 10-jährige Bundesanleihen, niemand mehr haben, zumindest nicht zu den Preisen, die noch vor drei Wochen bezahlt wurden. Was ist passiert? Hat das Ebola-Virus die Wirtschaftsaussichten so verändert, dass eine Neubewertung der Lage notwendig geworden ist? Oder ist es der Krieg des Islamischen Staates? Aus deutscher Sicht könnte man noch den schwachen Ifo-Geschäftsklimaindex und den schwachen ZEW-Index anführen. Doch der scharfe Einbruch, der den DAX auf das Niveau seines alten Rekordes von gut 8.000 Punkten befördert hat, ging von der Wall Street aus.

Auf der anderen Seite des großen Teiches läuft die Konjunktur aber eigentlich rund, einziger Belastungsfaktor ist das Zurückfahren der Anleihekäufe durch die US-Notenbank Federal Reserve (FED). Doch das war keine Überraschung, sondern schon seit viel Monaten bekannt und die Europäische Zentralbank (EZB) will sogar richtig Gas geben. Warum also diese starken Verluste?
Wie bemüht die Börsenkommentatoren auch nach vernünftigen fundamentalen Gründen suchen mögen, es gibt sie nicht. Die Belastungsfaktoren wie der Ukraine-Konflikt und seine wirtschaftlichen Folgen sind bereits seit langer Zeit bekannt. Und Ebola lässt sich nicht allen Ernstes als Grund konstruieren.

DOW

Deutsche Börsenbriefepositiv

Wie so oft liegt die Begründung in der Positionierung der Anleger. Diese dürfte sich im Verlauf des Jahres dergestalt verschoben haben, dass die Aktien zunehmend von starken in schwache Hände gewandert sind. Es ist kein Geheimnis, dass viele Anleger die Aufwärtsbewegung verpasst haben, warum sie auch als die meist gehasste Hausse aller Zeiten bezeichnet wurde. Irgendwann müssen aber vor allem institutionelle Anleger mittanzen, wenn sie ihre Kunden nicht verlieren wollen. Und so dürften mehr und mehr Bären das Handtuch geworfen haben. In der ersten Korrekturwelle im August sind dann sicher viele der neu eingestiegenen Anleger wieder an die Seitenlinie gesprungen, um nicht am Ende der letzte Dummkopf gewesen zu sein, der am Hochpunkt gekauft hat. Als sich die Aktien dann aber ebenso schnell wieder erholten und die Leitbörse Wall Street immer neue Rekorde erreichte, da haben anscheinend die letzten Skeptiker die Nerven verloren und sind eingestiegen. Bloß nicht noch einmal die nächste Rekordfahrt verpassen. Die wirtschaftliche Eintrübung war zwar nicht zu übersehen, aber die Kurse nahmen davon ja keine Notiz. Ein klares Indiz dafür, dass sie von den Notenbanken getrieben werden. Fertig war die Erklärung, die zum Einstieg riet. Verkäufer waren die starken Hände, die durchaus die fundamentale Veränderung wahrgenommen haben und im Gegensatz zur großen Mehrheit sich nicht von unlogisch erscheinenden Kursverläufen den Blick vernebeln lassen.

Eine Abwärtsbewegung war daher wahrscheinlich und hier auch richtig prognostiziert. Denn je später die meisten Anleger eingestiegen sind, desto früher erreichen sie ihr Verlustlevel und greifen ihre Stopp-Loss-Aufträge. Dies dürfte zu den teilweise panikartigen Verkäufen und dem rasanten Kurssturz geführt haben, den ich so auch nicht erwartet habe. So viel war über einen nächsten Crash diskutiert worden in den letzten Monaten. Sowas lässt Anleger eigentlich vorsichtig agieren. Offenbar aber nicht so vorsichtig wie gedacht.

Mit einem Einbruch wie 2011 rechne ich aber nicht, sondern halte das aktuelle Niveau interessant für einen Einstieg. Denn eines bleibt richtig. Aktien sind alternativlos.

  • Guest

    Als Long-Only Akteur würde ich in der aktuellen Börsenphase 2014/16 den Cash-Anteil des Fonds wesentlich erhöhen.

  • Hannes

    Was halten sie vom Shiller KGV, Herr Riße? Der besagt, dass der amerikanische Aktienmarkt (und somit der Leitindex der Welt, meiner Meinung, also der S&P500) mal wieder mit über 120% des BIP überbewertet ist. Was in den letzten 120 Jahren zu strengeren Korrekturen geführt hat, wenn dieser Punkt erreicht wurde.
    Somit bin ich nicht wirklich ihrer Meinung, dass der “Crash”, der für mich keiner ist – bezogen auf die letzten Wochen – schon vorbei ist. Außerdem, ein Verlust von 1500 Punkten im Leitindex ist nicht wirklich ein Crash. Das ist eine Korrektur. Ich würde von einem Crash sprechen, wenn der DAX 30% bis 60% verlieren würde. Und, auch wenn der europäische Markt nicht so stark überbewertet ist wie der amerikanische, so gibt uns dennoch der amerikanische den Ton an. Wie es schon immer war…

    • Guest

      Ich würde in der Börsenphase 2014-2016 für Long-Only-Akteure den Cash-Anteil des Fonds wesentlich erhöhen.

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