Ökonomie Doping

FedDie Tour de France 2013 ist seit anderthalb Wochen vorbei. Ein Ereignis, das ich seit vielen Jahren aufmerksam verfolge, betreibe ich doch selbst Radrennsport. Neben dem Sport ging es auch diesmal wieder um das Thema Doping. Kann man die drei Wochen überhaupt durchhalten, ohne zu dopen, fragen viele Kritiker. Die Antwort lautet „Ja“, nur eben nicht ganz so schnell. Doch solange sich einer den Vorteil der verbotenen Medikamenteneinnahme verschafft, tun es die anderen auch, um konkurrieren zu können.

In der Ökonomie gibt es durchaus Parallelen zum Doping, aber auch Unterschiede. Das billige Notenbankgeld, egal, ob in den USA, Großbritannien, Japan oder letztlich auch der Eurozone ist Doping für die Wirtschaft. Eine gesunde Volkswirtschaft müsste bei der aktuellen Teuerung ein Leitzins von drei bis vier Prozent haben, wie es in den 90er und auch noch 2000er Jahren meistens der Fall war. Aktuell liegen die Leitzinsen jedoch bei Null bis 0,5 Prozent. Zusätzlich pumpen die Notenbanken über den Ankauf von Anleihen Milliarden in die Wirtschaft.

FED Bilanzsumme.png

BOJ Bilanzsumme

Die spannende Frage ist nun, was passieren würde, würden diese Aufkäufe eingestellt. Würde die Wirtschaft dann analog zu den Radhelden einfach nur langsamer wachsen? Vermutlich nicht! Es ist eher davon auszugehen, dass sie dann gar nicht mehr vom Fleck käme, oder schrumpfen würde. Noch extremer ist die Angelegenheit bei den Leitzinsen. Würden diese auf nur drei Prozent steigen, ist davon auszugehen, dass viele Banken insolvent würden. Die Kredite, die sie insbesondere auch in Form des gehebelten Kaufs von Staatsanleihen vergeben haben, müssten sie plötzlich zu Konditionen refinanzieren, die über den vereinnahmten Zinsen liegen. Das hält keine Bank lange aus. Es ist daher davon auszugehen, dass die Zinsen noch sehr lange tief bleiben werden, selbst wenn die Inflationsraten anziehen. Und auch der Aufkauf von Anleihen, dürfte wohl weitergehen. Einen Großteil der sich erholenden US-Wirtschaft ist auf den Immobilienmarkt zurückzuführen. Hier haben die extrem günstigen Hypothekenzinsen über den Weg der Umschuldung vielen Käufern Luft verschafft weil ihre Kreditraten sanken. Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) wird daher längst nicht so schnell, wie einige vor kurzem glaubten, aus den Anleihekäufen aussteigen, um einen weiteren Anstieg Hypothekensätze zu vermeiden. Und wenn die Notenbank, die den Leitzins steuert, diese Politik fährt, dann müssen die anderen Notenbanken auch mitziehen, um ihre Währung nicht gegenüber dem US-Dollar steigen zu lassen, damit die heimische Wirtschaft konkurrenzfähig bleibt. Auch hier gibt es die Analogie zum Sport.
Für Aktieninvestoren bleibt die Notenbankpolitik damit weiterhin ein extrem wichtiger Faktor, mittelfristig der wohl wichtigste. Schaut man sich die Aktienperformance in diesem Jahr an, dann sind die Börsen, am besten gelaufen, wo am aggressivsten gedopt wird – Japan und die USA. Für Japan ist dies noch einfacher nachvollziehbar, da mit der Abwertung der Landeswährung Yen ein deutlicher Anstieg der Unternehmensgewinne einhergehen wird. Auf der anderen Seite ist völlig unklar, wie das aktuelle Wirtschaftsexperiment ausgeht, das auf Rekordverschuldung von 240 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt weitere Schulden draufsattelt. An der Wall Street hingegen sind die Aktien bereits relativ teuer und das Gewinnwachstum absehbar gering. Dennoch darf es nicht verwundern, wenn diese Märkte weiterhin besser laufen, obwohl fundamental andere viele günstiger sind. Das Ökodoping gibt den Ausschlag.

  • Gast

    Hallo Herr Riße,
    ich verstehe Ihre Kritik an Japan nicht so ganz. Japan hat 20 Jahre bei fast Null Prozent Zinsen Deflation gehabt und die Staatsschulden sind in der Zeit massiv angestiegen. Die Entwicklung ist doch eine Katastrophe, oder?
    Wenn man jetzt endlich die Wirtschaft durch eine schwächere Währung und geringen Zinsen am langen Ende fördern will ist das doch verständlich, oder nicht?
    Ich sehe eher die Weigerung von aufstrebenden Staaten, eine Währungsaufwertung zuzulassen als Problem, so etwas soll es ja geben…

    • Stefan Riße

      Nein, Sie haben wahrscheinlich recht, da wo japan jetzt steht, geht wohl nichts anderes mehr, gefährlich bleibt es trotzdem, denn das Vertrauen könnte völlig aus dem Yen schwinden.

      • Gast

        sicher ist die Situation schwer einzuschätzen, aber der größere Fehler waren m.E. die 20 Jahre davor und dem Yen hat selbst diese Entwicklung nicht geschadet.
        Wenn die Wirtschaftsleistung des Landes gestärkt wird, sollte das die Währung auch stützen.
        Kauft Japan eigentlich aktuell noch US Staatsanleihen? Wenn die USA die Staatsanleihen zurückzahlen, müsste das doch den Yen auch stützen?
        China kauft wohl aktuell auch keine US Papiere mehr?

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