Doch keine Verpuffung?

Die Börse macht immer das, womit niemand rechnet. Aus den Erholungsansätzen der vergangen Wochen hatten wir immer wieder lernen müssen, dass Nachrichten, die eine gewisse Entspannung in der Eurokrise signalisieren, wie beispielsweise das Wahlergebnis in Griechenland, wieder verpufft sind. Genauso wurde hiermit auch nach den Gipfelbeschlüssen vom Donnerstag gerechnet. Und tatsächlich gestern Morgen gab der DAX dann erwartungsgemäß nach, um sich dann als harte Bärenfalle zu erweisen. Heute wiederholte sich dieses Bild. Interessant ist dabei zu beobachten, dsss sich die Kursgewinne völlig ohne Euro-Erholung vollziehen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass der Markt nun – mal wieder gegen alle Erwartungen und trotz großem Aufwärts-Gap am Freitag – weiter nach oben zieht. Passiert dies, dürften viele Fondsmanager in Bedrängnis geraten, denn die meisten dürften, wie auch der letzte Fundsmanager Survey der Bank of America Merrill Lynch vermuten lässt, unterinvestiert sein.
Was hingegen nicht für einen direkten Durchzug nach oben spricht, sind die Sentimentindikatoren. Denn diese haben sich wieder deutlich verbessert, ablesbar in der kurzfristigen Stimmung von Sentix, genauso wie im Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI), der nun für Standardwerte bereits wieder 47 Prozent und für Technologiewerte 41,2 Prozent Optimisten aufweist. Etwas länger anhaltender Pessimismus wäre schöner. Auf der anderen Seite waren dies auch annähernd die Werte Anfang Januar – auch bei Sentix – bevor dann die richtige Rallye erst begann. Auch im Gold hat sich die Stimmung verbessert. Nach minus 15,4 Prozent, sind es jetzt nur noch minus 8,5 Prozent. Damit überwiegt aber nach wie vor die Skepsis, was im fürs Gold im eher günstigen zweiten Halbjahr positiv zu bewerten ist.

  • Stefan Riße

    Ich bleibe dabei, dass das eine Spekulation wert ist. Man muss nur Geduld haben. Es könnte allerdings auch sein, dass zuvor Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden.

  • Jan S.

    Hallo Herr Riße,

    Sie haben ja bereits vor längerer Zeit  das Thema  CHF angesprochen. Derzeit wird hierüber ja kaum diskutiert, daher  würde mich Ihre aktuelle Meinung interessieren. Wie lange hälst die SNB noch durch. Viele andere Währungen  wie z. B. der AUD werten inzwischen zum Euro wieder ordentlich auf. Ist dies nicht eine Spekulation wert.

    beste Grüsse
    Jan S.

  • R. Schreiber

    Ich vermute ebenfalls, dass man sich weiter “durchwursteln” wird. Bis vor der Griechenland-Wahl habe ich noch stark mit einem Austritt des Landes aus dem Euro-Raum gerechnet. Die Wahrscheinlichkeit dafür sinkt nun meiner Meinung nach. Ich glaube auch nicht mehr an einen Zusammenbruch des Euros insgesamt. Deutschland haftet bereits viel zu hoch für die Südländer. Wenn diese ausfallen sollten, stände Deutschlands ebenfalls mit dem Rücken zur Wand. Es gibt kein zurück mehr für Deutschland.

  • Herbert

    Hallo Herr Riße,

    das Thema Banken beschäftigt auch die USA. Dazu gibt es einen interessanten Artikel der Financial Times Deutschland.

    Auszüge daraus:

    “Die US-Behörden verlangen deshalb von insgesamt 125 Kreditinstituten Pläne für eine geordnete Abwicklung. Die neun Großbanken mussten wegen ihrer herausragenden Bedeutung für das Finanzsystem zuerst liefern, die restlichen Testamente müssen spätestens Ende 2013 eingereicht werden.”

    “Die Deutsche Bank beispielsweise verweist in ihrem Bericht darauf, dass die deutsche Finanzaufsicht Bafin bei einer Schieflage ihre Zerschlagung anordnen könne. Nach dem Anfang 2011 in Kraft getretenen Bankenrestrukturierungsgesetz kann die Aufsicht die systemrelevanten Teile der Bank ausgliedern und auf einen privaten Erwerber oder eine staatliche Brückenbank übertragen und den Rest abwickeln.”

    Wäre es nicht sinnvol diese Variante zu einer europäischen zu machen?

    Quelle: FTD
               http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:us-finanzmarktreform-neun-grossbanken-machen-ihr-testament/70058666.html

  • Herbert

    Hallo Herr Riße,

    im letzten Herbst kam der Interbankenhandel fast zum Erliegen. Ein zweifacher EZB Tender sollte die Bankbilanzen nicht einbrechen lassen, aber das Geld floss weiter zu den starken Banken/Staaten und landete weitgehend wieder bei der EZB. Die Geldflucht aus dem Süden konnte nicht gestoppt werden. Die Süd-Staaten können ihre Banken nicht retten, da sie am Kapitalmarkt viel zu hohe Zinsen zahlen müssen. Nun versucht man die Rettung über den ESM mit Steuergeldern ohne am Gewinn beteiligt zu sein, wenn die Gesundung der Banken wieder eintritt.
    Hinsichtlich einer funktionierenden Bankenwirtschaft in Euroland gibt es aber zumindest Hoffnung.
    Jedenfalls sieht es so aus, als ob die Währungsunion fortgeführt werden soll mittels Fiskalpakt und engerer Verflechtung der Eurostaaten.
    Das scheint mir auch den Aufschwung am Markt zu verursachen.
    Ihre Prognose zu Beginn des Jahres “man wird sich so durchwursteln” scheint zu passen.
    Den Hinweis von Herrn Schäuble, dass wir an die Grenzen des Grundgesetzes kommen, sollte man aber auch beachten. Da kann ganz schnell Schicht im Schacht sein.
    Größe und Verfassungsmäßigkeit des ESM können zu neuen Fragezeichen führen.

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