Nervenprobe für Goldfans

Vor gut einer Woche lautete der Titel meines Stimmungsbarometers in Focus Money (Focus Money 34 11): „Gold überhitzt?“ Diese Frage ist in den vergangenen drei Tagen beantwortet worden. Mit einem Kurssturz von 100 Dollar oder mehr als fünf Prozent erlebte der Goldpreis einen seiner größten Tagesverluste in dem nun schon seit rund 11 Jahren anhaltenden Bullenmarkt. Innerhalb von drei Tagen verlor er mehr als zehn Prozent. Der Korrekturbedarf drängte sich dem erfahrenen Beobachter geradezu auf. Die Titelseiten der Finanzmagazine mit dem Thema Gold waren geradezu inflationär und auch die Bildzeitung widmete sich dem Thema ausführlich. Bekanntlich ein sehr wichtiger Kontraindikator. Auch die quantitativen Stimmungsindikatoren zeigten mit über 80 Prozent Optimisten bedenkliche Werte.


Quelle: Finanzwoche

Wie wird es nun weiter gehen mit dem Feinunzen-Preis. War das die Wende? Haben wir die letzte Euphorie eines Bullenmarktes gesehen und geht es nun fortan in Wellenbewegungen bergab? Oder ist es nur die gesunde Korrektur in einem ansonsten intakten Aufwärtstrend?
Diese Frage ist für mich schnell beantwortet und ich habe auch vor zwei Wochen darauf verwiesen, dass mein langfristiger Optimismus ungebrochen ist. Die Verschuldungsprobleme in Europa wie auch in den USA sind nach wie vor völlig ungelöst. Und die einzige Lösung, die es noch gibt, will man Staatspleiten und eine langjährige Rezession und Deflation verhindern, ist die Inflation. Es ist das, worauf die US-Notenbank unter ihrem Chef Ben Bernanke auch systematisch hinarbeitet, egal ob er heute in Jackson Hole QE 3 ankündigt oder nicht. Und auch in Europa hat man mit den jüngsten Staatsanleihekäufen gezeigt, in welche Richtung die Reise letztlich gehen wird. Gold wird dann noch viel stärker nachgefragt werden, wenn die Anleger weltweit plötzlich spüren, wie die reale Kaufkraft ihrer Ersparnisse dahinschmilzt. Und hier sollte man sich nicht täuschen. Prozentual ist die Goldanlage in den Anlegerdepots noch völlig unterrepräsentiert.

Also nur eine Korrektur im Aufwärtstrend! Aber wie weit wird diese gehen? 15, 25 oder vielleicht sogar 33 Prozent? Was für eine ausgedehntere Korrektur spricht, ist die Heftigkeit des Absturzes, denn in der Regel schlossen sich weitere Kursverluste an, wenn in den vergangenen Jahren Korrekturen durch sehr starke Tagesverluste eingeleitet wurden. Man muss sich immer wieder verdeutlichen, dass es immer wieder scharfe Korrekturen in den vergangenen elf Jahren gab. Die erste bereits im Februar 2003. Die nächste große fand im Mai 2006 statt. Es war der erste Rücksetzer in der globalen Rohstoffhausse. In der Spitze büßte der Preis von 730 auf 544 US-Dollar oder umgerechnet 25 Prozent ein. Die nächste Korrektur folgte im März 2008, die mit Verlusten von 34 Prozent inmitten des Lehman-Crashs erst ihr Ende fand. Dann folgte eine im Dezember 2009 beginnende Abwärtsbewegung, die bis in den Februar 2011 zu Verlusten von 15 Prozent führte.
Fazit: Anleger, vor allem solche, die jetzt erst ins Gold eingestiegen sind, sollten sich von zwischenzeitlichen Kursverlusten nicht nervös machen lassen. Sie gehören dazu! Gegen Kursverluste in einer Größenordnung von mehr als zwanzig Prozent spricht die Jahreszeit. Denn abgesehen vom Ausnahmejahr 2008 inmitten des Lehman-Crashs fanden die großen Korrekturen immer in der ersten Jahreshälfte statt. Es ist insofern auch vorstellbar, dass der Goldpreis die Anleger auf eine Nervenprobe stellt und nun eine monatelange Konsolidierungsphase beginnt, deren Tiefstkurse erst im Frühjahr 2012 erreicht werden.
Dafür sprechen auch die mageren Konjunkturaussichten. Denn die zuletzt stark gefallenen Preise für Industrierohstoffe werden die Inflationsraten vorübergehend wieder fallen und damit dieses Argument für die Goldanlage weniger stark aussehen lassen.
Letztlich muss man in den kommenden Wochen die Stimmungsindikatoren genau beobachten. Zeigt sich hier Pessimismus und Aufgabestimmung, dürfte die Korrektur beendet sein. Für die in Gold unterinvestierten Anleger bieten sich dann interessante Einstiegsmöglichkeiten.

  • O. Mayer

    Hallo Herr Riße
    Ich lese derzeit die Producktionszahlen der großen Goldproduzenten.
    Heute Newmont. Die haben durchwegs fallende Producktion.
    Zwar nur um 2-4% aber immerhin.
    Ich bin der Meinung wir werden einen Preis von vieleicht 1750 Dollar zum Neueinstieg ins Auge fassen müssen.
    Bin derzeit nicht mit Hebel investiert.
    Gruß Otmar!

  • stefan kusche

    Hallo herr risse,

    Mein kommentar wurde -soweit ich weiss – als einzigster nicht beantwortet. Seien Sie doch so nett und schreiben sie was dazu – und wenn es nur ein satz ist…

    Mit lieben gruessen
    stefan (23) 🙂

    • Stefan Riße

      Das tut mir leid. er ist mir durchgerutscht. Hier für die Leser nochmals ihr Kommentar:

      “Ich befuerchte, da ich stark unterinvestiert bin, eher dass der goldpreis nicht nachhaltig korrigieren wird zumindest nichht in naechster zeit. Ich halte fuer die naechsten monate sogar mittlerweile eine zuspitzung des trends – aehnlich dem zenario vom letzten jahr – fuer wahrscheinlich. Damals gab es im zuge der eurokrise auch eine dynamische aufwaertsbewegung mit teilweise kritischen sentimentindikatoren die mich dazu veranlasst haben, meine goldbestaende zu veraeuasern. Doch der wahre “Turbo” wurde erst gezuendet, als die notenbank einen neuen, großangelegten aufkauf von staatsanleihen ankuendigten. Aehnlich koennte es diesmal auch laufen…”

      Ganz sicher nicht auszuschließen, deshalb rate ich auch nicht raus zu gehen, sondern nur die Hebel zu reduziern. Wer keinen Hebel hat, der sollte ohnehin nichts veräußern. Da ich nicht weiß, wie stark sie investiert sind, kann ich es nicht beurteilen. Der aktuelle Kursverlauf lässt nach allen Erfahrungen aber nach wie vor die wahrscheinlichkeit für einen stärkeren einbruch als hoch erscheinen. Das einzige, was dagegen spricht,, ist der Beginn der Goldsaison in Indien (Hochzeitszeit). Am Ende müssen ASie entscheiden, ab welcher Größenordnung ihnen ein Kursrutsch in Richtung 1.600 Dollar Kopfzerbrechen bereiten würde.

  • Gilbert Hütter

    glauben Sie das Gold innerhalb der nächsten 3 Wochen einen Rücksetzer erleidet?!….so wie ich das sehe würde der Aktienmarkt (großer Rücksetzer in den letzten Wochen und daher günstige Einstiegsmöglichkeiten) dafür sprechen…..aber die sehr negativen Aussichten in Europa und den USA plus der Beginn der Goldsaison in Indien und China….ja wieder für Gold und Silber….was denken Sie?!

    sonnige Grüsse

    • Stefan Riße

      Das ist eben genau das schwierige. Ansich spricht viele für einen Rückschlag, die Saison aber nicht. Das war der einzige Punkt in meiner Prognose, der nicht mit den anderen Einbrüchen übereingestimmt hat und bisher wohl auch zum tragen kommt. doch im Lehman-Crash, als der Dollar splötzlich so stark wurde, stürzte Gold irgendwann fürchterlich ab. Mit der Euro-Schwäche, die ich zugegeben, nicht erwartet habe, kann hier natürlich noch Druck kommen.

  • Anke

    Hallo, Herr Riße, tja,, meine Mail vom 02.09.2011 mit doch etwas Kritik bzw. In-Frage-Stellung Ihrer Einschätzung zur Goldpreisentwicklung, die sich heute noch weiter bestätigt hat, haben Sie lieber nicht veröffentlicht. Es würde allerdings von mehr Haltung zeugen, zu zugestehen, dass man da auch mal reichlich falsch lag und absolut keine hilfreichen Empfehlungen gegeben hat, als nur “nette” Mails zu veröffentlichen. Das ist enttäuschend und das werde ich so auch weiter geben.

    • Stefan Riße

      Liebe Frau Anke …., das stimmt nicht, wie ich aber gerade sehe, haben Sie auf einen Kurzkommentar gepostet. Diese sind aber nicht mehr einsehbar, sobald sie im Archiv verschwinden. Das ist ein Fehler, den ich dringend beheben muss. Ich gebe daher jetzt hier nochmals Ihren kritischen Kommentar wieder, womit ich überhaupt kein Problem habe, sowie meine Antwort dazu. Ich hoffe Sie haben sich von meinem Blog nicht abgewendet und lesen das jetzt noch. Geben Sie mir doch vielleicht kurz ein Lebenszeichen zur Bestätigung.
      “Hallo, Herr Riße,
      nachdem Sie mich nun zitiert haben, heute noch einen kurzen Nachtrag: Es sieht doch so aus, als würde es immer schwieriger werden mit dem Warten auf den “größeren Rücksetzer” bei Gold. Im Gegenteil, so sind dann allein nur heute weitere 60 Dollar “verpaßt”! Ärgerlich ? Natürlich ! Moneynmanagement ist in der Tat unbedingt richtig und wichtig. Die böse Erfahrung, da lax zu sein, habe ich auch schon gemacht. Aber weil derzeit die finanzpolitische Lage sich nicht entspannt, wäre es in der Tat ärgerlich, nicht zu investieren .
      Also lieber ein etwas tieferes Stop setzen (für alle Fälle) … und laufen lassen, meinen Sie nicht doch ? Ich jedenfalls streichel mein von einigen tot geglaubtes Goldkätzchen , damit es weiter schnurrt und hüpft.”
      “Sie liegen derzeit auf jeden Fall “goldrichtig” und besser als ich. Doch möchte ich darauf hinweisen, dass sich ja nicht zu einem völligen Auflösen der Long-Positionen geraten habe, sondern nur zu einem Reduzieren der Hebel. Wer ungehebelt handelt, der sollte ohnehin drin bleiben. Dennoch, meine Einschätzung ist bisher falsch. Das gebe ich offen zu.”

  • Gilbert Hütter

    ..danke für die Antwort..wir sind einer Meinung..!

    ..was halten Sie von Silber ich habe mir nun im Internet viele verschiedene Berichte angesehn…..wo sovieles darauf hindeutet, dass auch der Silberpreis noch sehr unterbewertet ist!?….was meinen Sie noch kaufen oder eher nicht mehr?!…bzw…eher “nur” im Gold bleiben!…sehr viele gehen davon aus..das der Silberpreis in den nächsten 24 Monaten noch mind. auf ca. 100 USD steigt!…was ist Ihre Meinung dazu!?

    freundliche Grüsse

    • Stefan Riße

      Kursziele zu nennen ist immer sehr schwer. Ich bevorzuge Gold wegen seiner geringen Abhängigkeit von industrieller Nachfrage. Das macht es weniger konjunkturabhängig als alle anderen Rohstoffe. Aber Silber war immer volatiler und kann auch stärker steigen, wie wir schon gesehen haben, jedoch auch sehr stark einbrechen. Ich rate daher nicht ab, bleibe aber selbst im Gold, momentan aber mit gewisser Vorsicht.

      • Gilbert Hütter

        weshalb mit gewisser Vorsicht!?

        lg

        • Stefan Riße

          Weil in dieser Situation schon gewisse Rückschläge drohen, die auch schnell mal 20 Prozent erreichen können. Wenn dann der Hebel zu hoch ist, wird es schwierig.

  • gilbert hütter

    hallo herr risse!

    ….anscheinend gibt es kein halten für den Goldanstieg!?….unglaublich….es kommen immer neue negative Nachrichten die den Goldpreis weiter ansteigen lassen nun eben aktuell aus den USA…! (höhere Arbeitslosenrate)….was meinen Sie?!…gibt es überhaupt noch Rückschläge mit mehr als 100 USD,..ich glaubs fast nicht….denn die Goldsaison..beginnt nun ja auch!

    • Stefan Riße

      Ich bekomme da auch so langsam meine Zweifel. Wie heraus gearbeitet mahnen so schnelle starke Rücksetzer ansich zur Vorsicht, alllerdings sprechen die saisonalen Kräfte für Gold. ich würde trotzdem devensiv engagiert bleiben und mit höheren Hebeln erst wieder zur Sache schreiten, wenn es eine ausgeprägtere Korrektur mit Stimmungseintrübung gegeben hat.

  • stefan kusche

    Ich befuerchte, da ich stark unterinv
    estiert bin, eher dass der goldpreis nicht nachhaltig korrigieren wird zumindest nichht in naechster zeit. Ich halte fuer die naechsten monate sogar mittlerweile eine zuspitzung des trends – aehnlich dem zenario vom letzten jahr – fuer wahrscheinlich. Damals gab es im zuge der eurokrise auch eine dynamische aufwaertsbewegung mit teilweise kritischen sentimentindikatoren die mich dazu veranlasst haben, meine goldbestaende zu veraeuasern. Doch der wahre “Turbo” wurde erst gezuendet, als die notenbank einen neuen, großangelegten aufkauf von staatsanleihen ankuendigten. Aehnlich koennte es diesmal auch laufen…

  • Anke

    Hallo, Herr Riße,
    Ihre Einschätzung, dass der Goldpreis nur kurzzeitig noch mal wieder über 1.800 Dollar ansteigt und dann auf 1.650 runter fällt und Ihre entsprechende Empfehlung für den Fragexsteller, dass er am besten bei 1.650 Dollar kaufen soll, ist ein wenig schwierig, wenn es sich doch nicht um einen “dead cat bounce” handelt. Für eine tote Katze hüpft der Goldpreis doch noch recht lebendig ? Könnte doch sein, dass man dann ggf. vergeblich darauf warten muss mit der Kaufgelegenheit bei 1.650 Dollar und dem fahrenden Zug nur hinterhersieht ???

    • Stefan Riße

      Ich würde deshalb auch niemals alle Bestände verkaufen, sondern allenfalls Teile bzw.den Hebel reduzieren. Geldanlage ist immer eine Chance/Risiko-Abwegung. Und selbst wenn der Preis die 1.650 nicht mehr sieht, dann würde ich erst im nächsten größeren Rückschlag nachkaufen. Das dass dann womöglich teurer ist, als heute, mag zunächst ärgerlich erscheinen, seriöses Money Management funktioniert jedoch so. Die Schlacht ist meines Erachtens noch nicht entschieden. Die Aktienmärkte könnte vor einer etwas größeren Erholung stehen. Schon in den vergangenen Jahren war der August schwach und der statitisch eigentlich schelchteste Börsenmonat September gut. Das könnte ein weiteren Sell Off im Gold auslösen. Ich räume dem eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent ein.

  • Crura

    Überall liest/ sieht/ hört man in den Medien über Gold.
    Immer wieder höhere Kursziele werden gegeben.
    Die Goldhausse läuft jetzt 10 Jahre mit zuletzt steilem Anstieg.
    Solche Muster kennen wir doch aus der Vergangenheit.
    Was anschließend kam, wissen wir.
    Ich kann mir daher vorstellen, daß Gold auch mal für einen längeren Zeitraum ( damit meine ich nicht 2 Monate, sondern eher 2-3 Jahre) korrigiert.

  • Gilbert Hütter

    Guten Tag Herr Risse!

    Was glauben Sie,..wann ist der richtige Zeitpunkt bzw. ab welchem Wert sollte man Gold nachkaufen!?…denn normalerweise beginnt die Gold Saison ja erst im Sept,..!

    lg
    gilbert hütter

    • Stefan Riße

      Ich würde bei 1.650 nachkaufen, dann ist das weitere Abwärtsrisiko begrenzter, weil wie Sie sagen, dann die Saison beginnt.

  • Anke

    Auf Grund der vorherrschenden extremen politischen und finanziellen Unsicherheit weltweit – warum sollte es so eine Abwärtsbewegung bei Gold geben? Nur weil es mal einen Tag um 100 Dollar runter ging ? Den nächsten Tag , so von gestern auf heute, sind vom Tiefstpunkt bis jetzt schon wieder 110 Dollar zugelegt worden. Ich denke, so unklar wie die finanzpolitische Situatiobn ist , genauso volatil reagiert der Goldpreis aktuell, was jedoch nichts daran ändert, dass er, mangels besserer Alternativen, weiter steigen wird. … Und die Bildzeitung sollte man wirklich nicht lesen.

    • Stefan Riße

      Die Erholung am Freitag war enorm und stärker, als ich erwartet hätte. Sie mögen recht behalten. Ich kann nur wiedergeben, was mir die Erfahrung sagt. Aber in der Sache selbst, sind wir ja ohnehin einer Meinung. Gold wird langfristig weiter zulegen.

  • Bernd Hafner

    Wenig bekannten Meldungen zufolge soll Gaddafi versucht haben,größere Goldmengen zu verkaufen,um liquide zu sein.
    Er soll über Gold im Wert von Milliarden Dollars verfügen.
    http://hartgeld.com/filesadmin/pdf/Art_2011-192_Gaddafi-Gold.pdf

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