Der Showdown hat begonnen!

Was passiert, wenn die Inflation wieder anzieht, die Wirtschaft in vielen Ländern sich aber noch nicht nachhaltig erholt hat, die Arbeitslosigkeit noch hoch ist, und Staaten, Verbraucher, Banken sowie Unternehmen zu großen Teilen noch auf hohen Schuldenbergen sitzen? Diese Frage beginnen sich nun erstmals auch andere zu stellen, nachdem die Inflationsraten in Europa sehr plötzlich auf 2,2 Prozent gesprungen sind. Ich habe diesen Moment in meinem Buch “Die Inflation kommt” als den Showdown unserer Wirtschaftsepoche bezeichnet. Denn die Notenbanken sitzen jetzt in der Zinsfalle, weil viele Staaten ihre riesigen Defizite nur bei niedrigen Zinsen überhaupt noch werden finanzieren können. Das gleiche gilt für viele Verbraucher. Die Immobilienpreise in den Ländern, die vor der Finanzkrise vor allem vom Immobilienboom lebten, haben sich gerade einmal stabilisiert. Was würde wohl passieren, wenn die Zinsen nun deutlich angehoben würden? Eine nächste Abwärtsspirale mit einer weiteren Welle von Zwangsversteigerungen und Milliardenabschreibungen bei den Banken wären die Folge. Was dies für die Konjunktur bedeuten würden, wissen wir spätestens seit der Finanzkrise.
Die Notenbanken werden eine aufkommende Inflation deshalb tolerieren müssen, was steigende Löhne zum Ausgleich dieser nach sich ziehen und sie gleichzeitig verstärken wird.
Diejenigen, die bisher Deflation als die große Gefahr gesehen haben, dürften nun langsam begreifen, dass Überkapazitäten in der Industrie wenig gegen Inflation nützen, wenn diese durch steigende Rohstoffpreise bedingt ist. Auch die geplanten Yuan-Aufwertung mag zwar die Wettbewerbssituation des Dollar- und Euroraums gegenüber China verbessern, sie bedeutet aber steigende Importpreise für all die schönen Waren, die mittlerweile in China gefertigt werden.

Gold zündet die nächste Stufe

Der bisherige Anstieg des Goldpreises basierte allein auf Inflationsängsten. Findet die Inflation zukünftig nicht nur in den Köpfen, sondern auch zunehmend in den veröffenlichten Statistiken statt, sollte sich die Flucht in inflationsgeschütze Anlagen noch verstärken. Für Gold beginnt dann die nächste Stufe der Auwärtsbewegung. Die langfristigen Aussichten für das Edelmetall bleiben damit exellent.
Kurzfristig gilt es zu beachten, dass die Goldsaison, auf die ich rechtzeitig hinwies, vorbei ist. Die indische Hochzeitssaison ist vorbei, womit für Gold die schwierigere Phase anbricht, was die heutigen Verluste nochmals unterstreichen. Allein historisch bedingt ist das Chance-Risiko-Verhältnis daher schlechter als noch im September. Dennoch gibt es natürlich auch hier keine Garantie für einen nun anstehenden Einbruch. In den Jahren 2006 und 2008 stieg der Goldpreis noch bis in den Mai beziehungsweise März rasant an. Die Rallye erreichte sogar eine Dynamik, wie selten zuvor. Erst dann folgten massive Einbrüche. Natürlich ist das auch in diesem Jahr möglich und ich würde die Wahrscheinlichkeit als höher erachten als in den meisten anderen Jahren. Das liegt zum einen an der Stimmung. Diese ist zwar optimitisch, jedoch keineswegs so euphorisch wie in manch anderen Jahren. Das lässt sich zum einen am Put/Call-Ratio fest machen, aber auch am Hulbert Gold Newsletter Sentiment-Index. Dieser legt mit einem Stand von 33,6 Prozent den Schluss nah, dass die kurzfristig agierenden Goldspekulanten zu zwei Dritteln auf Barmitteln sitzen. Im September waren es nur 40 Prozent. Die Situation ist insofern mit dem Aktienmarkt vergleichbar. Die eine Anlegergruppe ist optimistisch und die andere begründet mit genau diesem Optimismus ihre Skepsis. Die Entwicklung der kommenden Woche, wird zeigen, wie gewichtig der Einfluss der nach Stimmungsindikatoren handelnen Anleger bereits ist. Ziehen die Preise wieder in Richtung neuer Rekordstände an, deutet vieles daraufhin, dass dieser Ansatz immer populärer ist, denn dann müssten die vermeintlichen Antizykliker dem fahrenden Zug hinterher laufen. Die Stimmungsindikatoren würden dadurch in Zukunft an Aussagekraft verlieren und gefragt wäre einmal mehr die Erfahrung, die das „Bauchgefühl“ speißt, um einzuschätzen welche Aussagekraft der eine oder andere Indikator in der jeweiligen Gemengelage hat.
Die Börse ist in gewisser Weise eben ein mühseliges Geschäft. Ein System, auf das man sich fortwährend verlassen kann, wird es nie geben. Der Börsianer muss flexibel sein und sich immer wieder den neuen Gegebenheiten anpassen.

  • R. Schreiber

    Kleiner Tipp für Anleger, die langfristig in physisches Metall investieren wollen:

    In der Vergangenheit waren die Gold- und Silbermünzen der Bundesrepublik Deutschland eine günstige Möglichkeit auf die Wertentwicklung der Metalle zu setzen. Der Prägeaufschlag auf den Goldwert (25€ bei den 100 Euro Goldmünzen) ist nicht größer als der 1/2 Spread zwischen An- und Verkauf bei Krügerrand oder Wiener Philharmoniker.
    Wenn man jedes Jahr die aktuelle Auflage kauft, läuft man auch nicht Gefahr die gesamte Investitionssumme zum falschen Zeitpunkt zu investieren, da sich die Einstiegskurse über die Jahre hin mitteln. Ich will sagen: Wer zu seinem Fonds-/ETF-Sparplan auch einen kleinen Teil regelmässig in physisches Edelmetall sparen will, könnte über ein Abo der Sammlermünzen der BRD nachdenken. Der Kauf/das Abo sollte natürlich direkt bei der Ausgabestelle zum offiziellen Ausgabepreis erfolgen.

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